Der Wettinger Oberstufenlehrer, der mit drei Schülerinnen Strip-Poker gespielt und Mädchen und Knaben im Nacken massiert hat, ist zu Recht fristlos entlassen worden. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde des Lehrers vollumfänglich abgewiesen.

Die angewandten Lehrmethoden eines langjährigen Oberstufenlehrers im Schulhaus Zehntenhof in Wettingen waren in keinem Schulplan vorgesehen: Bei falsch oder nicht richtig gelösten Aufgaben beim Kopfrechnen mussten die Schülerinnen jeweils ein Kleidungsstück abgeben.

Auf Wunsch einzelner Schülerinnen und Schüler führte der Pädagoge zudem Nackenmassagen durch. Als die Vorfälle im März 2012 aufflogen, wurde der Lehrer, der seit 1987 an den Schulen der Gemeinde Wettingen tätig war, fristlos entlassen.

Schulleitung schritt nicht ein

Der Strip-Poker fand bereits ein Jahr zuvor statt und flog nur auf, weil im Februar 2012 bei der Schulpflege Beschwerden über denselben Lehrer eingingen. Der Grund waren verbale Entgleisungen in Form von sexistischen Äusserungen gegenüber den Schülern.

Den Strip-Poker jedoch hatte die Schulleitung zuvor mit Experten untersucht. Gemeinsam beschloss man aufgrund der Ergebnisse, den fehlbaren Lehrer weiter zu beschäftigen. Der damalige Schulvorstand und Vizeammann Heiner Studer hatte gegenüber der az erklärt, dass die Schulpflege leider von der Schulleitung nicht über die Vorfälle orientiert worden sei.

Strip-Poker - Lehrer zurecht entlassen

Strip-Poker - Lehrer zurecht entlassen

Der Lehrer akzeptierte die Entlassung nicht und fand zunächst bei der kantonalen Schlichtungskommission für Personalfragen Gehör. Die Kommission erachtete die Kündigung als widerrechtlich und empfahl, dem Lehrer eine Entschädigung von 40 000 Franken zu bezahlen. Zur Begründung führte die Kommission an, ein grobes Fehlverhalten des Lehrers sei zwar ausgewiesen, die zuständigen Behörden hätten jedoch nicht unmittelbar nach Auftauchen der Vorwürfe reagiert, weshalb die fristlose Kündigung rechtswidrig sei.

Der Strip-Poker war bekannt

Die Schulpflege folgte dieser Empfehlung jedoch nicht und hielt an der fristlosen Kündigung fest. Nach dem Aargauer Verwaltungsgericht hat nun auch das Bundesgericht das Vorgehen der Wettinger Schulbehörden abgesegnet. Zur Diskussion Anlass gab in Lausanne insbesondere der zeitliche Ablauf.

Tatsächlich hatte der Schulleiter bereits rund ein Jahr vor der Entlassung Kenntnis vom Strip-Poker. «Einen hinreichenden Grund für eine sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses hatte er darin aber offenbar nicht erblickt und dem Beschwerdeführer deshalb lediglich zu verstehen, dass sich solche oder ähnliche Vorkommnisse nicht mehr ereignen dürften», heisst es im Urteil aus Lausanne.

Neue Vorwürfe kamen hinzu

Das Fass zum Überlaufen brachte dann der Vorwurf der Nackenmassagen, die rund ein Jahr nach den Strip-Poker-Vorfällen und unmittelbar vor der fristlosen Kündigung bekannt geworden sind. Erst gestützt auf diese neuen Erkenntnisse erfolgte die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

Für das Bundesgericht ist es nicht «geradezu willkürlich», diese Kumulation verschiedener Fehlverhalten als Anlass für die fristlose Kündigung zu nehmen. Der entlassene Lehrer hatte in Lausanne argumentiert, die Entlassung sei verspätet erfolgt und deshalb unzulässig gewesen.