Der 14 Wochen alte Matteo strampelt zufrieden auf der Babydecke und lächelt mal seine Mama, mal die Kindertagesstätten-Leiterin Kerstin Reissig an. Seine Eingewöhnungsphase, bei der die Mutter dabei ist, geht heute zu Ende. Ab morgen ist Matteo eins der gut 30 Kinder, die in der Chäferstube betreut werden.

Im Januar konnte die Chäferstube ein 650 Quadratmeter grosses Haus beziehen. Platz genug für Spiel- und Schlafräume, eine grosse Turnhalle mit Theaterecke, einen Essraum, eine Werkstatt mit Labor sowie eine Bücher- und eine Wissensbibliothek. «Wir sind schweizweit die erste Kindertagesstätte, die den Kindern nebst Spiel und Spass auch Weltwissen aus dem Regal vermittelt», sagt die Kleinkindpädagogin.

Erforschen und ausprobieren

Kerstin Reissig und ihr siebenköpfiges Team arbeiten nach einem Konzept der Kindheitsforscherin Donata Elschenbroich und sammeln interessante Gegenstände, die in einer «Bibliothek der Dinge» den Kindern zum Erforschen und Ausprobieren zur Verfügung stehen.

Dort findet man etwa ein altes Telefon mit Wählscheibe, Sanduhren, Blumensamen oder ein Mikroskop. Der dreijährige Lenny angelt Mini-Kugelspiel aus dem Gestell und setzt sich damit auf den Boden. In Windeseile scharen sich andere Kinder um ihn. Eine Erzieherin erklärt, was er da vor sich hat und wie es funktioniert. Das Ziel sei, die Neugier der Kinder zu wecken und ihnen über Gegenstände auf spielerische, zwanglose Art Wissen zu vermitteln, betont Reissig. Auch Sprachförderung oder mathematisches Wissen sollen zu einem emotionalen Erlebnis werden.

Kleine Forscher kommen im Labor und kleine Handwerker in der Werkstatt auf ihre Rechnung. Und um dem Bewegungsdrang der Kleinen gerecht zu werden, steht im Untergeschoss eine grosse Turnhalle mit Bällen, Reifen und Fahrrädern zur Verfügung. «Nach der Turnstunde gehen wir mit ihnen in den Snoezelraum», sagt Reissig. Dort können die Kinder bei sanfter Musik und einem beruhigenden Lichterspiel herunterfahren.

Alle Interessierten können am Samstag von 11 bis 16 Uhr im Grund 3 in Spreitenbach ein Bild der Weltwissen-Kita machen. Für Spiel, Spass und Leckereien ist gesorgt. Zudem nutzt die Lernende Daniela Romeo das Jubiläum, um einen Soliday zu veranstalten. Sie wird Selbstgebackenes verkaufen, deren Erlös in den Sammeltopf von Soliday fliesst.

Zugang zur Bildung ermöglichen

Diese Solidaritätsplattform bekämpft die «Neue Armut» und ermöglicht so Kindern aus einem ökonomisch und sozial schwierigen Umfeld mit einer Kostengutsprache unter anderem den Besuch von Kindertagesstätten. «Unseren Erfolg haben wir ohne jegliche staatliche Unterstützung durch Bund, Kanton oder Gemeinde erarbeitet», sagt Reissig. Leider sei dadurch aber Kindern aus Familien mit bescheidenen finanziellen Verhältnissen der frühe Zugang zu Bildung nicht möglich. Hier könne Soliday einspringen, so Reissig.