Killwangen/Spreitenbach

Killwangen und Spreitenbach: Die Liebe hält sich in Grenzen

Die Satellitenaufnahme zeigt den Grössenunterschied der beiden Gemeinden.

Die Satellitenaufnahme zeigt den Grössenunterschied der beiden Gemeinden.

Sollen Killwangen und Spreitenbach fusionieren oder die bestehende Zusammenarbeit weiterführen? Klar ist: Die Ortsparteien von Killwangen und Spreitenbach äussern sich zurückhaltend zum Thema Fusion

Sollen Killwangen und Spreitenbach fusionieren oder die bestehende Zusammenarbeit weiterführen? Das «Badener Tagblatt« hat bei den Ortsparteien eine Umfrage dazu gemacht.

Das Ergebnis: Ihre Haltungen sind unterschiedlich, zeigen aber eine gewisse Ratlosigkeit.

So möchten sie das wichtige Thema gerne aufnehmen, kennen aber den Inhalt der beteiligten Fachgruppen nicht. Die Gemeinden und die Projektleitung laden am 15. Oktober zur Informationsveranstaltung ein.

Dann haben die Stimmberechtigten Zeit, sich bis zum 1. Dezember ein Urteil zu bilden. An diesem Abend müssen sie an den Gemeindeversammlungen in Killwangen und Spreitenbach entscheiden, ob sie einen Zusammenschlussvertrag ausarbeiten lassen oder ob der Fusionsprozess beendet ist. Sind sie dafür, ist dies die Basis für das weitere Verfahren. Wenn der Vertrag vorliegt, müssen die Stimmberechtigten an weiteren Gemeindeversammlungen und anschliessend an der Urne die entscheidende Frage beantworten: «Sollen Killwangen und Spreitenbach fusionieren?»

EVP hat Grenzen überwunden

«Grossräumig denken und zusammenarbeiten ist für die EVP eine gute Option, um Aufgaben zu lösen», teilt EVP-Vorstandsmitglied Heidi Fausch aus Killwangen mit. «Durch die Bautätigkeit und die Verkehrsplanung rücken wir im Limmattal immer näher zusammen», ergänzt sie. Konsequenterweise hat die EVP vor drei Jahren im Aargauer Limmattal die Regionalgruppe Wettingen-Limmattal gebildet. Die Partei hat sich in den Facharbeitsgruppen zur Fusion beteiligt: «Dabei zeigten sich weder ein dringender Bedarf nach einer Fusion noch grosse Vor- oder Nachteile.»

Mit einer Fusion könnte nach Ansicht der Partei die bestehende intensive Zusammenarbeit vereinfacht werden. Gerade darin sieht die Partei einen Hinderungsgrund: «Zusammenarbeit ist sehr gut, sodass sich keine Fusion aufdrängt.»

Einen weiteren Kritikpunkt sieht sie in der Grösse: «Für die Spreitenbacher würde sich nicht viel ändern. Ob weitere 2000 Einwohner dazugehören, hat kaum Einfluss. Für die Killwanger Bevölkerung hätte eine Fusion grossen Einfluss auf das Dorfleben und auf den Behördenkontakt.» Deshalb sollte es nur zur Fusion kommen, wenn beide Gemeinden wesentliche Vorteile haben. Eine Abstimmungsempfehlung will die EVP nach der Informationsveranstaltung abgeben.

CVP will Strukturen überprüfen

Die Veränderungen und das Wachstum der letzten Jahre mache nach Ansicht der CVP Spreitenbach eine regelmässige Überprüfung der Strukturen notwendig. Parteipräsidentin Doris Peter ergänzt: «Die Aufgaben- und Kostenverlagerung vom Bund zu den Kantonen und von dort zu den Gemeinden können von einer grösseren Gemeinde besser bewältigt werden.»

Zu den Veränderungen zählt die Partei den Wechsel zu regionalen Zivilstandsämtern, den Übergang des Vormundschaftswesens an die Gerichte oder die Einführung der Regionalpolizei. Die CVP Spreitenbach betont, dass sachliche Argumente den Ausschlag geben sollten: «Jedoch spielten die Emotionen bei solchen Entscheiden eine grosse Rolle.» Die unterschiedlichen Einwohnerzahlen, Spreitenbach zählt rund 11 000 Einwohner, Killwangen 2000, könnten die Befürchtung wecken, der Grössere werde den Kleineren erdrücken.

«Es gilt, solche Ängste ernst zu nehmen und bei einem Zusammenschluss zu berücksichtigen», hält Doris Peter fest. Zur Kommunikation teilt die Partei mit: «Bis jetzt ist die Information der Bevölkerung ungenügend.»

