Postulat
Keine neue Reinigungsstufe für Abwasser in Turgi – die Investition wäre zu teuer

Zwei Postulate wollten eine verdoppelte Filterkraft von Spurenstoffen in der ARA Laufäcker. Doch das Kosten-­Nutzen-Verhältnis wäre schlecht.

David Rutschmann
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Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Laufäcker in Turgi bleibt, wie sie ist.

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Laufäcker in Turgi bleibt, wie sie ist.

Walter Schwager (01.04.2011

In der Abwasserreinigungs­anlage (ARA) Laufäcker in Turgi wird das Abwasser der umliegenden Gemeinden gereinigt. Die 1969 in Betrieb genommene Anlage entspricht noch heute den geltenden nationalen Gewässerschutzvorschriften – und diese sind im internationalen Vergleich sehr streng. Sogar die Mikroverunreinigung, sogenannte «Spurenstoffe», kann die ARA Laufäcker bereits heute zu 40 Prozent reinigen. Das heisst, dass sie besonders kleine Rückstände von Medikamenten, Reinigungsmitteln oder Pestiziden aus dem Abwasser filtern kann.

Vierte Reinigungsstufe mittels Ozonverfahren

Doch diese 40 Prozent sind einigen nicht genug. Die Spurenstoffe könnten sich noch immer nachteilig auf Wasserlebewesen und die Trinkwasserressourcen auswirken. Vor zwei Jahren reichten deshalb in Baden die Team-Fraktion und in Wettingen SP und Wettigrün im Einwohnerrat Postulate ein. Das Ziel: Die AWA Laufäcker soll Mikroverunreinigungen zu 80 Prozent beseitigen, also doppelt so viel Spurenstoffe rausfiltern wie bisher. Möglich machen sollte dies eine vierte Reinigungsstufe mittels Ozonverfahren oder Aktivkohlefiltern.

Jährliche Kosten würden um einen Drittel steigen

Zunächst einmal sollte jedoch die finanzielle Verträglichkeit eines solchen Projekts geprüft werden. Eine Machbarkeitsstudie, welche die ARA Laufäcker für 20'000 Franken in Auftrag gab, kam nun im vergangenen Sommer zu einem Ergebnis: Die Aufrüstung würde um einiges teurer werden. Je nachdem, für welches Verfahren man sich entscheiden würde, müsste mit Baukosten von rund 21 bis 32 Millionen Franken für die neue Anlage gerechnet werden. Die Betriebskosten samt Abrechnungen würden im Vergleich zu den heutigen Jahreskosten (5,4 Millionen Franken) zu Mehrkosten von 1,6 bis 2,5 Millionen Franken führen − eine Erhöhung von 30 bis 46 Prozent.

Subventionen nicht möglich

In ihrem Postulat hatte Einwohnerrätin Nadia Omar (Team Baden) noch damit gerechnet, dass mit dem Bau der Anlage möglicherweise eine Kostenreduktion bei den Wasserabgaben an den Bund einhergehe. Derzeit fallen pro Kopf 9 Franken Wasserzins jährlich und somit rund 53'1000 Franken an. Doch eine Anfrage an das Umweltamt machte klar, dass die Abgabe auch bei einer aufgerüsteten Super-Sauber-Anlage gelten würde.

Zudem subventioniert der Bund lediglich die Investitionen in die vierte Reinigungsstufe, wenn diese gesetzlich notwendig wird. Dies ist allerdings erst bei einer Einwohnergrösse von 80'000 der Fall. Aktuell arbeitet die ARA Laufäcker für 59'000 Menschen. Selbst bis 2040 ist lediglich ein Wachstum auf rund 76'000 Einwohner prognostiziert.

Badener Stadtrat sieht davon ab

Ergo: Die Verbandsgemeinden, an welche die Kosten umgewälzt werden müssten, würden auf den Kosten sitzenbleiben und diese wohl wiederum auf die Verbraucher umwälzen. Auch wenn Nadia Omar in ihrem Postulat aufgrund der «historisch tiefen Wasserzinsen» von 32 Rappen pro Kubikmeter Wasser noch davon ausgeht, dass eine Erhöhung die Haushalte nicht stark belasten würde: Der Badener Stadtrat sieht davon ab, weitere Schritte zu saubererem Trinkwasser einzuleiten. Er entschloss sich aufgrund des schlechten Kosten-­Nutzen-Verhältnisses und der Empfehlung der ARA Laufäcker selbst dagegen, weitere Gemeinden vom Mehrwert einer vierten Reinigungsstufe überzeugen zu wollen.