Wettingen
Konzertmeister des Kammerorchesters: «Musik und Familie sind das Wichtigste»

Geiger Markus Lehmann feiert sein 30-Jahr-Jubiläum als Konzertmeister beim Kammerorchester 65

Elisabeth Feller
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Markus Lehmann: «Die Violine ist im Laufe der Zeit nie abgeändert worden. Wir spielen heute noch auf vier Saiten, was mich einfach staunen lässt.» Mario Heller

Markus Lehmann: «Die Violine ist im Laufe der Zeit nie abgeändert worden. Wir spielen heute noch auf vier Saiten, was mich einfach staunen lässt.» Mario Heller

Mario Heller

30 Jahre bei einem Arbeitgeber? Doch, das gibt es noch immer. Allerdings ist diesmal nicht eine Firma im Spiel, sondern ein Orchester, dem Markus Lehmann seit Jahrzehnten angehört. Kein Konzert des Kammerorchesters 65 (K65) ohne den gebürtigen Badener, der schon im Alter von fünf Jahren wusste: «Ich möchte Geige spielen.» Das verwundert nicht bei einem Vater, der als Pianist und Organist weithin Reputation genoss. Gustav Lehmann hatte einst mit dem Schweizer Geiger Hansheinz Schneeberger gespielt – was beim Sohn so sehr haften blieb, dass dieser sein Konzertdiplom bei Schneeberger in dessen Meisterklasse an der Musikakademie Basel absolvierte.

Konzerte des K65

Freitag, 2. September, 19.30 Uhr, Klosterkirche Wettingen

Samstag, 3. September, 20 Uhr, Stadtkirche Zofingen

Mit zwei Konzerten feiert der Geiger Markus Lehmann sein 30-Jahr-Jubiläum als Konzertmeister mit dem Kammerorchester 65.

Er ist Solist in Antonin Dvoráks Violinkonzert op. 53 in a-Moll. Mit der nachfolgenden Symphonie Nr. 2 «Hakon Jarl» op. 134 in c-Moll von Carl Reinecke stellt das K65 unter der Leitung von Renato Botti eine Rarität vor.

Natürlich muss da unweigerlich die Frage folgen: Gab es Vorbilder? «O ja. David Oistrach und Zino Francescatti. Vor allem aber Nathan Milstein und Ricardo Odnoposoff, bei denen ich Meisterkurse besucht habe.» Dass Odnoposoff einige Male im damaligen Kursaal Baden gastiert hat, ist eine schöne Fussnote, die zu Lehmanns beruflicher Biografie passt.

Wer mit dem Musiker spricht, der merkt, dass es Lehmann nie an Exaltiertheit gelegen ist. Vielmehr leitet ihn eine verinnerlichte Leidenschaft. Das ist sympathisch – und fällt auf in einer Zeit so manch schriller Selbstinszenierung auf dem Konzertpodium. Markus Lehmann muss nicht eigens erwähnen, dass nicht er, sondern stets die Musik im Vordergrund steht. Deshalb unterrichtet er auch gerne an der Musikschule Baden. Zu seinen Schülern zählen zum Beispiel der immer mehr auf internationalem Parkett Fuss fassende Sebastian Bohren oder der ehemalige Konzertmeister des Aargauer Symphonie Orchesters, Stephan Läderach, sowie Regula Schärli, Konzertmeisterin der Sinfonia Baden.

Ein Leben umgeben von Musikern

Lehmanns jüngster Schüler ist fünf, sein ältester 86 Jahre alt. Er habe nie eine bestimmte Altersgruppe unterrichten wollen, sagt der Geiger und betont: «Es ist eine enorme Befriedigung, wenn man Menschen Musik nahebringen kann.» Bestimmt wird er ihnen auch erzählen, «dass der Geigenton etwas vom Schönsten ist, das es gibt, weil er dem Gesang am nächsten kommt». Lehmann weiss, wovon er spricht: Seine Frau ist Berufssängerin und sein Sohn Rock- und Popmusiker, was der Vater vergnügt so kommentiert: «Das finde ich toll.» Seine Tochter wiederum spielt Harfe, will aber nicht Musikerin, sondern Lehrerin werden. Wer könnte diesbezüglich Markus Lehmann nicht verstehen, wenn er sagt: «Die Musik und die Familie sind für mich das Wichtigste.»

Interessantes Laienensemble

Auch das 1965 gegründete, aus bis zu 25 Streicherinnen und Streichern bestehende K65 ist eine Familie. Als er vom K65-Gründer und ersten Dirigenten André Jacot gefragt wurde, ob er als Konzertmeister wirken wolle, sagte Lehmann sofort zu. Konzertmeister bei einem – man zögert – Laienensemble? «Das ist etwas ganz anderes, als wenn ich mit einem Berufsorchester spiele. Hier habe ich es mit interessanten Menschen zu tun, die beispielsweise Ingenieure oder Ärzte sind. Also erliege ich keiner ‹déformation professionnelle›. Zudem proben wir über einen langen Zeitraum.» Dadurch würden Freundschaften und auch Ehen entstehen, fügt Lehmann an.

30 Jahre dabei mit ungebrochener Passion: Das wird im September gefeiert mit einem Werk, das Markus Lehmann ein Herzensanliegen ist – Antonin Dvoráks Violinkonzert. Der Musiker rühmt dessen tänzerischen Charakter und insbesondere den langsamen Satz. «Die Klangfarben und die Stimmungen, die der Komponist beschwört, sind einzigartig.» Wie der Geiger diese klanglich einfangen und schattieren wolle, fragen wir ihn und landen unversehens bei Antonio Stradivari, dem genialen Geigenbauer. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese hier beenden wir in Markus Lehmanns Worten so: «Die Violine gibt es seit etwa 500 Jahren – und sie ist im Laufe der Zeit nie abgeändert worden. Wir spielen heute noch auf vier Saiten, was mich einfach staunen lässt.»

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