Kommentar
Überraschend klares Ja zur Fusion von Baden und Turgi

Das Nein vom 13. Juni vor elf Jahren hat sich nicht wiederholt. Im Gegenteil: Die hohe Zustimmung zur Fusion überrascht.

Pirmin Kramer
Pirmin Kramer
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Die Nervosität im Lager der Fusions-Befürworter war riesig. Turgi würde Ja stimmen, das war allen klar. Aber Baden? Bis auf die SVP waren im Vorfeld zwar alle Stadtparteien für das Projekt. Das war aber schon vor exakt elf Jahren so, am 13. Juni 2010. Damals schickte Baden eine Fusion mit Neuenhof völlig überraschend bachab. Hinzu kommt: Fusionen haben es an der Urne extrem schwierig. Der sogenannte Zukunftsraum in Aarau, eine durch Fusionen mehr als doppelt so grosse Stadt wie heute, entpuppte sich als Träumerei der Behörden. Es kam zum krachenden Nein.

Und nun dies: 58,7 Prozent Ja in Baden, 83,9 Prozent Ja in Turgi. Diese hohe Zustimmung ist überraschend. Die Bevölkerung hat erkannt: Baden ist nur durch Fusionen in den 1960er-Jahren zur attraktiven Stadt geworden, die sie heute ist. Und nur durch weitere Fusionen wird sie es schaffen, auch in Zukunft so lebenswert zu bleiben. Kaum mehr eine Herausforderung – Verkehr, Infrastruktur, Platzprobleme – lässt sich in den bestehenden engen Grenzen lösen.

Damit der Zusammenschluss mit Turgi Tatsache wird, müssen 2022 und 2023 aber weitere Abstimmungs-Hürden genommen werden. Die SVP und Teile der FDP sind bereit, für ein Nein zu kämpfen. Und bei aller Euphorie der Befürworter über das Ja: Der gestrige Entscheid war für viele in Baden ein Ja der Vernunft und nicht unbedingt des Herzens. Für ein erneutes Ja in zwei Jahren müssen die Emotionen noch geweckt werden.