Kaum ist die Badenfahrt zu Ende, nimmt der Wahlkampf Fahrt auf. Gestern Abend trafen die vier Badener Stadtammannkandidaten im «Talk Täglich» auf «Tele M1» aufeinander. Amtsinhaber Geri Müller (team) erhielt zuerst das Wort. «Die Arbeit macht mir nach wie vor Spass.» Er habe vor vier Jahren angekündigt, dass er gerne zwei bis drei Legislaturperioden absolvieren möchte. «Die Stadt braucht den Weiterzug des bisherigen, erfolgreichen Weges.»

Auf die Frage, ob er noch auf die Nacktselfie-Affäre angesprochen werde, sagte Geri Müller: «Das war ein ganz kleines Element in den vergangenen vier Jahren, und man muss sehen, wie die politischen Leistungen aussehen, da stehen wir gut da.» Der Stadtrat habe schnell und gut auf die Herausforderungen wie etwa die sinkenden Steuereinnahmen reagiert, einen Stillstand in der Stadt gebe es nicht.

Am direktesten wurde Geri Müller von Stadtrat Erich Obrist (parteilos) angegriffen. «Geri, du kommst bei den entscheidenden Themen nicht mehr an die Leute heran.» Er frage sich heute noch, weshalb Ennetbaden den Projektierungskredit für Zusammenschlussgespräche mit Baden ablehnte. «Mit einem Stadtammann, der hingestanden wäre und den Ennetbadenern Mut gemacht hätte, wäre die Situation heute vielleicht anders, und wir könnten 2019 einen Zusammenschluss beschliessen», sagte Obrist. «Das Vertrauen ist weg, ich spüre das auch in den umliegenden Gemeinden nicht mehr.» Mit einem neuen Kopf an der Spitze könnte man neu beginnen. Obschon erst zwei Jahre im Stadtrat, sei er reif für den nächsten Schritt, so Obrist: «Ich bin der ideale Mix zwischen erfahren und neu.»

Badener Stadtammann-Kandidaten erklären, wieso sie antreten.

Badener Stadtammann-Kandidaten erklären, wieso sie antreten.

Vizeammann: Die Affäre ist nicht vergessen

Vizeammann Markus Schneider (CVP) sagte: «Ich glaube nicht, dass alle in Baden die Zeit vergessen haben, in denen die Selfies im Vordergrund waren.» Das habe die Stadt und auch die Verwaltung sehr beschäftigt. «Geri, du bist nicht der Führungsmensch, du bist manchmal ein bisschen chaotisch und ein Gefühlsmensch», sagte Schneider. Man sollte stattdessen ihn wählen, weil er über Führungserfahrung verfüge und die grossen Projekte der Stadt schon sehr gut kenne, so Schneider. Zur Frage, ob er Gefallen an der Stadtammann-Rolle gefunden habe, als Müller vorübergehend nicht an der Macht war, sagte er: «Ja, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als die Stadt führen zu dürfen.»

"Portion Mut"

Sandra Kohler (parteilos) antwortete auf die Frage, warum sie antrete, obschon sie politisch null Erfahrung habe: «Eine Kandidatur war schon länger ein Thema. Für diese Position braucht es auch eine gewisse Portion Mut.» Sie habe sehr viele Gespräche geführt. «Viele sagen mir, es braucht neue Menschen, eine neue Regierung.» Sie trete ganz bewusst parteilos an, sei völlig offen, je nach Thema. «Baden hat goldene Zeiten hinter sich. Jetzt geht es darum, gut mit den umliegenden Gemeinden zusammenzuarbeiten und vielleicht ein Stück weit vom hohen Ross hinunterzukommen. Dafür braucht es neue Leute am Ruder.»

Sehen Sie hier den "TalkTäglich" in voller Länge: 

Stadtammann-Wahl Baden

Stadtammann-Wahl Baden

Seit vier Jahren ist Geri Müller Stadtammann von Baden. Schafft er nach seiner Nackt-Selfie-Affäre die Wiederwahl oder kommt es zum Führungswechsel?