BT-Kolumne

Kiss Kiss Bang Bang!

Daniel Cortellini stand vor dem Bundesverwaltungsgericht. (Symbolbild)

Daniel Cortellini stand vor dem Bundesverwaltungsgericht. (Symbolbild)

Daniel Cortellini über seinen Gerichtstermin und das bang(e) Warten auf den Entscheid.

Da war ich doch im Januar bereits auf den Weg über Landquart nach St. Gallen, als mir siedend heiss einfiel: Ich habe den Kittel zu Hause vergessen! Dabei war der ziemlich wichtig, weil doch in St. Gallen die Verhandlung gegen Hennessy vor dem Bundesverwaltungsgericht auf mich wartete!

Also stellte ich den Blinker im Schnäppchendorf von Landquart. Der Parkplatz kostete übrigens ein kleines Vermögen, aber da ich die ganze Anlage für mich alleine hatte, schien es mir irgendwie wieder fair ... Ungläubig staunte ich über diese endlose Wildwestbretterbude mit Salesalesale an den Türen und machte mich auf die Suche nach einem «Notfallkittel».

Schon bald fiel mein Blick auf einen eigentümlichen Laden mit dem sinnigen Namen «Kiss Kiss Bang Bang», wo es lauter Totenköpfe auf Kleidern gab und plötzlich denkts in mir: Ei, so ein Totenkopf, das wär doch noch was gegen Hennessy?! Und die zweite Hälfte des Laden-Namens schien mir auch grad passend! Gesagt, getan, so trug ich also einen ganz coolen Kittel (mit sehr diskretem Totenkopf!), als ich mich im gefängnisähnlichen Gebäude des Bundesverwaltungsgerichts einfand.

Die Verhandlung war für mich allerdings weniger cool, im Gegenteil, mir ward so richtig mulmig, als ich vor mir zu den drei Richtern mit Assistenten emporblicken musste und hinter mir der Saal gefüllt war mir Zuschauern – rechts mein Anwalt und am Pult daneben die «bösen» Anwälte. Es folgte Plädoyer um Plädoyer, natürlich vor allem gegen mich (Bang Bang), während mein Anwalt mit der Gelassenheit eines Löwen Angriff um Angriff parierte und gar zu höchst sympathischen Gegenangriffen ausholte (Kiss Kiss!), welche in mir auch immer wieder Zuversicht aufkeimen liessen. Meinerseits hatte ich übrigens die anspruchsvollste Aufgabe von allen, nämlich meinem Anwalt das Mineral einschenken und dabei die Klappe halten! Nach gut zwei Stunden Verhandlung war der Tanz vorbei und die Richter haben sich zur Urteilsfällung zurückgezogen.

Und seither erwarte ich täglich das allenfalls folgenschwere Verdikt! Inzwischen sind zwei Monate vergangen und es gibt plötzlich Nächte, in welchen die Verhandlung nicht mehr vorkommt ... Aber ich beginne mit Asylanten mitzufühlen, die letztlich ebenso ohnmächtig wie ich bis zu zwei Jahre lang auf einen Status warten, der für sie «Sein oder Nicht-Sein» bedeuten kann, während ich ja eigentlich auch im Verlustfall nicht wirklich untergehen sollte...

Jetzt aber: Wieso ich grad an Asylanten denke? Weil diese sicher täglich und ebenso ungeduldig wie ich auf der genau gleichen Entscheidungsdatenbank nach Neuigkeiten suchen, nämlich auf der Datenbank des Bundesverwaltungsgerichts – das siehst Du, wenn Du dort mal surfst!

Kiss Kiss und Bang Bang sind nahe im Leben und ich wünsche mir ganz fest, dass mir mein Totenkopf und natürlich vor allem mein Anwalt das Geentert-Werden durch den Hennessy-Giganten erspart! Aber ebenso fest wünsche ich jeder armen Seele in diesem Land, sie möge mit den zuweilen unmenschlichen Wartezeiten unseres Juristenapparats zurechtkommen. Ein bisschen Entspannung bringt dafür die Sommerzeit – jetzt werden wir unsere Urteile wohl eine Stunde früher erhalten – fragt sich nur noch, in welchem Jahr!

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