Zum Gedenken
Klaus Scheifele: Spreitenbach trägt seine Handschrift

Spreitenbach war seine Lebensaufgabe, Planen war sein Beruf. Klaus Scheifele, der in den 1960er-Jahren in der Limmattalgemeinde prägend wirkte, ist im November 2014 mit 83 Jahren verstorben

Von Manuel Fischer
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Klaus Scheifele.

Klaus Scheifele.

zvg

Wie in Spreitenbach ist kaum wo in der Schweiz der Gestaltungswille eines Gemeindeplaners der 1960er-Jahre in der gebauten Umwelt noch erkennbar. Klaus Scheifele plante nicht nur die Quartiere Gyrhalde, Rotzenbühl und Langäcker. Der 1959 publizierte Richtplan sah auch eine Gemeinschaftszone mit Kindergärten und Schulen vor. Doch auch im Unsichtbaren, mit zahlreichen, unfertig gebliebenen, ja gescheiterten oder verfrühten Projektideen, prägte Klaus Scheifele die heutige Gestalt der Limmattalgemeinde. So sollte im Shoppingcenter inklusive Tivoli mehr als nur ein Einkaufstempel, sondern ein urbanes Begegnungszentrum mit Konzerten, Kinos, Andachtsraum und weiteren Funktionen entstehen. Geplant war auch eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr Zürichs mittels einer U-Bahn-Endstation. Verwirklicht wurde die grosszügig bemessene Kanalisation für eine dereinst 30 000 Einwohner zählende Stadt.

Dem jungen Klaus Scheifele wurde während seiner Berufslehre als Tiefbauzeichner von seinem 75-jährigen Lehrmeister schon früh viel Verantwortung übertragen. Dort wird er bereits mit dem komplexen Verfahren der Baulandumlegung vertraut, ein Metier, das er bald eigenständig betrieb. Ein Gemeindepolitiker aus Spreitenbach wird 1956 über Beziehungen auf das junge Talent aufmerksam. Denn in den 50er-Jahren steht die noch ländlich geprägte Gemeinde vor ganz neuen Herausforderungen. Der von den SBB geplante Rangierbahnhof brachte Bewegung in den örtlichen Immobilienmarkt. Eine weitsichtige Ortsplanung soll die Siedlungsentwicklung Spreitenbachs in geordnete Bahnen lenken.

Für die Neubauquartiere arbeitete Klaus Scheifele mit einem sogenannten Richtmodell, einem Baubewilligungsinstrument mit planerisch-gestalterischer Absicht. Mit der von ihm durchgesetzten Bewilligungspraxis wurden die Erschliessungskosten weitgehend der Gemeinschaft der Bauherren übertragen, wovon die Gemeinde Spreitenbach heute noch profitiert.

Klaus Scheifele, der Gemeindeplaner der Spreitenbach so sehr prägte, verstarb am 16. November 2014 im Alter von
83 Jahren im Kreise seiner Familie. (AZ)