«Immer auf den Kessel zuwümmen», ruft Roland Steinmann, der Kellermeister des Klosters Fahr, durch die Reben. Die Klosterfrauen nicken und zwacken fleissig Trauben von den Stauden. Die Früchte der Sorte Blauburgunder, die im klostereigenen Rebhang wachsen, sind reif. Bereits am Donnerstag sind die Klosterfrauen in Weiningen die Rebhänge hinauf und hinunter gestiefelt und haben kiloweise Trauben geerntet. Unterstützt werden die Schwestern von Vereinsmitgliedern von «Pro Kloster Fahr» und zwei Kantonsschülern, die ihr Sozialpraktikum im Klostergarten absolvieren.

Bessere Qualität als im Vorjahr

Aus den Blauburgundertrauben werde der Wein Pinot noir hergestellt, so Steinmann. Schwester Petra geniesst es, wümmen zu können, vor allem bei Sonnenschein: «Es ist schön, wenn man Trauben ablesen kann, ohne gross aussortieren zu müssen», sagt sie. Ausserdem halte das Traubenlesen jung und fit.

Die diesjährige Qualität der Trauben sei besser als letztes Jahr, erzählt Schwester Veronika. Damals seien die Trauben ausgetrocknet und sauer gewesen. «Heuer macht es mehr Freude», sagt sie. Doch nicht alle der Klosterfrauen sind begeisterte Traubenleserinnen. «Aber es gehört eben dazu und bei schönem Wetter geht dies problemlos», sagen zwei Schwestern und lachen. Sobald mehrere Kessel mit Trauben gefüllt sind, werden sie unter den Stauden hindurchgereicht und in einen riesigen runden Behälter geleert, den die Klosterfrauen «Stande» nennen. «Muss noch jemand leeren?», ist Schwester Beatrice zu hören und sammelt alle gelesenen Trauben zusammen. Mit dem Traktor verschiebt Kellermeister Roland Steinmann den Kübel immer wieder an einen neuen Standort, damit der Transportweg nicht zu weit ausfällt.

«Immer eine Gratwanderung»

Mitten im Treiben ist das Ehepaar Kuster am Wümmen. Sie helfen seit sechs Jahren bei der Ernte mit. Zuerst habe es geheissen, die Traubenlese beginne am Dienstag, so Helena Kuster. «Doch die zwei Tage länger an der Sonne haben den Trauben sicher gutgetan», sagt sie. Ihr Mann sagt: «Es ist immer eine Gratwanderung, den richtigen Zeitpunkt für die Traubenlese zu erwischen.» Während des Traubenlesens unterhalten sich die Schwestern angeregt mit den Vereinsmitgliedern des Klosters Fahr. Das zentrale Gesprächsthema ist die grosszügige 3-Millionen-Spende des Kantons Aargau an das Kloster, über die sich die Schwestern freuen: «Endlich können wir die Fenster auswechseln.» Nebst dem Plaudern kommt die Arbeit aber keineswegs zu kurz. Alleine heute werden 3000 Kilo Trauben geerntet, und am Montag ist der letzte Erntetag.