Baden
Kommissar Zufall half mit: Ein Fingerring zerschlug den Einbrecher-Ring

Dass die Einbrecher aufgeflogen sind, ist einem schier unglaublichen Zufall zu verdanken. Vreni Keller* glaubt sogar an höhere Kräfte. Sie ist überglücklich, ihren geliebten Ring wieder zu haben.

Matthias Steimer
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Ein Fingerring brachte die Polizei auf die Spur der Einbrecher.

Ein Fingerring brachte die Polizei auf die Spur der Einbrecher.

Aargauer Zeitung

Diesen Einbruch sollten sie noch bereuen. Gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Baden soll sich jener Novemberabend des Jahres 2011 etwa so abgespielt haben: L.B. und G.J. fuhren in ein Wettinger Einfamilienhausquartier. Sie erspähten ein Haus, wo offensichtlich niemand zu Hause war. Der Einbruch gestaltete sich schwieriger als erwartet. Mit Schraubenziehern versuchten sie, die Terrassentür aufzubrechen. Allein: sie war robust, sperrte sich gewaltig.

Dies spornte die mutmasslichen Einbrecher offenbar dazu an, sich anderweitig Zutritt zu verschaffen. Sie versuchten es an einem Fenster. Und tatsächlich war es ein Kinderspiel, dieses zu öffnen. Sie kletterten ins Haus, um sich mit Schmuck, Münzen und Bargeld zu bedienen. Sie erbeuteten laut der Anklage Waren im Wert von fast 50'000 Franken.

Der Schock nach den Ferien

Szenenwechsel: Vreni Keller kehrte unbekümmert aus den Ferien zurück, dann der Schock: «Vor meinem Haus stand ein Polizeiauto», erinnert sich die 77-Jährige. Die Polizei klärte sie über den Einbruch auf. Sie musste alsdann feststellen, dass auch ihr liebstes Schmuckstück, ein Ring, verschwunden war. Die Tatsache, dass fremde Menschen ihr Haus durchsuchten, verdaute sie so schnell nicht. «Ich konnte vorübergehend nicht mehr im Haus leben», erzählt Vreni Keller. «Ich wollte, dass zuerst alles professionell geputzt wird.»

Da sie noch nie eine Putzfrau engagiert hatte, liess sie sich von einer Kollegin jemanden empfehlen. Wie die vermittelte Putzfrau vorstellig wurde, staunte Vreni Keller nicht schlecht. Zwar hatte sie die Putzfrau nie zuvor gesehen, aber an deren Hand glänzte nichts weniger als der geliebte Ring, der ihr gestohlen worden war. Wie konnte das sein? «Den hat mir mein Sohn geschenkt», entgegnete die verblüffte Putzfrau. Vreni Keller legte Beweise vor, dass es sich um ihr Schmuckstück handeln musste, worauf ihr die Putzfrau den Ring reichte und das Weite suchte. Diese Schreckensbegegnung markierte den Anfang vom Ende des Badener Einbrecher-Rings. Die Putzfrau war die Mutter des mutmasslichen Einbrechers L.B. – ein unglaublicher Zufall. Vreni Keller glaubt an höhere Kräfte: «Das war kein Zufall. Es ist der erste Ring, den mir mein vor Jahren verstorbener Mann geschenkt hatte.»

Vreni Keller schlug Alarm. Die Polizei begann zu ermitteln. Bis zu den Festnahmen verstrichen noch drei Monate und etliche weitere Einbrüche. Am 27. Februar 2012 um 21.15 Uhr wurden G.J. und B.S. auf der Landstrasse in Ehrendingen angehalten. Die Polizei entdeckte in ihrem Auto Deliktgut sowie Einbruchswerkzeug. Beide wurden verhaftet. Zwei Stunden später klickten bei L.B. die Handschellen. Auch die anderen Hauptbeschuldigten, S.A. und M.K., setzte die Polizei in Untersuchungshaft. Die fünf Drahtzieher sassen nach zwei Jahren Einbruchterror hinter Gittern. Der Fingerring hat den Einbrecherring zerschlagen.

Name von der Redaktion geändert