Baden
Kleidershops haben wegen Flaute bereits erstes Personal entlassen

Sparsamkeit, der schwache Euro, die Wirtschaftslage und das Wetter erschweren das Geschäft mit Kleidern. Auch Badener Kleidergeschäfte sind betroffen. Erste Geschäfte haben bereits Stellen gestrichen

Erna Lang-Jonsdottir
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Antonio Cacioppo, Inhaber von Capworld an der Bahnhofstrasse, Dani Burger von Kalea im Falken und Antonia Gübeli, Inhaberin vom Geschäft Modonia in der Weiten Gasse.

Antonio Cacioppo, Inhaber von Capworld an der Bahnhofstrasse, Dani Burger von Kalea im Falken und Antonia Gübeli, Inhaberin vom Geschäft Modonia in der Weiten Gasse.

Erna Lang-Jonsdottir

Die Kleiderbranche macht eine schwierige Zeit durch, so auch in Baden. Wie Recherchen der az Aargauer Zeitung ergeben, leiden die kleinen und mittleren Unternehmen derzeit. Den Inhabern zu schaffen macht nicht nur der schwache Euro, sondern auch die Konjunktur sowie die immer noch spürbaren Auswirkungen der viel zu warmen Temperaturen während der Hauptverkaufszeit im letzten Herbst.

Brisant: Der Inhaber von Capworld Antonio Cacioppo hat bereits zwei Vollzeitstellen gestrichen. Und: Zwei angefragte Kleidergeschäfte – die nicht beim Namen genannt werden wollen – schliessen bald ihre Tore.

Geschäfte in einem Verkaufsloch

Wie steht es um die Kleiderbranche in Baden? Eine Frage, die viele angefragte Geschäftsinhaber nicht beantworten wollen. Doch diejenigen, die sich für ein Interview zur Verfügung stellen, erzählen alle dieselbe Geschichte: «Im ersten Halbjahr 2011 lief das Geschäft gut. Nach dem Sturz des Euros und den viel zu warmen Temperaturen im Herbst brach es ein.»

«Die Modebranche ist stark vom Wetter und von der Wirtschaft abhängig», erklärt Susan Haller, Marketingleiterin der Firma Ledergerber. Das warme Wetter in den Monaten August bis November blieb nicht ohne Folgen: Da der Verkauf sehr schlecht lief, schrieben viele Geschäfte ihre Ware bereits Anfang November runter. «Und jetzt haben wir ein Verkaufsloch, das wir auch der Konjunktur zuschreiben müssen», sagt Antonia Gübeli, Inhaberin des Modegeschäfts Modonia.

Selbiges bestätigt Dani Burger von Kalea: «Ich muss auf Kunden warten. Die Leute stehen auf dem Schlauch, sie sind sparsam. Nicht einmal der Ausverkauf läuft wie gewohnt», sagt Burger. Auch beim Modegeschäft Ledergerber läuft das Geschäft harzig: «Ich kann nicht bestätigen, dass wir auf dem Vorwärtskurs sind. Dies, obschon der Ausverkauf nicht schlecht läuft», sagt Susan Haller.

Jugendliche kaufen lieber Geräte

Bei Capworld geht der Verkaufsrückgang so weit, dass der Inhaber Antonio Cacioppo zwei Vollzeitstellen gestrichen hat. «Weiter werde ich den Laden verkleinern müssen, um überleben zu können», bedauert er. Dass Herr und Frau Schweizer ihr Geld lieber in Deutschland ausgeben, sei längst kein Geheimnis mehr. «Doch es kommt noch besser. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass Leute versuchen, die Kleider und Etiketten mit dem Telefon zu fotografieren, um danach vermutlich einen Preisvergleich zu machen.» Cacioppo sieht die Krise in der Kleiderbranche aber noch in anderen Faktoren als im schwachen Euro und im Wetter begründet. «Jugendliche legen heute sehr viel Wert auf multimediale Geräte. Früher waren Labels und der Kleiderstil ein wichtiges Aushängeschild für die Jugend. Heute wird lieber Geld für ein Gerät ausgegeben und dafür billige Kleider eingekauft.»

Händler reduzieren die Preise

Wie blicken die Geschäftsleute nach dieser schwierigen Zeit in die Zukunft? «Man darf nie aufgeben, es geht immer wieder bergauf», sind sich Antonio Cacioppo von Capworld und Antonia Gübeli von Modonia einig. «Mode bereitet Freude. Wir müssen gut planen. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass es so schlecht bleibt», sagt Susan Haller. Wie Haller, Gübeli und Cacioppo erklären, haben die Händler die Preise dem Eurokurs angepasst. «Diese Preissenkung können wir den Kunden jetzt weitergeben», sagt Haller. Gübeli betont: «In der Modebranche wird der Einkauf ein halbes Jahr im Voraus getätigt. Die Händler zeigten sich nach dem Sturz des Euros letzten Herbst nicht kulant; wir konnten den Euro-Vorteil nicht weitergeben.»

Doch während die einen positiv denken, macht sich bei anderen Unsicherheit breit: «Die Zukunft meines Geschäftes sieht nicht gut aus», ist Dani Burger besorgt.