Die familienergänzende Kinderbetreuung in Mellingen soll erweitert werden. Denn das neue Kinderbetreuungsgesetz verlangt, dass Gemeinden ab dem kommenden Schuljahr den bedarfsgerechten Zugang zu Tagesstrukturen für Kinder bis zum Ende der Primarschule ermöglichen. Zwar will sich Mellingen dabei «auf das bestehende und bestens bewährte Angebot abstützten», wie Gemeindeschreiber Beat Deubelbeiss sagt. So bieten etwa die Kinderhorte Iberg und Strampolino für Kinder bis zur zweiten Klasse respektive bis und mit Kindergarten eine umfassende Tagesbetreuung an. Zudem können sich Kinder im «Iberg» am Mittagstisch verpflegen. «Weiter haben wir für Tagesbetreuung mehrer Tagesfamilien vor Ort.» Dennoch will die Gemeinde auf Wunsch vieler Eltern, das bestehende Angebot mit verschiedenen Partnern ausbauen.

An einer Informationsveranstaltung hat die dafür gegründete Arbeitsgruppe unter Leitung von Gemeinderätin Giovanna Suter (FDP) darüber informiert, was die Gemeinde plant: Ausser mittwochs soll es an den Schultagen eine ganztägige Kinderbetreuung von 7 bis 18 Uhr geben. Eltern können verschieden Teilangebote wählen, unter anderem Früh-, Randstunden- oder Mittagsbetreuung.

Schule miteingebunden

Die Früh- und Randstundenbetreuung soll direkt von der Schule angeboten werden und in den Schulstandorten selber stattfinden. Für das Betreuungsangebot am Mittag und bis 18 Uhr will die Gemeinde eine Trägerschaft einsetzen. Die Betreuung könnte im reformierten Kirchengemeindehaus stattfinden und ab 2021 – nach Inbetriebnahme des neuen Primarschulhauses, in der Kleinen Kreuzzelg – ins Mehrzweckgebäude verlegt werden. «Für die Betreuung ab Mittag sind wir im Gespräch mit dem Verein Iberg, der auch den Kinderhort führt», sagt Suter auf Anfrage.

Der Arbeitsgruppe gehören unter anderem der Primarschulleiter Mellingen/Wohlenschwil, Felix Burkard, der Bezirksschulleiter Mellingen/Wohlenschwil, Stefan Lüpold sowie Wohlenschwils Frau Gemeindeammann Erika Schibli (FDP) an, die aufgrund des Schulverbundes mit Wohlenschwil in der Arbeitsgruppe ist.

Pilotprojekt mit Ausbauoption

Für Mellingen hat die Arbeitsgruppe entschieden, statt eine Bedarfsanalyse zu machen, mit einem Pilotprojekt zu starten. «Hier verlassen wir uns auf den externen Berater Sergio Tassinari, der schon zahlreichen Aargauer Gemeinden bei der Umsetzung von Tagesstrukturen geholfen hat. Bedarfsanalysen haben so ihre Haken: In einer ersten Phase melden Eltern bedarf an, nutzen letztlich aber das Angebot nicht», sagt Suter. Mit einem Pilotprojekt könne man vorsichtig starten und dieses wenn nötig ausbauen.

Grundsätzlich seien die Pläne der Arbeitsgruppe gut aufgenommen worden, sagt Suter. Rund 90 interessierte Personen, hauptsächlich Mütter, haben an der Veranstaltung teilgenommen und dabei auch ihre Anliegen deponiert. So wünschen sich zahlreiche Eltern, dass es eine Früh- und Spätbetreuung ab 6.30 Uhr und bis 18.30 Uhr gibt. Zudem soll es auch mittwochs ein Betreuungsangebot mit Mittagstisch geben. Weiter wünschen die Eltern eine Ferienbetreuung.

«Wir haben die Anliegen aufgenommen und werden prüfen, ob und wie wir sie umsetzen können», sagt Suter. Es sei letztlich eine Frage der Räumlichkeiten, des Personals und der Kosten, wobei sich letztere auf Eltern und Gemeinde verteilen. Zudem benötige die Umsetzung politische Entscheide. «Bei der Ferienbetreuung ist es sicherlich prüfenswert, ob wir mit anderen Gemeinden in der Region eine Verbundslösung erarbeiten können.»

Geplant ist, dass das Betreuungsangebot nach den Sportferien 2019 bereitsteht. Damit die Arbeitsgruppe Massnahmen treffen kann, muss allerdings zuerst die Gemeindeversammlung am 13. Juni das neue Reglement über die familienergänzende Kinderbetreuung genehmigen.