Baden
Kino Royal: Lieber 300 Szenis als 13 Parkplätze

Ein Durchkommen war unmöglich. Dutzende neugierige «Royal»-Fans versammelten sich bis auf die Strasse vor dem ehemaligen Kino. Es ist die Eröffnung des neuen Kulturlokals Royal. Am Freitag war das Haus bereits um 22 Uhr voll.

Corinne Rufli
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Über 300 Kulturmenschen und Szene-Badenerinnen und -Badener verschafften sich einen Einblick in das frisch umgebaute Lokal.

Wo einst im Kinosessel geschmust wurde, stand man nun an der rot leuchtenden Bar oder bewegte sich zu Musik auf der Tanzfläche. «Schon lange nicht mehr gesehen», war die gängige Begrüssung vieler alter Kumpels und Freundinnen. Wer «Seerose», «Falken», «KuBa» oder «Kleiderfabrik» vermisst hatte, suchte sein Glück im «Royal».

Tanzen statt Schmusen

Auf der Kinoleinwand wurden Teaser gezeigt von den künftigen Veranstaltern im Kulturlokal. Konzerte, Events mit russischem Flair, Slam-Poetry sowie eine Leinwand-Disco werden ab nun die Gemüter erregen.

Nach dem nordischen Rockkonzert von Tommigun wurde es ruhiger im ehemaligen Kinosaal. Das Publikum schien zufrieden: «Man spürt die Leidenschaft, die ins ‹Royal› gesteckt wurde», sagte Claudia «Frau Meise» Nabholz. «Baden braucht einen solchen Ort.» Und dem Ur-Badener Markus Gut gefiel die Affinität des Publikums zu Kreativität und Kultur. Sämy Göbelbecker betonte, dass sie sich freut, dass es endlich wieder einen kommerzlosen Ort gibt in Baden.»

Zur Feier des Tages wurde in einem Kurzfilm von Andi Hofmann der Geist der Marie Antoine beschwört. Denn diese exzentrische Dame aus Paris war es, die in den 1910er-Jahren den verwegenen Wunsch hatte, in Baden ein Kino zu bauen. Genauso verwegen war der Wunsch der «Royal»-Freunde im Jahr 2010, das Kino zu retten.

Realsatire mit Parkplätzen

Die Zwischennutzung als Kulturlokal ist nur für 3 Jahre gesichert. Das Kino könnte also nach wie vor für Dramen sorgen - besser aber als für eine Realsatire mit 13 Parkplätzen. Wer die «Seerose» oder das «KuBa» vermisst hatte, suchte am Freitag sein Glück im «Royal».