Eine Abstimmungsempfehlung will die Partei nach der Informationsveranstaltung abgeben: «Der endgültige Entscheid wird an der Mitgliederversammlung gefällt.» Danach will die CVP mit den anderen Ortsparteien Kontakt aufnehmen: «Wenn möglich wollen wir eine gemeinsame Strategie verfolgen.» Falls es nicht zur Fusion kommt, will die Partei die Zusammenarbeit weiterführen.

CVP ist sehr befremdet

«Die CVP Killwangen ist über die Informationspolitik der Projektleitung befremdet», erklärt die Partei, die es begrüsst hätte, wenn die Berichte der Facharbeitsgruppen schon vor dem Informationsanlass am 15. Oktober publiziert worden wären. «So kann man sich nicht darauf vorbereiten und eine eigene Meinung bilden.»

Die Partei beabsichtigt, Anfang November eine Diskussionsveranstaltung durchzuführen. Vor allem emotionale Gründe sprechen nach Ansicht der CVP Killwangen gegen eine Fusion.

Das sind, so Präsident Urs Alt: «Die Aufgabe der eigenen Gemeinde, ein allfälliger Identitätsverlust und der mögliche Verlust des Verwaltungsstandortes.» Sollte es keine Fusion geben, will die Partei «den Weg der Zusammenarbeit verstärken».

Vorerst will sie der Bevölkerung den Puls fühlen, um festzustellen, ob diese gleich wie der Gemeinderat Killwangen denkt. Dieser hat sich einstimmig gegen eine Fusion ausgesprochen. «Für die CVP ist klar, dass sie sich erst nach der Veröffentlichung der Facharbeitsberichte eine objektive Meinung bilden kann und dann Stellung nehmen wird», betont Alt.

SP erwartet keine Zusatzkosten

«Bei den bevorstehenden Gemeindeversammlungen geht es nicht um eine definitive Abstimmung über die Fusion von Killwangen und Spreitenbach, sondern um den Fusionsvertrag», betont Manuel Fischer von der SP Spreitenbach. Sie geht davon aus, dass der Kanton eine Fusion mit 6 Millionen Franken unterstützen will: «Somit entstehen keine zusätzlichen Kosten.»

Die Partei betont, dass sie bisher keine Einsicht in den Schlussbericht der Facharbeitsgruppe hatte. Sie zeigt Verständnis für die vor allem aus Killwangen kommenden Vorbehalte: «Killwangen könnte mittelfristig als Teil des grösseren Spreitenbach wahrgenommen werden.» Weiter weist sie auf die personellen Grenzen des Miliz-Systems hin.

«Klar empfiehlt die SP den Gemeindeversammlungen, der Ausarbeitung eines Fusionsvertrages zuzustimmen.» Dieser werde die Stärken und Schwächen der Gemeinden, aber auch die Chancen eines Zusammenschlusses nochmals darlegen. Falls keine Fusion zustande komme, sei er ein Grundlagenpapier für die späteren Jahre, teilt Fischer mit und ergänzt. «In diesem Falle wollen wir, dass die Zusammenarbeit der Gemeinden vertieft wird.» Die Arbeit der Facharbeitsgruppen erachtet die Partei als lehrreich: «Synergien wurden erörtert und Probleme auf den Tisch gelegt, die sonst nie diskutiert worden wären.»

FDP wartet auf die Fakten

Die FDP ist sich bewusst, dass die Thematik einer Fusion viele Emotionen wecken kann, hält der Spreitenbacher FDP-Präsident Alexander Betschart fest. «Deshalb ist es wichtig, die Fakten genau zu prüfen und eine Entscheidung basierend auf den Erkenntnissen der Facharbeitsgruppen zu treffen.» Dies will die Partei nach dem Informationsabend am 15. Oktober machen.

SVP befürchtet Steuererhöhung

Die SVP Spreitenbach befürchtet, dass bei einer Fusion der Steuerfuss in Spreitenbach von 101 auf 105 Prozent angehoben wird. Sie sieht keine Gründe für eine Fusion, wie Präsident Edgar Benz mitteilt. Stattdessen will die Partei die bestehende Zusammenarbeit in den Bereichen Zivilstandsamt, Betreibungsamt, Feuerwehr Polizei, Zivilschutz und Oberstufe weiterführen.

SVP wird demnächst beraten

«Wir werden zum Thema Stellung nehmen, wenn der Parteivorstand darüber diskutiert hat», sagt Jules Rutishauser, Präsident der SVP Killwangen, und er ergänzt: «Dies wird demnächst an einer Vorstandssitzung geschehen.»

BDP will zuerst Informationen

«Eine Fusion muss geografisch Sinn machen und zu Einsparungen in der Verwaltung führen», teilt Lukas Wopmann für die BDP mit. Die Partei empfiehlt den Stimmberechtigten aber, die Informationsveranstaltung zu besuchen und Fragen zu stellen: «Dies bietet die Möglichkeit, sich eine fundierte Meinung zu bilden.»

Meistgesehen

Artboard 1