So schildert ein Fachmann die jüngste Flugshow der beiden Ehrendinger: «Das Team Schaerer zeigte in höchster Präzision des synchronen Formationsfliegens unglaubliche Segelkunstflugelemente.» Die Geschichte des Flug-Teams Schaerer beginnt indes viel früher: Vor fast 40 Jahren hatte Andi Schaerer den ersten Bausatz für ein Modellflugzeug bekommen. «Ich war acht Jahre alt, als ich erstmals eine Balsaholz-Konstruktion verleimte und mit Pergamentpapier überspannte», erinnert sich der 46-jährige Andi Schaerer heute. «Es war flugtüchtig», fügt er an. Das Fliegen habe ihn damals in den Bann gezogen und bis heute nicht mehr losgelassen. Sein Sohn hat die Gene der Modellfliegerei in die Wiege gelegt bekommen.

Heute gehören Vater und Sohn bei Wettbewerben zur nationalen und europäischen Spitze im Segelmodellkunstflug. Viele Trainingsstunden und Wochenenden verbringen sie gemeinsam auf den Flugplätzen der Schweiz, Deutschlands, Österreichs und in Holland. Mit dabei ist Schlepppilot Thomas Hoffmann, wichtigster Mann, der die Segelflieger hochzieht. Unterstützt wird das Team oft von Frau beziehungsweise Mutter Beatrice Schaerer, längst zur Kennerin der Modellflugszene geworden.

Vater Andi war in den Jahren 2004 bis 2006 und 2008 Schweizer Meister. Seit 2009 hat ihm der Sohn den obersten Podestplatz weggeschnappt. «Tim war von Beginn an koordinativ besser», sagt Vater Andi neidlos. Es gehe darum, die Fluglage und externe Einflüsse wie Wind und Thermik möglichst früh zu erfassen und zu reagieren. Was ihm konzentrierte Denkarbeit bereite, laufe bei Tim zumeist instinktiv ab. Als Konkurrenten fühlen sie sich nicht. «Es ist über die Vater-Sohn-Beziehung hinaus eine tiefe Freundschaft, die uns verbindet», sagt Tim. Der Vater bestätigt.

Kunstfliegen auf diesem Niveau stellt besonders an die Feinmotorik höchste Anforderungen. «Da dürfen einem die Nerven keinen Streich spielen», macht Vater Schaerer klar: «Darum ist die mentale Stärke ein wesentlicher Faktor.» Darüber und die weiteren Aspekte des Kunstflugs mit Modellsegelflugzeugen hat er ein Buch geschrieben. «Bei einer Flugshow vor nahezu 40 000 Zuschauern ist man brutal angespannt», gestehen beide. Die Anspannung beginne schon beim Start des Schleppflugzeuges, das beim Synchronflug beide Segelflugzeuge gleichzeitig auf rund 700 Meter Höhe zieht. Das sind drei Minuten, die höchste Konzentration erfordern würden. Mit ihrem synchronen Formationskunstflug Flügel an Flügel sorgen sie an den Flugshows europaweit für Aufsehen. Ihre Modelle haben Spannweiten von 6 Metern, sind 20 Kilo schwer, mit viel Technik bestückt, bis 10 000 Franken teuer und in der Luft kaum von einem echten Flugzeug zu unterscheiden.

Lange Zeit wurde die Modellfliegerei eher belächelt. Doch wer schon ein ferngesteuertes Auto gelenkt hat, weiss, dass das Umdenken von rechts auf links und umgekehrt beim entgegenkommenden Fahrzeug geistige Flexibilität erfordert. Beim Fliegen kommt die dritte Dimension dazu. Und mit Segelflugzeugen sei es noch ein Stück schwieriger als mit einem motorisierten Modellflugzeug, sagt Tim Schaerer. «Mit dem Motorflugzeug kann jederzeit beschleunigt werden.» Mit dem Segelflugzeug gehe das nicht. Hier gelte es, die in Form von Höhe gespeicherte Energie exakt einzuteilen. «Da wir das Programm in enger Formation fliegen, wird alles anspruchsvoller. Jede Figur muss auf Anhieb sitzen und präzis geflogen sein.» Ihre Show ist so einzigartig, dass sie von Red Bull einen Athleten-Vertrag erhielten.