Turgi
Kirche bleibt vorerst im Dorf: Gemeinderat legt Abbruchpläne auf Eis

Der Gemeinderat hat ein Abbruchgesuch der Kirchgemeinde für zwei Jahren sistiert. Damit will er ermöglichen, dass die Kirche möglicherweise unter Denkmalschutz gestellt werden kann.

Pirmin Kramer
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Reformierte Kirche Turgi

Reformierte Kirche Turgi

Wikimedia Commons/Lutz Fischer-Lamprecht
Die reformierte Kirche und das Neubauprojekt. (Archiv) Auf dem Areal sollten nebst einer neuen auch Wohnungen entstehen.

Die reformierte Kirche und das Neubauprojekt. (Archiv) Auf dem Areal sollten nebst einer neuen auch Wohnungen entstehen.

AZ

Seit gestern Montagnachmittag steht fest: Die reformierte Kirche in Turgi darf zumindest in den kommenden zwei Jahren nicht abgerissen werden. Der Gemeinderat hat das Abbruchgesuch der Kirchgemeinde für diese Zeitspanne auf Eis gelegt und gleichzeitig eine Bausperre über das Areal verhängt. Begründung: Derzeit laufe die Revision der Bau- und Nutzungsordnung, und dabei soll die Unterschutzstellung der Kirche sowie des Pfarrhauses geprüft werden.

Würde die Kirche bereits jetzt abgerissen, hätte die Gemeindeversammlung keine Möglichkeit mehr, über die Unterschutzstellung zu entscheiden. Die Voraussetzung, die Unterschutzstellung zu prüfen, sei aus zwei Gründen gegeben: Erstens sei die Kirche im Kurzinventar der kantonalen Denkmalpflege aufgeführt. Und zweitens sei ein unabhängiges Gutachten zum Schluss gekommen, dass die reformierte Kirche in architektonisch-baukünstlerische Hinsicht als wichtiger Zeuge mit lokaler Bedeutung zu werten ist, begründet der Gemeinderat seinen Entscheid.

Lebt die Hoffnung noch?

Der definitive Entscheid zur Frage, ob die Kirche abgerissen und neu gebaut werden darf, steht also nach wie vor nicht fest. Die Sistierung des Abbruchgesuchs für zwei Jahre kommt einer Pause im Kirchenstreit gleich. Was bedeutet der neuste Beschluss des Gemeinderates für die Kirchgemeinde, die auf dem Areal gerne ein neues Gotteshaus sowie Alterswohnungen errichten würde? Kommt er einer Niederlage gleich, weil nach wie vor kein grünes Licht für diese Pläne erteilt wurde? Oder vielmehr einem kleinen Sieg, weil nach wie vor Hoffnung besteht, dass das Abbruchgesuch dereinst doch noch bewilligt werden könnte? Albert Lehmann, Präsident der reformierten Kirchgemeinde Turgi, Birmenstorf und Gebenstorf, wollte auf diese Fragen keine Antwort geben und verzichtete auf einen Kommentar zur aktuellen Lage.

Emotionale Debatte

Die emotionale Debatte um die Zukunft des Turgemer Gotteshauses startete vor zwei Jahren. Die Kirchenpflege argumentierte, das 1960 errichtete Gotteshaus sei sanierungsbedürftig, doch eine Renovation lohne sich nicht. Die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Variante sei der Abbruch und anschliessende Neubau, wobei auf dem Areal auch Alterswohnungen erstellt werden sollen. Die Kirchgemeindeversammlung bewilligte diese Pläne im März 2013 mit 77 zu 36 Stimmen.

Während die reformierte Landeskirche Aargau die Idee als einzigartig und wegweisend bezeichnete, regte sich in Turgi und Umgebung Widerstand: 379 Gegner des Abbruchs reichten im Juli 2013 beim Gemeinderat eine Petition ein, in der sie den Planungsstopp auf dem Areal forderten. Sie bezeichneten die Kirche als Kulturgut, als Zeitzeuge aus einer wichtigen Epoche der Dorf- und Kirchengeschichte Turgis.

Trotz Widerstand führte die Kirchenpflege einen Architekturwettbewerb durch und kürte im Januar 2014 das Projekt der «ds.architekten» aus Basel zum Sieger. Vier Monate später reichte die Kirchgemeinde beim Gemeinderat das Abbruchgesuch ein, das nun für zwei Jahre auf Eis gelegt wurde.