Wettingen

Klosterfest: einen Tag leben und lernen wie im Mittelalter

Auf der Klosterhalbinsel zeigen Mittelaltervereine wie es im Mittelalter war.

Auf der Klosterhalbinsel zeigen Mittelaltervereine wie es im Mittelalter war.

Mittelaltervereine zeigen am Klosterfest, wie im Mittelalter ätherische Öle und Medizin hergestellt wurden.

«Ich gebe Wasser und Pflanzen in einen Keramiktopf, heize es mit Kohle auf und lasse das so entstehende Öl durch ein Röhrlein abfliessen», erklärt André Schnellmann, Mitglied des Mittelaltervereins «Der Rote Hufen». Er stellt ätherisches Öl nach mittelalterlichem Handwerk her. Am Klosterfest, das am Pfingstmontag auf der Klosterhalbinsel stattfindet, wird er als Figur des Hubertus dieses alte Handwerk vorführen und erklären.

«Der Rote Hufen» befasst sich mit dem mittelalterlichen Leben und den Tücken und Problemen, mit denen man damals zu kämpfen hatte. In alten Quellen suchen die Mitglieder nach Hinweisen und probieren Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden aus. Dabei entspricht auch die Kleidung der Epoche. Der Birmenstorfer ist im «echten» Leben Chemielaborant, dreifacher Vater, leitet die Badener Pilzkontrollstelle und hält sich gerne in der Natur auf. Auf den Mittelalterverein ist er vor sieben Jahren durch den Bogenbau gestossen. «Ich suchte auf einem Mittelaltermarkt einen passenden Pfeil für meinen Bogen und kam so in Berührung mit Mittelaltervereinen.» Ihn fasziniere die Fertigkeit der damaligen Menschen, ohne technische Hilfsmittel ausgefeilte Produkte herzustellen. «Heute werden kaum mehr solche Erzeugnisse erschaffen.»

In der Schweiz gibt es rund hundert Mittelaltervereine. Allerdings gebe es riesige Unterschiede in der Seriosität, so Daniel Severin vom Verein Comthurey Alpinum. «Wir machen lebendige Geschichte im Museumskontext. Ziel ist es, das Leben um 1200 so authentisch wie möglich darzustellen.» Seine Mitglieder stellen ein hochmittelalterliches Hospitaliter-Heerlager mit weltlichem Gefolge um 1180 dar. Am Klosterfest zeigt ein Dutzend Mitglieder diverses Kleinhandwerk und informiert über die Klostermedizin um 1200, das Schreiben mit Gänsekiel auf Pergament und stellt dabei den Kloster-Stifter Heinrich von Rapperswil dar.

Neben den Ständen, wo mittelalterliches Handwerk gezeigt wird, kann am Klosterfest an diversen Führungen auch die Klosteranlage besichtigt werden. Ein Rundgang führt von der Turmspitze bis zur Limmat, ein anderer durch die Mönchskirche mit dem handgeschnitzten Chorgestühl und mehrere durch den Garten. Für Kinder gibt es spezielle Kinderführungen, dort dürfen sie auf Wachstafeln schreiben und Wappen zählen.

Die Mitarbeiter der Klostergärtnerei bieten im Garten einen Postenlauf an: Beim Bienenhaus und Gänsegehege gilt es Fragen zu beantworten, im Gewächshaus können Setzlinge gepflanzt werden und im Garten kann ein Baum erklommen werden. Abgerundet wird das Fest durch eine vom Quartierverein Kloster geführte Beiz, in der man auch den Wein «Prior» aus dem Klostergarten probieren kann. Auf den Wiesen unter den Obstbäumen darf man auch picknicken. «Es ist ein Fest für Geschichtsinteressierte, für Familien und Leute, die einfach mal einen Nachmittag im schönen Klostergarten verbringen möchten», sagt Beni Egloff, Leiter der Klostergärtnerei. (az)

Wettinger Klosterfest: Pfingstmontag, 16. Mai, 11 bis 16 Uhr, Klostergarten Wettingen, bei jedem Wetter, ohne Anmeldung, kostenlos (Führungen 10 Franken pro Person).

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