Bellikon
Kirchenchor Bellikon steht vor dem Aus

Das Kirchweihfest Ende Oktober wird wohl zum Abschiedskonzert des Kirchenchors Bellikon. Es fehlt an Sängerinnen und Sängern.

Annemarie Pelikan
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«Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen» – so lautet der Text zum Eingangslied der Kirchweihfeier vom kommenden 23.Oktober in der katholischen Kirche Bellikon. Die Proben dazu laufen bereits. Und wie. Dirigentin Sarah Frei lässt die Stimmen alle Strophen singen, erst einzeln, dann alle zusammen – immer wieder. Ausnahmsweise wird in der Kirche gesungen, und die 14 Sängerinnen und Sänger geben sich wirklich alle Mühe.

Gastsänger füllen die Lücken

Trotzdem: Der Kirchenchor Bellikon wird wohl seinen 100.Geburtstag im Jahr 2014 nicht mehr feiern können – wenn nicht doch noch ein kleines Wunder geschieht. «Uns fehlen vor allem Sopranstimmen, aber auch die Bässe könnten Unterstützung brauchen», sagt Präsident Josef Locher. Das Problem bestehe zwar nicht erst seit kurzem, sei aber durch den Austritt von gleich drei Frauen im Sopran akut geworden. Zudem müssten sie nächstens auch auf eine sehr gute Bassstimme verzichten, da dessen Inhaber wegziehe. «Bis heute konnten wir an den jeweiligen Auftritten den Mangel durch Gastsängerinnen und -sänger ausgleichen, doch auf die Dauer ist dies kein Zustand», sagt er.

Der Abbau im Verein sei schleichend passiert. Noch vor zehn Jahren habe der Chor einmal pro Monat, jedoch mindestens an hohen Feiertagen, jeweils die Gottesdienste begleitet. «Doch dieses Mitwirken wurde durch die altersbedingte Schrumpfung des Vereins immer weniger», bedauert Locher. Dann habe dieser auch noch die Leitung verloren. Deshalb suchte man vor zwei Jahren den Anschluss an den Kirchenchor Stetten und Künten, doch deren Vorstellungen deckten sich nicht mit den ih-
ren. «Sie befürchteten wohl, dass es Zuständigkeitsschwierigkeiten geben könnte, denn jeder Chor wollte vor allem in seiner Kirche auftreten.» Dabei stammen heute lange nicht mehr alle Mitglieder des Kirchenchors Bellikon aus dem Dorf, Präsident Josef Locher wohnt beispielsweise in Remetschwil.

«Dies alles aufzugeben, schmerzt»

Zwar fand der Verein dann mit der jungen Sarah Frei wieder eine motivierte Dirigentin. Trotzdem sei so kaum mehr an erträgliche Proben, geschweige denn Auftritte zu denken, so Locher. Deshalb habe man sich schweren Herzens entschlossen, den Verein voraussichtlich an der nächsten Generalversammlung aufzulösen. «Wir können nicht ständig auf die Unterstützung von Gastsängern bauen. So wird wohl die Feier zum Kirchweihfest am 23. Oktober mit der Missa F-Dur von Valentin Rathgeber, verstärkt durch Orgel und Instrumentalisten, unser letzter grösserer Auftritt als Kirchenchor Bellikon sein», sagt Locher. Natürlich werde man auch noch den Mitternachtsgottesdienst an Weihnachten begleiten. «Leid tut es uns vor allem für die älteren Mitglieder, welche teilweise seit 30 bis 40 Jahren dem Chor die Treue halten. Dies alles aufzugeben, schmerzt!» Gerettet werden könnte der Kirchenchor durch neue sangesfreudige Frauen und Männer aus dem Dorf oder der Region. «An ein Wunder glauben darf man doch immer», sagt Locher augenzwinkernd.

Weitere Infos gibt Josef Locher 056 470 76 27 oder locher.sepp@bluewin.ch