Dorfposse Killwangen

Können Neuwahlen das Dilemma wirklich lösen?

Wenn auch die umstrittene Cornelia Biasca wieder zur Wahl antritt, besteht die Gefahr einer Pattsituation. Bis zu den Neuwahlen werden die Zoff-Gemeinderäte vom Kanton an der Hand genommen.

Alle zwei Wochen treffen sich die Killwanger Gemeinderatsmitglieder zur gemeinsamen Sitzung. Weil sich seit einiger Zeit innerhalb des 5-köpfigen Gremiums immer mehr Spannungen angestaut haben, wurde der Umgangston zusehends ruppiger. Nun hat der Kanton Aargau genug: Nach Gesprächen mit einzelnen Gemeinderäten riet er ihnen zum gemeinsamen Rücktritt, um den Weg für Neuwahlen zu ebnen.

«Es hat sich gezeigt, dass die vier Gemeinderäte nicht mehr mit Frau Biasca zusammenarbeiten wollten», sagt Martin Süess, Leiter Rechtsdienst bei der kantonalen Gemeindeabteilung. Um einen Weg aus der verworrenen Situation zu finden, habe man dem Gemeinderat einen Kollektiv-Rücktritt vorgeschlagen. «Die Gemeinderäte haben sich mit dieser Lösung einverstanden erklärt und somit den Weg für Neuwahlen freigemacht», sagt Süess. Hätten sich die Gemeinderäte dieser Lösung verweigert, hätte der Kanton aufsichtsrechtliche Massnahmen ergreifen müssen, wobei eine Zwangsverwaltung die letzte Option gewesen wäre.

Coach für gutes Gesprächsklima

Bis zu den Neuwahlen am 19.Januar stellt der Kanton dem Gemeinderat einen Coach zur Seite. Aufgrund seiner Erfahrung habe sich Franz Nebel für diese Aufgabe aufgedrängt, sagt Süess. So war Nebel 2001 in Othmarsingen schon einmal als Coach tätig (siehe unten). «Wir haben seine Aufgaben noch nicht bis ins letzte Detail festgelegt.» Nebel werde vor allem die Gemeinderatssitzungen begleiten und insbesondere für ein konstruktives Gesprächsklima sorgen. Nebel selbst ist überzeugt, dass er neben seiner jetzigen Funktion als Gemeindeammann von Bad Zurzach genügend Zeit für das Coaching finden wird. «In den nächsten Tagen werde ich mit den Gemeinderäten Kontakt aufnehmen.»

Anzeige macht Biasca nicht nervös

Die Gemeinderäte beurteilen ihren Rücktritt unter dem Strich positiv. «Ich bin froh, dass sich der Kanton eingeschaltet hat», sagt Gemeindeammann Cornelia Biasca. Gleichzeitig betont sie, dass die Sachgeschäfte nie unter den internen Spannungen gelitten hätten. «Der Coach wird dafür sorgen, dass an den Sitzungen der Ton gewahrt bleibt.»

Ob sie bei den Neuwahlen wieder antreten werde, lässt sie noch offen. Eines sei aber klar: «Ich bleibe standhaft. Dies umso mehr, als ich aus der Bevölkerung sehr viel Zusprechung und Unterstützung erfahren habe.» Sie sei nach wie vor überzeugt, dass von der Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung am Ende nicht viel übrig bleiben werde. «Auf jeden Fall so wenig, dass ich deswegen sicher nicht zurücktreten müsste.»

Lust am Politisieren nicht vergangen

Indes steht fest, dass sich die anderen vier Gemeinderäte im Januar 2011 wieder wählen lassen wollen. «Ja, wir treten gemeinsam wieder an», sagt Jürg Lienberger, der als Einziger bereits vor einem Monat seinen Rücktritt erklärt hatte. Den fünften Kandidaten habe man noch nicht auserkoren. Dass Biasca – sollte auch sie wieder antreten – erneut gewählt würde, glaubt Lienberger nicht. «Ich spüre im Dorf eine Stimmung gegen Biasca.» Wie auch immer: «Sollten wir, aber auch Biasca wieder gewählt werden, hätten wir ein echtes Problem», blickt Lienberger voraus.

Der dienstjüngste Gemeinderat Werner Scherer betont, dass ihm die Lust am Politisieren trotz der jetzigen Misere nicht vergangen sei. «Ich will mich weiter für Killwangen einsetzen; das bin ich meinen Wählern schuldig.» Scherer ist sich aber auch bewusst, dass man nach der Neu-wahl nicht einfach zur Tagesordnung schreiten könne. «Es wird einige Zeit dauern, den Imageschaden zu beseitigen.» Auch er betont, dass die Politgeschäfte unter den Spannungen nicht gelitten hätten. So habe der Gemeinderat gerade vor zwei Tagen das Budget 2011 abgesegnet.

Trotzdem begrüsst Gemeinderat Walter Hubmann die Einsetzung des Coachs. «Ich hoffe, dass jetzt endlich wieder Ruhe einkehrt im Dorf.» Ähnlich denkt auch Gemeinderat Alois Greber. Aber: «Wäre Biasca zurückgetreten, wäre dieser Schritt nicht nötig gewesen.»

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