Gebenstorf
Keiner kennt die Feuerwehren im Aargau so gut wie er

Karl Meier hat die Entwicklung des Feuerwehrwesens im Kanton Aargau mitgeprägt. Aus geplanten zwei Jahren wurden schliesslich 39 – ab dem ersten August blickt er aber endgültig auf seine lange Zeit im Feuerwehrwesen zurück.

Hanny Dorer
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Das letzte Dossier ist übergeben – nach 39 Jahren und zwei Monaten verlässt Karl Meier die Aargauische Gebäudeversicherung.Hanny Dorer

Das letzte Dossier ist übergeben – nach 39 Jahren und zwei Monaten verlässt Karl Meier die Aargauische Gebäudeversicherung.Hanny Dorer

«Muesch de Kari fröge», lautet die stereotype Antwort, wenn in den Aargauer Feuerwehren ein Problem oder eine Frage auftaucht. Tatsächlich kennt keiner die Feuerwehren so gut wie Karl Meier, der nun per 31. Juli in den Ruhestand tritt.

1974 bewarb er sich auf das Inserat «Feuerwehrabteilung sucht Mitarbeiter» hin bei der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV – damals Aargauische Versicherungsanstalt. «Ich dachte damals, das mache ich zwei bis drei Jahre – jetzt sind 39 Jahre und zwei Monate daraus geworden», schmunzelt er. Beim Gespräch auf dem Sitzplatz vor der Cafeteria der AGV hält er Rückschau auf 39 bewegte, spannende und zum Teil hektische Jahre.

Mit der Feuerwehr hatte Karl Meier schon früh zu tun. Als 19-Jähriger trat er, wie schon sein Vater und sein älterer Bruder, damals Kommandant, in die Feuerwehr Gebenstorf ein. «Feuerwehrdienst zu leisten, war selbstverständlich.» Insgesamt 26 Jahre blieb er in der Feuerwehr, davon 11 Jahre als Kommandant.

Fahrzeuge für alle Feuerwehren

Seine ersten Aufgaben im neuen Job war einerseits die Durchführung von Kursen, anderseits die Mithilfe bei der Durchsetzung des neuen Feuerwehrgesetzes, das per 1. Januar 1973 in Kraft getreten war.

Ein Paragraf lautete: «Die Gemeinden haben ihre Feuerwehr zu motorisieren.» Bisher besassen lediglich Stützpunkt- und einige grosse Feuerwehren Fahrzeuge und Gebenstorf Atemschutz.

Nach den Fahrzeugen die Fusionen

Kaum war die Motorisierung der Feuerwehren abgeschlossen, begann vor 20 Jahren die Rationalisierung. «Meine Aufgabe bestand darin, die Gemeinden bei Zusammenschlüssen zu unterstützen und zu begleiten.» Heute gibt es im Aargau noch 123 Feuerwehren für 216 Gemeinden.

«Das war ein jahrzehntelanger Prozess und nicht immer einfach», blickt Karl Meier zurück. Die ersten Zusammenschlüsse erfolgten freiwillig, dann brachte die Verordnung zum Feuerwehrgesetz einen Anreiz, indem Gemeinden, die ihre Feuerwehr rationalisierten, einen Bonus – sprich höhere Subventionen – erhielten.

«Dies hatte aber wenig Wirkung», blickt Meier zurück. «Deshalb wurde ein Malus – also Kürzung der Subventionen – eingeführt für Gemeinden, die sich der Rationalisierung widersetzten.» Heute ist die Rationalisierung praktisch abgeschlossen, wozu Karl Meier nicht unwesentlich beigetragen hat.

Ende der Aufrüstungsphase

In den wirtschaftlich guten Jahren wurde in den Feuerwehren fleissig aufgerüstet, da alle Fahrzeuge in den Genuss von Subventionen kamen. «Dann hiess es plötzlich vonseiten der Politiker, man müsse sparen, worauf die AGV Richtlinien über die Fuhrparks erliess», erklärt Meier.

Für jede Grössenklasse wurde genau definiert, wie viele und welche Fahrzeuge nötig sind und was sie kosten dürfen. «Wenn eine Gemeinde ein grösseres Fahrzeug kauft, gibt es keine Beiträge», hält Meier fest. «Ich musste also zuerst aufrüsten und dann wieder abrüsten bis zum optimalen Fuhrpark.»

Hohe Hürde für Instruktoren

Neben Kurswesen, Rationalisierung und Beiträge an Feuerwehren war Karl Meier auch für das Instruktorenkorps zuständig. «Ich habe über 300 neue Instruktoren in Pflicht genommen und pflege auch gute Kontakte zu den 250 ehemaligen Instruktoren.»

Die Prüfung für angehende Instruktoren sei sehr hoch. «Im Durchschnitt bestehen 50 Prozent der Anwärter nicht.» Dank der harten Selektion ist das Niveau der 82 derzeit aktiven Aargauer Feuerwehr-Instruktoren sehr hoch.

Praxiserfahrung dank Pikettdienst

Bei der Alarmmeldung «Brand gross» und Strassenrettungen wird mit der zuständigen Feuerwehr stets auch der Pikettdienst der AGV aufgeboten, dem auch Karl Meier angehörte.

«Es ging darum, sich einen Überblick zu verschaffen und bei Bedarf den Einsatzleiter zu unterstützen. Ziel unserer Anwesenheit war aber keinesfalls Kontrolle, sondern Hilfestellung», betont Meier.

«Ich habe selber viel profitiert und Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen. Ich sah, wie die Feuerwehren arbeiten, und lernte die Basis kennen.»

Belastend sei es, wenn bei einem Brand oder Verkehrsunfall Personen zu Schaden kommen. Er erinnert sich an den schlimmsten Einsatz, den er als Kommandant in Gebenstorf selber geleitet hat und bei dem eine ganze Familie – Vater, Mutter und Kind – in den Flammen umkam. «Das setzt einem schon zu.»

Seine Pläne ab 1. August? «Täglich eine Stunde marschieren, im Garten liegen, Zeitung oder ein Buch lesen, im Haushalt helfen und mit der Zeit auch kochen lernen», fasst er zusammen. Was er nicht tun will: Ratgeber für die Feuerwehren sein. «In bin nicht mehr zuständig, andere tragen jetzt die Verantwortung.»