Dass der Badener Elektroclub «Kiste» nach verlorenem Rechtsstreit um längere Öffnungszeiten beschlossen hat, im Sommer dichtzumachen, sorgt für Gesprächsstoff weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Für den Zürcher Nightlife-Experten Alex Flach kommt die Schliessung der «Kiste» einem grossen Verlust für den Aargau gleich: «Es ist schon sehr schade, wie man im Aargau mit allen Mitteln gegen das Nachtleben kämpft.»

Die «Kiste» habe es geschafft, sich trotz widriger Rahmenbedingungen ein nationales Renommee zu erarbeiten. Die Betreiber der «Kiste» wollten am Wochenende neu bis 6 Uhr morgens geöffnet haben, doch das kantonale Departement für Bau, Verkehr und Umwelt hiess eine Beschwerde des Hotels Linde gut (Lesen Sie hier).

Diesen Entscheid bezeichnet Flach als «provinziellen Verhältnisblödsinn der lächerlichsten Sorte». Die Aargauer Behörden könnten die Jugend besser im Kanton halten, wenn sie die Kultur gegenüber dem Ruhebedürfnis lärmempfindlicher Anwohner stärker gewichten würde, so Flach im «Tages-Anzeiger».

Katerstimmung

Auch in Baden sorgt das «Kisten»-Aus nach wie vor für Katerstimmung. In einer gemeinsam unterzeichneten Mitteilung solidarisieren sich das Badener Kulturlokal Werkk, das Nordportal, das Löschwasserbecken und das Royal mit den Betreibern: «Wir wünschen uns, dass die Clubs von behördlicher Seite nicht immer nur als Störfaktor angesehen werden, sondern als Bedürfnis der Gesellschaft.»

Explizit von der Kritik ausgenommen wird der Badener Stadtrat, der den «Kiste»-Betreibern längere Öffnungszeiten zugestanden hätte: «Die Stadt hat mit der kommunalen Aufhebung des sogenannten Tanzverbots sowie der Bewilligung für längere Öffnungszeiten erfreuliche Entscheidungen für die Badener Clubszene getroffen.»

Der Entscheid des Kantons aber sorgt bei den Badener Clubs für Kopfschütteln: «Offenbar scheint die Nachtlebenkultur im Aargau hauptsächlich als Problem und Ärgernis wahrgenommen zu werden.» Die Badener Clubs hätten nicht nur eine grosse gesellschaftliche Bedeutung; sie schafften zudem Arbeitsplätze und sorgten auch für Steuereinnahmen.

Dano Dreyer, der seit 20 Jahren im Badener Nachtleben tätig ist und mit Stephan Ineichen das Löschwasserbecken führt, stellt fest: «Einen Partyclub zu betreiben, wird immer schwieriger.» Man dürfe auf keinen Fall alle in einen Topf werfen, aber: «Das Problem liegt darin, dass die Innenstadt von einzelnen Menschen bewohnt wird, die sich zwar eine belebte Stadt wünschen, aber gleichzeitig schon um 22 Uhr Nachtruhe haben wollen. Mit diesem Dilemma müssen wir Club-Betreiber irgendwie zurechtkommen.»

Pascal Etzensperger vom Kulturhaus Royal sagt: «Das Badener Nachtleben bietet zum Glück noch immer Vielfalt. Aber Baden macht schon schwierige Zeiten durch. Bekanntlich erhält das Nordportal ab Sommer keine Subventionen mehr.» Die Betreiber des Royal sind auch wegen des geplanten Neubaus «Annex Nord» auf dem Postareal besorgt.

Der Verein schreibt in einem Newsletter an seine Unterstützer: «Der Abstand zwischen den Luxuswohnungen und dem Royal beträgt sieben Meter. Zum Vergleich: Der Abstand zwischen Hotel Linde und der ‹Kiste› beträgt über 100 Meter.» Nach dem Aus für die «Kiste» befürchte man ähnliche Problemen: «Wir fürchten, dass auch unser Betrieb im Royal verunmöglicht oder massiv beeinträchtigt wird, wenn in unserer unmittelbaren Nachbarschaft Luxuswohnungen gebaut werden.»

Ist das Royal doch bedroht?

Eine weitere Befürchtung von manchen Badenern ist, dass der Neubau der Zuriba AG, der neben dem Royal gebaut werden soll, dereinst bis zur Haselstrasse verlängert werden könnte und damit das Kulturhaus insgesamt bedrohen würde. Das liegt an den Plänen für den «Annex Nord», die derzeit bei der Abteilung Planung und Bau im Roten Turm öffentlich aufliegen. Auf den Planskizzen erkennt man ein Bauraster, das bis zur Haselstrasse reicht.

Doch die Zuriba beschwichtigt. Sie lässt über ihren Pressesprecher mitteilen, dass auf den Planwerken des Baugesuchs lediglich die Parzellengrenzen und die Baulinie eingetragen seien. «Beim bestehenden Baukörper des Royals wurde explizit festgehalten, dass keine baulichen Massnahmen geplant sind.» Für den Betrieb würden die getroffenen Vereinbarungen mit dem Verein Kulturhaus Royal und der Einwohnergemeinde Baden gelten.