Ennetbaden

Klare Worte vom UNO- Militärbeobachter: «Der Westen hätte mit Assad reden sollen»

Josef Frei: «Knarren waren auf uns gerichtet.» (mst)

Josef Frei: «Knarren waren auf uns gerichtet.» (mst)

Josef Frei, UNO-Militärbeobachter, war mehrere Monate in Syrien. Was er dort erlebte, möchte er nie mehr erfahren. Sein Referat im Treffpunkt war nicht nur für ihn aufwühlend: Unter den Zuhörern flossen Tränen.

«Was ich da erlebte, möchte ich nie mehr erleben» – je länger Josef Frei erzählte, desto aufgewühlter wurde er – «wochenlang hörte ich Frauen und Kinder schreien». Es waren die wohl prägendsten Monate seines Lebens, jene, die er 2012 als Militärbeobachter in Syrien verbrachte. Wie der Ennetbadener seine Erlebnisse schilderte, fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer ungemein, es flossen sogar Tränen. Allen war klar: Da sprach ein gezeichneter Mann. Und zwar einer, der mitten im syrischen Kriegsgeschehen lebte, näher dran als die meisten Journalistinnen und Journalisten.

Kritik an den Medien

Er suchte sich einen sicheren Weg durch die umkämpften Städte: «Wir von der UNO bahnten vor, eine Horde Journalisten folgte uns nach». Frei sparte nicht mit Medienkritik. Von Beginn weg hätten die westlichen Medien den Kopf von Bashar al-Assad gefordert. Genauso hätten die meisten Staaten blind die Opposition unterstützt. Der Referent seinerseits blendete jenes von den Medien vermittelte Bild, dass Assad zahllose Zivillisten töten liess, weitgehend aus. Frei erlebte, wie die Opposition immer gefährlicher wurde: «Knarren waren auf uns gerichtet, auf unser Auto wurde geschossen». Er sprach von der Gefahr, dass religiös-extremistische Strömungen der Opposition den schwachen Staat ausnützen wollen, um an die Macht zu gelangen. Deshalb steht für Frei fest: «Der Westen hätte mit Assad reden müssen, statt ihn in die Ecke zu drängen. Tritt er jetzt zurück, garantiere ich Ihnen 100000 weitere tote Menschen».

Waffenruhe kontrolliert

Im zweiten Teil drehte sich das Referat mehr um Freis persönliche Erlebnisse als um seine eigentliche Aufgabe als Militärbeobachter. Den ersten Teil widmete er seiner früheren Mission im syrisch-israelischen Grenzgebiet. Dort kontrollierte er auf Patrouillen, dass die Waffenruhe eingehalten wurde und dass die beiden Parteien die ihnen zugeschriebenen Territorien nicht überschritten. «Wir mussten immer neutral bleiben und ehrlich rapportieren», erinnert sich Frei an den friedlichen Einsatz. Syrien möge wieder zur Ruhe kommen, wünscht er sich.

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