Katholische Kirche
Konflikt in Gebenstorf-Turgi hält an: Pfarrwahl darf nicht durchgeführt werden

Die Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi hält trotzdem an der Urnenabstimmung fest – im Pfarrblatt Horizonte kann sie aber nicht mehr informieren.

Claudia Laube
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Aussen idyllisch, innen brodelts aber seit mehreren Jahren: Die verschneite katholische Kirche trohnt über Gebenstorf.

Aussen idyllisch, innen brodelts aber seit mehreren Jahren: Die verschneite katholische Kirche trohnt über Gebenstorf.

Chris iseli (18.1.2021

Die Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi wollte am 24. Januar an der Urne einen neuen Pfarrer wählen. Und verschickte dafür Anfang Januar den Kirchen-Mitgliedern die dazugehörigen Unterlagen – ohne überhaupt einen möglichen Anwärter vorzuschlagen. In einem Brief an die Kirchenpflege, welcher der AZ vorliegt, fordert die Römisch-katholische Landeskirche Aargau, diese Wahl von der Traktandenliste abzusetzen. Sie sei nicht rechtens: «Die Ansetzung einer Pfarrwahl ohne vorgängige Absprache mit den zuständigen bischöflichen Instanzen und ohne über zumindest einen Kandidaten zu verfügen, der über das notwendige Wählbarkeitszeugnis verfügt, stellt eine eklatante Verletzung der kirchlichen Zuständigkeitsordnung dar», schreibt die Landeskirche. «Die Personalplanung bei Pfarrstellen liegt einzig und alleine im Bistum», sagt Landeskirchen-Präsident Luc Humbel auf Anfrage. «Es dürfen nur Leute vorgeschlagen werden, die eine Missio canonica ausgestellt erhielten.» Also den bistümlichen Segen erhalten haben.

Der Aufforderung zum Rücktritt nicht nachgekommen

Zur Erinnerung: Der bisher in den Pfarreien Gebenstorf und Turgi wirkende Pater Adam Serafin verfügt seit Anfang Jahr über keine bischöfliche Beauftragung mehr. Mit der letztjährigen Kündigung des bisherigen Gemeindeleiters Peter Daniels hätte Pater Adam zurücktreten sollen. Einer Aufforderung zum Rücktritt von Bischof Felix Gmür war Adam aber nicht nachgekommen, er blieb in der Kirchgemeinde. Seit Oktober sei die Leitungsfunktion auf Weisung des Bischofs hin auf den Bischofsvikar übergegangen, bis die Stellen neu besetzt werden können, so Humbel. Pater Adam hat gegen die Kündigung, welche die Landeskirche vorgenommen hat, ein Rechtsmittel ergriffen.

Doch nicht der Entzug seiner Ämter sei der Grund, warum eine Pfarrwahl durchgeführt wird, sagt Kirchenpflegepräsident Daniel Ric. «Die Landeskirche und das Bistum nehmen den Pfarreien mit der Schaffung von Pastoralräumen dieses demokratische Recht weg und damit auch die Kontrolle über die Gelder, die der Kirche von Gläubigen anvertraut werden.» Zudem hätten die Pfarreiangehörigen ohne eine solche Wahl keine Möglichkeit, die Position des Priesters innerhalb einer Kirchgemeinde zu stärken. Man habe extra niemanden vorgeschlagen, um den Mitgliedern die demokratische Freiheit zu lassen. Ric hält an der Pfarrwahl an der Urne fest und will der Aufforderung der Landeskirche nicht nachkommen.

Zugang zum Pfarrblatt gekappt

Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem Ric zu kämpfen hat. Die Kirchgemeinde hat auch keinen Zugang zum Pfarrblatt Horizonte mehr. «Gegen jede Gepflogenheit und gegen jedes geltende Recht wurde unserer Sekretärin der Zugang weggenommen», so Ric. Das Passwort sei ohne ihr Wissen geändert worden. Das heisst: Die Kirchgemeinde kann aktuell weder auf Gottesdienste noch auf die Urnenwahl aufmerksam machen, ein Recht das sonst allen zahlenden Mitgliedern zusteht. «Wir wurden einfach aus der letzten Ausgabe radiert», so Ric. Eine Begründung habe er nicht erhalten. Zudem sei ihm zugetragen worden, dass es beim «Horizonte» die Weisung gäbe, nicht mehr über die Kirchgemeinde zu berichten.

Für die inhaltlich-pastorale Gestaltung des Pfarreienteils im Horizonte sei einzig der pfarrverantwortliche Leiter der Pfarreien Gebenstorf-Turgi und Birmenstorf zuständig, sagt Präsident Andreas Wieland. «Das ist der von Bischof Gmür beauftragte Bischofsvikar Valentine Koledoye. Er allein entscheidet, was ins Pfarrblatt gehört.» Die Zugänge seien nach Rücksprache mit dem Bistum und der Bistumsleitung gesperrt worden, da Inhalte publiziert worden seien, die sich gegen Bistum und Landeskirche richteten. «Sobald sich die Situation in den Pfarreien erheblich beruhigt hat und personelle Probleme geklärt sind, werden die Zugänge wieder frei geschaltet», so Wieland. Wegen laufender Rechtsmittelverfahren sei auch die Berichterstattung über die Kirchgemeinde eingestellt worden.