Gebenstorf/Turgi
Kirchgemeinde-Konflikt: Sakristanen-Paar wirft Bettel «aus starkem Frust» hin

Das Ehepaar Killer hat die Kapelle in Turgi jahrelang gepflegt. Nach 23 Jahren mag Leny Killer nicht mehr. Grund dafür ist der Konflikt in der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi.

Claudia Laube
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Die Antoniuskapelle an der Hauptstrasse in Wil-Turgi wurde von Leny und Paul Killer rund 25 Jahre lang gepflegt.

Die Antoniuskapelle an der Hauptstrasse in Wil-Turgi wurde von Leny und Paul Killer rund 25 Jahre lang gepflegt.

Sandra Ardizzone

Wer von Baden in Richtung Gebenstorf die Landstrasse entlang fährt, kommt dabei unweigerlich an einer kleinen Kapelle vorbei. Eingepfercht zwischen moderneren Wohnhäusern, scheint sie etwas verloren. Die unter Denkmalschutz stehende Antoniuskapelle in Wil-Turgi wird – wenn nicht gerade eine Coronapandemie herrscht – aber immer noch genutzt: Bis Ende Februar fand jeden Donnerstagmorgen ein Gottesdienst statt.

Nun hat die für das Kirchlein verantwortliche Sakristanin am 1. November die Kündigung eingereicht: Nach 23 Jahren mag Leny Killer nicht mehr. Mit ihr geht auch ihr Mann Paul, der seit 25 Jahren in freiwilliger Arbeit mithilft. Ihr Rückzug geschehe aber nicht aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen, «sondern aus starkem Frust», schreiben die beiden in einem Brief.

Seit Jahren schwelt in der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi, zu der die Kapelle gehört, ein Konflikt. Darüber hat auch die AZ schon mehrfach berichtet. Einerseits ist da die Kirchenpflege um Präsident Daniel Ric sowie Pater Adam Serafin, andererseits eine inzwischen auf 86 Personen angewachsene Initiativgruppe, die sich gegen den für sie zu konservativen Kurs der Kirchenpflege wehrt.

«Es ist zwar nicht üblich, dass sich ein ehemaliges Mitglied der Kirchenpflege negativ über das amtierende Gremium äussert», so Paul Killer. Doch: «In der heutigen Situation muss ich leider diese Anstandsregel brechen. Wie die Pfarrei in den letzten zwei Jahren zunichtegemacht und gespalten wurde – der Umgang mit dem Personal ist an Absurdität nicht zu überbieten.» Die Killers bedauern besonders den Weggang des ehemaligen Gemeindeleiters Peter Daniels. Sie geben Ric und dem «unbeliebten» Pater Adam die Schuld dafür.

«Bis heute wurde nichts unternommen»

Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte folgender Umstand: 2019 ist eine alte Liegenschaft neben der Kapelle abgerissen und inzwischen mit einer neuen Wohnüberbauung ersetzt worden. Die Killers erhofften sich, dass mit einer durch die Bauarbeiten freigelegten Wasserleitung nach Jahrzehnten endlich ein Wasseranschluss in der Kirche installiert werden könnte. «Mit wenig Kosten wäre dies zu ermöglichen gewesen», schreiben die beiden.

Mitte Juni 2019 habe ein Augenschein vor Ort stattgefunden: mit einem Vertreter der Architekten, mit Daniel Ric und mit Paul Killer. Der Bauleiter sei der Auffassung gewesen, dass sich ein Anschluss für den Verbrauch von zirka 2500 Liter Wasser jährlich nicht lohne. Er schlug Ric deshalb vor, mit dem Bauherrn eine Vereinbarung für eine Wasserentnahme ab einem Gartenanschluss des Neubaus zu treffen. «Bis heute wurde nach unserem Wissensstand nichts unternommen, wir haben keine Infos», so das Ehepaar. Sie müssten weiterhin das Wasser für die Rabatten von zu Hause mitbringen.

Ehepaar setzt enttäuscht zum Rückzug an

Ein weiteres Problem: «Wo ist der neue Zugang zur Kapelle zu finden? Der alte von der Allmendstrasse her wurde eliminiert», schreiben Leny und Paul Killer. Seine Empfehlung, den Zugang östlich der Kapelle entlang zu erstellen, sei nicht wahrgenommen worden. Das Ehepaar fragt sich, was die Kirchenpflege unternommen habe, und setzt nun enttäuscht zum Rückzug an.

«Ich verstehe ihre Loyalität zum Gemeindeleiter»

Ihn treffe das sehr, sagt Daniel Ric dazu. «Leny und Paul Killer sind für mich Vorbilder, die ich extrem respektiere.» Er sei sehr dankbar für ihre Arbeit: «Sie haben viel für die kleine Antoniuskapelle getan.» Beide seien gut befreundet mit dem ehemaligen Gemeindeleiter, er verstehe ihre Loyalität zu ihm. Es sei aber alles so geschehen, wie abgemacht: «Beim Neubau wurde ein Anschluss installiert, von dem das Wasser entnommen werden kann.» Auch einen Weg gäbe es, nicht asphaltiert, aber gekieselt: «Jeder soll sich ein eigenes Bild von der Situation machen», fordert Ric auf.