Baden
Kerzenziehen in Gefahr: Dem Verein fehlt es an Personal

Seit der Gründung des Kerzenziehens vor über 40 Jahren flossen mehr als 1,8 Millionen Franken an Institutionen im Behindertenwesen. Doch jetzt droht dem beliebten Anlass das Aus.

Carla Stampfli
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Das Kerzenziehen ist seit über 40 Jahren beliebt – vor allem bei Kindern.

Das Kerzenziehen ist seit über 40 Jahren beliebt – vor allem bei Kindern.

Alex Spichale

Derzeit wäre wohl kaum jemand in der Stimmung, Schnüre in warmen Wachs zu tauchen, einmal um den Baum zwischen der Confiserie Himmel und dem Nähgeschäft Kunze zu laufen – um kurze Zeit später die Schnüre wieder in den Wachs zu tauchen. Anders in der Weihnachtszeit: Dann erfreut sich das Kerzenziehen auf dem unteren Bahnhofplatz in Baden grosser Beliebtheit.

Ausgerechnet dem Brauch, der seit über vier Jahrzehnten gelebt wird, droht nun das Aus. Denn: Der organisierende Verein Kerzenziehen Baden braucht dringend neue Vorstandsmitglieder, wie Präsident Beni Leutenegger sagt: «In der gegenwärtigen Zusammensetzung könnte das Kerzenziehen dieses Jahr nicht durchgeführt werden.» So seien langjährige Mitglieder vor kurzem aus dem Gremium zurückgetreten oder hätten ihren Rücktritt geplant. «Wir hatten bereits in den letzten Jahren grosse Mühe, das Kerzenziehen zu organisieren», sagt er. Doch nun sei der Personalbestand so tief, dass es ohne neue Kräfte unmöglich wäre, den Anlass im kommenden Winter auf die Beine zu stellen.

Pensionäre wären ideal

Mit neuen Mitgliedern meint Leutenegger aber nicht etwa Freiwillige, die sich für mehrere Stunden oder mehrere Tage für das Kerzenziehen einsetzen. «Was dem Verein fehlt, sind Personen, die gewillt sind, sich aktiv zu engagieren», erklärt er. Mit anderen Worten: das Kerzenziehen zu koordinieren, während den Öffnungszeiten des Kerzenhauses vor Ort zu sein und an mehreren Vorstandssitzungen pro Jahr teilzunehmen. Leutenegger denkt beispielsweise an Pensionäre und interessierte Personen, die Zeit und Lust haben, sich für einen guten Zweck einzusetzen – kommt der Erlös doch vollumgänglich Menschen mit einer Beeinträchtigung in der Region Baden und Umgebung zugute.

Für eine Saison aussetzen?

Den Startschuss zum Kerzenziehen legten Eltern körperbehinderter Kinder im Jahr 1975. Unter dem Lead von Hauptinitiantin Nanette Hofmann sammelten sie Geld, um zwölf Jahre später 700 000 Franken für den Bau des Zentrums für körperbehinderte Kindern (Zeka) in Baden-Dättwil beizusteuern. Der Erfolg liess die Organisatoren nicht ruhen: Das Kerzenziehen wurde fortgesetzt. Bis heute kamen über 1,8 Millionen Franken zusammen – pro Jahr zwischen 30 000 und 40 000 Franken –, mit denen verschiedene Institutionen im Behindertenwesen unterstützt werden konnten. «Der Erfolg gibt uns zwar recht. Doch leider findet sich heutzutage kaum jemand, der sich ehrenamtlich einsetzen möchte», sagt Leutenegger.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Verein das Aus droht: Bereits 2003 bekundete man Mühe, genügend Helferinnen und Helfer zu finden. Damals wurde jedoch entschieden, den Verein nicht aufzulösen und stattdessen das Kerzenziehen für eine Saison auszulassen. Leutenegger: «Ich befürchte, wenn das ein zweites Mal geschieht, wird die Aktivität nicht wieder aufgenommen.»

Um ein solches Szenario zu verhindern, hat der Vorstand verschiedene Institutionen wie die «Arwo» in Wettingen, das «Zeka» und die Stiftung Cerebral angeschrieben. «Jetzt werden wir schauen, wie das Echo ausfällt. Bis zur Generalversammlung im Herbst haben wir Klarheit, ob die Tradition weiterleben oder der Verein aufgelöst wird», sagt der Präsident, der seit 15 Jahren im Amt ist. Sollte Letzteres eintreffen, wäre dies auch deshalb zu bedauern, weil der Verein eigentlich über ein ansehnliches Vermögen verfüge. «Es wäre wirklich schade, würde es an fehlenden Hilfskräften scheitern.»

Verein Kerzenziehen Baden: sekretariat@kerzenziehen-baden.ch oder 056 484 86 86.