Die Kindergartenlehrer fordern, dass sie endlich gleich viel verdienen wie Primarschullehrer. Ihre Begründung: Sie absolvieren heute die gleiche Ausbildung, unterrichten ebenfalls zielorientiert nach kantonalem Lehrplan und haben den gleichen zeitlichen Aufwand. Trotzdem verdienen sie deutlich weniger. Laut geltendem Lohnreglement verdient ein 40-jähriger Kindergartenlehrer im Monat 1100 Franken weniger als ein Primarlehrer.

Wenigstens ein Kompromiss?

An vorderster Front setzt sich die Badener Grossrätin Kathrin Fricker (Grüne) dafür ein, dass Kindergartenlehrer mehr Lohn erhalten. «Es ist nicht mehr zeitgemäss und vor allem diskriminierend, wenn die Kindergärtner – und zwar nur sie – in der niedrigsten Lohnstufe eingestuft sind», stellt Fricker klar.

Das neue Lohndekret, das morgen im Grossen Rat behandelt wird, sieht zwar Verbesserungen für die Kindergärtner vor. So soll das Jahresgehalt eines 40-jährigen Kindergartenlehrers von heute 88302 auf 92860 Franken steigen. Das wären aber immer noch 11359 Franken weniger als ein Primarlehrer verdienen würde. Weil der Regierungsrat weiterhin an der niedrigsten Lohnstufe festhält, könnte Fricker auch mit einem Kompromiss leben. Ebenso die Kommission Bildung, Kultur und Sport, der Fricker angehört. «Die Kommission hat eine Neueinstufung in Lohnstufe 3 angenommen», so Fricker. Dieser Entscheid sei vertretbar, auch wenn der Unterschied zu den Primarlehrern (Lohnstufe 5) bleibe.

Fricker stellt Klage in Aussicht

Der Regierungsrat hat bereits signalisiert, dass er den Antrag der Kommission nicht unterstützt und an seinem Entwurf (Lohnstufe 1) festhält. Für Fricker unverständlich: «Der Gedanke, dass der Regierungsrat weiterhin auf Kosten der Kindergartenlehrer sparen will, drängt sich geradezu auf.» Wenn in Sachen Lohn nichts passiere, müsse der Kanton damit rechnen, langjährige, gute Arbeitskräfte zu verliere. Fricker: «Sollte die Erhöhung nicht durchkommen, reichen wir allenfalls eine Lohnklage ein.»

Fricker betont: «Ich möchte auf keinen Fall den Kindergarten gegen die Primarschule ausspielen. Es geht mir lediglich darum, dass die Kindergartenlehrer von der Gesellschaft die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen – und da gehört auch der Lohn dazu.» Es könne doch nicht sein, dass, nur weil die Kinder kleiner sind, der Lohn kleiner ist. Und: «Viele Menschen haben immer noch das Gefühl, dass im Kindergarten nur gespielt wird», so Fricker.

Defizite werden früh erkannt

Dass dem nicht so ist, zeigen Kurzvisiten bei verschiedenen Kindergärten in der Region. Kindergärtler werden gezielt nach ihren Fähigkeiten gefördert, Lektionen werden vor- und nachbereitet, Kontakte mit Eltern aufgegleist, Integrationsarbeit geleistet und beobachtet, ob sich bei Kindern allfällige Defizite bemerkbar machen. Dass daneben auch viel gespielt wird, stellt keine der befragten Kindergärtnerinnen in Abrede. «Doch Spiele dienen dazu, die Kinder in ihrer Sozial-, Sach- und Selbstkompetenz zu fördern», heisst es unisono.