Baden
Konkurs angemeldet: Traditionscafé Himmel steht vor dem Aus

Das Traditionshaus Café Himmel hat laut ranghohen Angestellten Konkurs angemeldet – alle drei Filialen in Baden und Wettingen sind betroffen.

Pirmin Kramer
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Die Hauptfiliale beim Bahnhofplatz war am Donnerstagnachmittag noch gut besucht – vielleicht zum letzten Mal.
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Ein anderes Bild zeigt sich in der Filiale Delise im Badener Langhaus: leere Vitrine, kaum Gäste.
Impressionen aus dem Café Himmel am Tag, an dem die wahrscheinliche Schliessung öffentlich bekannt wurde.
Café Himmel Baden
Der «Himmel» am Bahnhofsplatz in Baden. (Archiv)
Advents-Schokolade im «Himmel»-Schaufenster. (Archiv)

Die Hauptfiliale beim Bahnhofplatz war am Donnerstagnachmittag noch gut besucht – vielleicht zum letzten Mal.

DV

Das Gerücht verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer. Der «Himmel» – Café, Konditorei und Restaurant – werde bald schliessen müssen. Ranghohe Mitarbeiter aus allen drei Filialen, dem «Himmel» und dem «Delise» in Baden sowie dem «Bijou» in Wettingen, bestätigen im Gespräch mit der AZ: Der Geschäftsführer habe Konkurs angemeldet und ihnen die Hiobsbotschaft diese Woche mitgeteilt. Es sei wohl leider nur noch eine Frage der Zeit, bis der Konkurs verhängt werde, sagten die Mitarbeiter. Voraussichtlich in wenigen Tagen müssten die Filialen geschlossen werden.

Der «Himmel» ist zweifellos mehr als nur ein Café beziehungsweise eine Konditorei: Er gehört seit über 160 Jahren zu Baden. So wie das «Sacher» in Wien oder der «Sprüngli» in Zürich handelt es sich seit Generationen um einen der wichtigsten gesellschaftlichen Treffpunkte in der Stadt. Es gibt kaum einen Menschen in Baden und Umgebung, der noch nie im «Himmel» war, geschweige denn den Namen des Cafés oder der Konditorei noch nie gehört hat.

Dass nun alle drei Standorte betroffen sind, ist ein Schock.

(Quelle: "Himmel"-Mitarbeiterin)

Das Konkursamt des Bezirks Baden konnte und durfte gestern zwar keine Auskunft erteilen, und auch der Geschäftsführer der «Himmels-bijou GmbH», Jörg Holstein, liess eine schriftliche Anfrage unbeantwortet. Doch die Angestellten in den drei «Himmel»-Filialen machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Eine Mitarbeiterin der traditionsreichen Filiale beim Bahnhofplatz sagte mit Tränen in den Augen: «Es gab seit letztem Jahr Gerüchte, dass die beiden kleineren Filialen vielleicht schliessen müssen. Dass nun aber alle drei Standorte betroffen sind, ist ein Schock.»

Das Café "Himmel" am Mittwoch.

Das Café "Himmel" am Mittwoch.

Alex Spichale

Womöglich geschehe noch ein Wunder, und der Konkurs könne in letzter Sekunde doch noch abgewendet werden, sagte sie, um im gleichen Atemzug anzufügen: «Aber ich glaube nicht mehr daran.» Ein Kellner sagte derweil einer Besucherin: «Wir wissen seit Dienstag, dass wir bald auf der Strasse stehen.»

Auch im «Bijou» in Wettingen informierte ein Angestellter die Besucher beim Frühstück, dass der Konkurs angemeldet worden sei. Und im Delise im Langhaus sagte eine Mitarbeiterin, ungefähr 20 Angestellte wären vom Konkurs betroffen.

«Da ging uns ein Licht auf»

Eine weitere «Himmel»-Angestellte erzählte im Telefongespräch, der Geschäftsführer habe die Angestellten in den vergangenen Monaten leider nur spärlich informiert, es habe viele Gerüchte gegeben. «Vor einem Jahr hiess es erstmals, wir würden rote Zahlen schreiben. Aber wir müssten uns keine Sorgen machen. Ende Dezember hörte ich erstmals, der Geschäftsführer überlege sich, alle Filialen zu schliessen.»

Dass definitiv etwas nicht stimme, habe sie vor wenigen Wochen gemerkt, als die Lieferanten die Milchprodukte für die Backwaren nicht mehr hergebracht hätten; stattdessen habe der Geschäftsführer diese selber bei einem Engros-Unternehmen in der Region beschafft. «Anfang dieser Woche bemerkten wir, dass die Arbeitspläne für Februar noch nicht stehen. Ebenfalls am Montag waren Angestellte des Betreibungsamtes zu Besuch. Da ging uns ein Licht auf.»

Das grosse Rätsel auch für diese Mitarbeiterin: Wie konnte es so weit kommen? Das Marktumfeld sei zweifellos schwierig, doch hätten die «Himmel»-Filialen stets treue Gäste gehabt. «Klar ist für mich einzig, dass die vielen Baustellen in und um Baden die Situation nicht vereinfacht haben, vor allem für die Filiale in Wettingen.»

Historische Bilder aus Baden:

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So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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