Wettingen
Klosterspiele 2017 – und es gibt sie trotz Badenfahrt!

Mit einem Performance-Theater tritt das Theater der Kanti in Fussstapfen der grossen Schwester.

Rosmarie Mehlin
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Gruppenbild mit den beiden Regisseuren Gerald Knöss (l.) und Stefan Forrer.

Gruppenbild mit den beiden Regisseuren Gerald Knöss (l.) und Stefan Forrer.

2005 ins Leben gerufen, hatten die Klosterspiele Wettingen rasch einen festen Platz im kulturellen Leben des Kantons und über dessen Grenzen hinaus erobert. Auf Hofmannsthals «Das Salzburger Grosse Welttheater» waren 2008 Goethes «Faust», drei Jahre später Hürlimanns «De Franzos im Aargau» und 2014 Shakespeares «Viel Lärm um nichts» gefolgt. Die gemäss dem Drei-Jahre-Rhythmus heuer stattfindenden Spiele allerdings wurden wegen der Grossen Badenfahrt auf nächsten Sommer verschoben. So war es kommuniziert worden – so stimmt es nun aber nicht, denn am 28. Juni haben die Klosterspiele 2017 mit der Produktion «Kurze Stille in der Halle» Premiere.

Wie, was nun und überhaupt: Noch nie etwas von dem Stück gehört! Kein Wunder – es ist erst Anfang dieses Jahres entstanden, wurde von rund 30 Kantischülerinnen und -schülern geschrieben, und wird auch von solchen aufgeführt werden. Im Klartext: Der Verein Klosterspiele unter dem Präsidium von Maya Wanner hatte das Theater der Kantonsschule Wettingen gebeten, in die Bresche zu springen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Dieses Spiel wird jedoch nicht unter freiem Himmel im Klosterhof, sondern im Saal der Westschöpfe aufgeführt.

Bewusst kein bestehendes Stück

Für die Inszenierung zeichnen Stefan Forrer und Gerald Knöss verantwortlich. Beide unterrichten an der Kanti das Freifach darstellendes Spiel; Knöss ist überdies hier seit zehn Jahren als Lehrer für Deutsch und digitale Medien tätig. Gemeinsam haben sie auch bereits in den vergangenen Jahren jeweils im Frühling mit ihren «Theaterschülern» – es sind jeweils 12.-Klässler – mit grossem Erfolg sehr beachtliche Produktionen herausgebracht. Die letztjährige Aufführung «Verstrahlt» nach Kleists «Das Käthchen von Heilbronn» beispielsweise wird am kommenden Freitag mit dem «Funkenflug» für herausragende Kunst- und Kulturprojekte an Aargauer Schulen ausgezeichnet.

«Für die Klosterspiele 2017 haben wir uns ganz bewusst an kein bestehendes Stück oder vorhandene Texte angelehnt», so Gerald Knöss. «Vielmehr haben sowohl die Schülerinnen und Schüler unseres Freifachs, als auch solche aus anderen Klassen sämtliche Texte selbst verfasst.»

Zwar seien Rituale und Ausbruch als thematische Richtung vorgegeben gewesen, «doch diese war sehr weit gefasst». Forrer schwärmt vom Reiz, den ein Stück ausübt, das den Zuschauern völlig unbekannt ist. «Da hat niemand eine Erwartungshaltung. Vielmehr bedeuten die rund 90 Minuten für das Publikum ein permanentes Entdecken.» Neben Text seien auch Tanz und Gesang wesentliche Elemente in dieser Produktion.

«Der Verein unterstützt uns grosszügig und hat auch zahlreiche Sponsoren für unser Projekt aufgetrieben», freuen sich die zwei Regisseure, die sich zusammen mit den Mitwirkenden seit Monaten mit den Klosterspielen 2017 befassen. Waren zu Beginn 27 Mädchen und Burschen aktiv dabei, so sind es jetzt noch fünf Burschen und zwölf Mädchen. «Die Restlichen sind vorwiegend wegen der Doppelbelastung mit ordentlichem Schulbetrieb und Prüfungen abgesprungen.»

Seit Oktober wurde jeweils am Freitagabend zwei Stunden lang geprobt. Im April und Mai hatten – im Rahmen einer Projektwoche – je drei intensive Probentage stattgefunden. Und nun wurde das vergangene und wird das kommende Wochenende jeweils von morgens bis abends als intensiver Proben-Endspurt genutzt. «Eine Produktion zu erarbeiten bedeutet für uns pädagogische Arbeit. Wir selektieren die Mitwirkenden nicht nach Talent, vielmehr sind alle gleichberechtigt. Jeder wächst, mit unserer Unterstützung, an seiner Aufgabe», sind sich Knöss und Forrer einig.

Nach der Premiere wird «Kurze Stille in der Halle» bis zum 8. Juli weitere sechs Mal aufgeführt. Über den Inhalt des Stückes sei nur so viel verraten: «Es ist modernes Performance-Theater, das an eine Nummernschau im Zirkus erinnert. Der Zuschauer wird permanent überrascht, weiss nie, was weiter passiert. Es ist frisch und authentisch, hat ebenso lustige wie traurige Momente», schliesst Forrer, während Knöss mit einigen Mitwirkende spricht, die – es ist unübersehbar – voller Begeisterung unbedingt weiter proben wollen.

Premiere am Mittwoch, 28. Juni, 20 Uhr im Saal der Westschöpfe vom Kloster. Weitere Vorstellungen am 29. und 30. Juni sowie am 1., 5., 6., 7. Juli und am 8. Juli die Derniere. Immer 20 Uhr.

Aus dem Theater «Viel Lärm um nichts»

Umstrittene Szene an den Klosterspielen Wettingen.
4 Bilder
Umstrittene Szene an der aktuellen Aufführung der Klosterspiele Wettingen.
Umstrittene Szene an den Klosterspielen Wettingen.
Umstrittene Szenen vom Shakespeare-Stück an Klosterspielen

Umstrittene Szene an den Klosterspielen Wettingen.

Alex Spichale

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