Skandale und Empörung – diese Begriffe sind bis heute untrennbar mit dem Kino der Neuzeit verbunden. Ob durch explizite Gewaltszenen, religiöse Tabuthemen oder Darstellung von Sexualität; Filme polarisieren auf verschiedene Arten. Der Geschichte hinter den Skandalen nimmt sich seit rund zwei Jahren das Badener Kulturlokal «Royal» in ihrer Filmreihe «Royal Scandal Cinema» an. Monatlich werden dort Produktionen gezeigt, die aufgrund ihres Inhalts für einen Aufschrei gesorgt haben oder seinerzeit sogar verboten wurden.

«Grundidee der Filmreihe ist, gesellschaftspolitische Debatten mit einem wissenschaftlichem Projekt zu verknüpfen», erklärt Martin Bürgin, der gemeinsam mit Jugendfreund und «Royal»-Vorstandsmitglied Pascal Etzensperger sowie Nadine Burger für die Durchführung verantwortlich ist. So halten im Vorfeld der Vorführungen jeweils Referenten aus dem akademischen Bereich Vorträge zu den durch die Filme ausgelösten Kontroversen. Aus Unterhaltung und Wissen die passende Mischung hinzukriegen, sei nicht immer einfach, so Bürgin: «Die Herausforderung besteht darin, dass es für die Zuschauer informativ und unterhaltsam zugleich sein muss.»

Das «Royal Scandal Cinema» ist ein längerfristiges Projekt. «Wir werden die Filmabende noch bis 2021 machen.» Ganze 60 bis 65 Filme sollen es dann sein. Bis anhin finde die Filmreihe regen Anklang: «Durchschnittlich kommen zwischen 30 und 80 Besucher zu den Vorführungen. Die Anzahl der Zuschauer hängt aber stark von den jeweiligen Filmen ab.» Doch können Filmszenen in der heutigen Zeit der Reizüberflutung eigentlich noch schockieren?

«Ja», findet Bürgin. «Überall, wo verschiedene Weltbilder aufeinandertreffen, ist nach wie vor Skandalisierung möglich. Es zeigt sich, dass Debatten über Geschlechterrollen oder sexuelle Tabuthemen heutzutage wieder vermehrt zu einer Polarisierung in der Gesellschaft führen.» Aus diesem Grund sei die Auseinandersetzung mit Filmen aus dem letzten Jahrhundert aktueller denn je.

Von der cineastischen Brisanz können sich Besucher im «Royal» auch im neuen Jahr überzeugen lassen. Bis zum Abschluss der Saison im Mai 2018 werden noch fünf Produktionen gezeigt.

4. Januar: «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.»
15. Februar: «Sweet Movie»
1. März: «All Quiet on the Western Front»
5. April: «Das Gespenst»
3. Mai: «Starship Troopers»