Auch Beizen gibt’s auf dem Theaterplatz – und nicht zu knapp. Daneben aber werden unzählige Gourmandisen serviert, die nicht Kehle und Magen erlaben, sondern Augen, Ohren, Herz und Lachmuskulatur: «50 verschiedene Künstler, Künstlerinnen und Künstlergruppen treten mit 107 unterschiedlichsten Darbietungen auf, dazu kommen drei Filme sowie Projektionen auf die Fassade der Theaterplatzbauten», berichtet Anita Rösch Egli. Die Mitbegründerin und Leiterin vom Theater im Kornhaus, ThiK, war vor rund einem Jahr vom Komitee mit der Programmation der Theaterplatz-Bühnen beauftragt worden. «Ich war überrascht, ist das ThiK doch bekannt für leise Töne, während es an einem Badener Fest doch eher ziemlich laut zugeht.»

Auf die Überraschung waren Freude und Begeisterung gefolgt – und harte Arbeit. Ideen für ein Programm mussten geboren und zusammengestellt werden, Künstler kontaktiert, Verträge und Gagen ausgehandelt und schliesslich die Feinplanung der Auftritte an den drei Spielorten vorgenommen. «Für den reibungslosen Ablauf während der zehn Tage ist eine Stage Managerin verantwortlich, für Licht und Ton sind es zwei Techniker.»

Literaturbüro bietet Textkiosk

Im ersten Stock der breiten Holzbaute über den Parking-Eingängen ist links und rechts je eine auf allen Seiten abgeschlossene «Spielkiste» eingerichtet mit Kleinstbühne und Tribüne für maximal 60 Zuschauer. Unten auf dem Platz steht die Open-Air-Bühne, auf der unter anderem Flamencos en Route mit grosser Gruppe ein traditionelles Tablao tanzen wird. Hier treten auch verschiedenste Musikformationen auf – von Jazz über Hillbilly, Multikulti mit Gesang und Tanz bis zur grössten Formation, dem Siggenthaler Jugendorchester mit gegen 60 jungen Musikern.

«Am Mittwoch zum Beispiel gibt es dort aber auch ein Power-Point-Karaoke, bei dem Künstler aus dem Stegreif Bilder singend oder redend kommentieren», schmunzelt Rösch und schwärmt auch vom «Textkiosk»: «Junge Menschen vom Literaturbüro Olten sitzen vor Hermes Baby-Schreibmaschinen und verfassen ganz spontan und nach Wunsch ganz kurze Dramen, Liebesbriefe, Verse ... was auch immer sich die Zuschauer wünschen.»

Keine Auflagen, volles Vertrauen

Sie habe, sagt Anita Rösch strahlend, vom Komitee für die Programmgestaltung, ausser dem Budget, keinerlei Auflagen bekommen; man habe ihr volles Vertrauen geschenkt. «Ich habe auch ganz wunderbar mit der Festgestalterin Eliane Zgraggen zusammengearbeitet, die in der musikalischen Sparte viel mehr bewandert ist als ich.»

Von der Rock-’n’-Roll-Latino-Band King Caruso bis zur Performance-Künstlerin Victorine Müller, von Slam Poetinnen wie Patti Basler und Hazel Brugger bis Liedermacher Tinu Heiniger, mit Geschichtenerzählern und Kabarettisten, vormittäglichen Programmen für Kinder – inklusive einem Elektroschrott Workshop – wird der Theaterplatz ein Zentrum sein für Überraschungen und Entdeckungen.

Bis hin zu Filmen: Zwei Schwarz-Weiss-Streifen über die Anfänge der Kino-Dynastie Sterk, einen über Fantoche sowie «47°», einem neuen Dokufilm von Claudia Bach über das Badener Thermalwasser und die Bäder samt ihrem Untergrund mit seinen 47 Grad warmen Quellen.

Dieser Film wird am kommenden Sonntagmorgen seine Premiere erleben. Auf dem Theaterplatz – wo denn sonst?!