Turgi
Kirchenpflegepräsident: «Gegner des Abbruchs sehe ich selten in der Kirche»

Das marode Gotteshaus in Turgi soll nicht renoviert, sondern abgebrochen werden. Jetzt spricht Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann im Interview über den geplanten Kirchen-Neubau und den Vorwurf der Geldgier.

Pirmin Kramer
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Vor wenigen Wochen wurde beschlossen, die reformierte Kirche in Turgi abzubrechen. AZ-Archiv/WAL

Vor wenigen Wochen wurde beschlossen, die reformierte Kirche in Turgi abzubrechen. AZ-Archiv/WAL

Seit letztem Herbst sorgt ein Plan der reformierten Kirchenpflege Birmenstorf-Gebenstorf-Turgi für Schlagzeilen: Das marode Gotteshaus in Turgi soll nicht renoviert, sondern abgebrochen und neu aufgebaut werden.

An der Kirchgemeindeversammlung Ende März wurde der Antrag der Kirchenpflege trotz Widerstand und alternativer Vorschläge mit 77 gegen 36 Stimmen angenommen.

Der Widerstand daure zwar an, sagt Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann. Dennoch habe man diese Woche entschieden, das Projekt einer neuen Kirche mit Alterswohnungen intensiver voranzutreiben als bisher geplant.

Herr Lehmann, Ihr Abbruchprojekt wurde an der Kirchgemeindeversammlung gutgeheissen. Hat sich der Widerstand nun gelegt?

Albert Lehmann: Ich erhalte nicht mehr so viele Beschwerdebriefe wie vorher. Aber Widerstand gibt es nach wie vor. Offenbar sind Unterschriftsbogen für eine Petition im Umlauf.

Überrascht Sie dieser hartnäckige Widerstand?

Wir haben damit gerechnet, dass nicht alle Leute glücklich sind mit unserem Vorschlag, die Kirche abzureissen und neu zu bauen. Uns erstaunt aber, wer die Gegner dieser Idee sind.

Wer wehrt sich denn gegen den Neubau der Kirche?

Widerstand kommt vor allem von Menschen, die selten in der Kirche zu sehen sind.

Der Kirchenpflege wurde Geldgier vorgeworfen. Sie sei nur daran interessiert, das Grundstück besser zu nutzen.

Wir haben detailliert geprüft, welches die beste Variante ist. Eine Renovation der Kirche wäre zu teuer, wir könnten sie nicht finanzieren, das ist eine Tatsache. Dank Alterswohnungen auf dem Areal können wir aber einen Neubau bezahlen. Diese Kombination ist die sinnvollste, die Idee hat mit Geldgier nichts zu tun.

Wie weit sind Sie mit der Planung?

Wir haben entschieden, auf ein Abrissgesuch zu verzichten und stattdessen direkt den Wettbewerb zum Neubau auszuschreiben. Wir überspringen damit einen üblichen Schritt. Wir möchten den Leuten so schnell wie möglich eine Lösung präsentieren können. Nur ein Abrissgesuch zu präsentieren, wäre destruktiv gewesen.

Ist der Wettbewerb schon angelaufen?

Wir schreiben ihn in den kommenden Tagen aus.

Welches sind die Rahmenbedingungen?

Es gibt nur zwei wesentliche Bedingungen: Es muss eine Kirche gebaut werden, zudem soll es Alterswohnungen auf dem Areal geben. Wir möchten den Architekten zum aktuellen Zeitpunkt möglichst wenige Auflagen beziehungsweise möglichst viele Freiheiten gewähren.

Kirchen klagen oft über zu wenige Besucher. Planen Sie eine Kirche, nur für ganz wenige Besucher?

Es ist interessant: Noch vor sechs Jahren war die Kirche oft fast leer, jetzt ist sie oft sehr gut besucht. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Gottesdienstordnung geändert wurde. Es finden nicht mehr wie früher in allen Kirchen der Kirchgemeinde gleichzeitig Gottesdienste statt.

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