Mit Peter Stirnemann, dem Prorektor der Kantonsschule Wettingen, einen genauen Treffpunkt zu vereinbaren, ist gar nicht so einfach. Der Grund liegt im weitläufigen, für einen Ortsunkundigen teils unübersichtlichen Schulgelände.

Der weitläufige Campus ist auch das Resultat stetig steigender Schülerzahlen. Zählte die Kanti Anfang der 80er-Jahre noch 350 Schülerinnen und Schüler, sind es im Schuljahr 2011/12 bereits 1064 – Tendenz steigend.

Schulzimmer liegen an der Limmat

Der Rundgang mit Peter Stirnemann, er ist verantwortlich für die Infrastruktur und Ressourcen, führt zuerst in das ehemalige Werkstattgebäude der Alten Spinnerei, die auf dieses Jahr zugemietet werden konnten. «Wir nennen dieses Gebäude ‹Riverside›», sagt Stirnemann.

Der Name könnte besser nicht passen. Das Gebäude liegt direkt an der Limmat; der Blick ist atemberaubend. Gut, sind nicht alle Schulzimmer zum Fluss hin ausgerichtet, so ist die Gefahr kleiner, dass die Schüler gedanklich in den Wassermassen versinken. Nebst 6 Schulzimmern soll hier bald ein Aufenthaltsraum mit Cafeteria entstehen. «Somit erhalten wir eine Aussenstation zur Mensa, wo man sich ebenfalls verpflegen kann», erklärt Stirnemann.

Weiter führt der Rundgang in die Alte Spinnerei. Hier kann man die Industrialisierung förmlich riechen. Im 1. Stock sollen die Gewerberäume in Schulzimmer umsgebaut werden. «Eine Herausforderung bilden die vielen Tragsäulen, welche die Sicht in den künftigen Schulzimmern einschränken», sagt Stirnemann. Im 2. Stock ist geplant, drei Sprachzimmer in Biologiezimmer mit Sammlung umzubauen. «Bis zum kommenden Schuljahr sollten die Arbeiten beendet sein.»

Alte Turnhalle ist nicht zeitgemäss

Doch nicht nur in der Alten Spinnerei fühlt man sich an längst vergangene Tage erinnert. Dass in der kleinen Turnhalle im Westflügel des Kloster-Hauptgebäudes noch geturnt wird, glaubt man erst, wenn man es selber sieht. Auch für Stirnemann ist klar: «Diese Halle ist nicht mehr zeitgemäss; deshalb planen wir jetzt mit einer Dreifachturnhalle.» Anstelle der jetzigen Halle könnten neue Schulräume entstehen. Eine Dreifachturnhalle sei auch deshalb geplant, um sich nicht mehr in der Tägerhard-Halle einmieten zu müssen. Zudem soll die Halle auch das Wachstum der letzten Jahre abdecken.

Den Abschluss des Rundgangs bildet der Besuch des Langhauses, in dem vor allem Chemiezimmer untergebracht sind. «Das einzige Biologiezimmer, das jetzt noch im Langhaus ist, verlegen wir in die Spinnerei», sagt Stirnemann. Damit könne man einerseits die Standorte der Biologie in der Alten Spinnerei zusammenfassen. Andererseits entstehe im Langhaus mit dieser Rochade ein Kompetenzzentrum für Chemie.

Denkmalschutz setzt Grenzen

All die genannten, teils umgesetzten Massnahmen sollen dazu beitragen, das Platzproblem an der Kanti Wettingen zu entschärfen. «Seit Jahren verzeichnen wir höhere Zugänge als Abgänge», sagt Rektor Kurt Wiedemeier. «In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich freue mich, dass Wettingen so beliebt ist.» Zudem sei es für den Wirtschaftsstandort Aargau gut, wenn die kantonale Maturaquote – bis vor kurzem an zweitletzter Stelle in der Schweiz – moderat Richtung schweizerischen Durchschnitt gesteigert werden könne. Handkehrum werde es je länger je mehr schwieriger, alle Schüler unterzubringen. «Der weitläufige Campus ist eine grosse Herausforderung.»

Gründe für die stark wachsende Zahl von Mittelschülern gebe es mehrere, ist Wiedemeier überzeugt. So wüssten Bezirksschüler heute früher, ob es ihnen an die Kanti reicht, da sie ein halbes Jahr vor der Matura eine Prognose erhalten würden. «Dies erleichtert wahrscheinlich vielen den Entscheid für die Mittelschule.»

Kurt Wiedemeier wünscht sich von der Politik und vom Denkmalschutz klare Antworten auf die Frage, mit welcher Grösse die Schule die Gebäude auf der Klosterhalbinsel verantwortbar nutzen kann.