Wettingen

Kosovare kassierte fast eine Million Franken IV-Rente – Privatdetektive zweifeln an seiner Invalidität

Nicht invalid und fast 1 Million IV-Rente eingesackt?

Nicht invalid und fast 1 Million IV-Rente eingesackt?

Ein Kosovare aus Wettingen erhielt die letzten 20 Jahre fast eine Million Franken Invalidenrente. Dabei soll er gar nicht erwerbsunfähig sein.

Ein Kosovare aus Wettingen bezog während 20 Jahren über 900'000 Franken IV-Rente. Privatdetektive, die die Versicherung auf ihn angesetzt hatte, kommen jedoch zum Schluss, dass der Mann gar nicht invalid ist. Die Observation ist rechtlich gesehen heikel.

Vor über 20 Jahren verunfallte ein Kosovare aus Wettingen mit seinem Lastwagen. Seither bezieht er eine Invalidenrente. Insgesamt über 900'000 Franken hat er seit 1996 kassiert. Er könne sich nicht einmal mehr selber anziehen, hatte der Mann als Grund angegeben. Auch leide er konstant unter Kopf-, Rücken- sowie Beinschmerzen.

Da die Versicherung jedoch den Verdacht hegte, der ehemalige LKW-Fahrer sei gar nicht invalid, setzten sie Privatdetektive auf ihn an. Diese brachten Brisantes zutage: Obwohl der Kosovare angegeben hatte, seit 20 Jahren nicht mehr Auto gefahren zu sein, erwischten ihn die Detektive hinter dem Steuer. Auch sonst habe er gemäss Beobachtungen keine Probleme dabei, alltägliche Besorgungen zu erledigen.

«Tele M1» hat mit dem Sohn des 56-Jährigen gesprochen. Dieser behauptete, seinem Vater gehe es manchmal besser und das Autofahren sei eine Art Therapie für den ehemaligen LKW-Fahrer.

Observation durch Privatdetektive heikel

Vor Gericht muss sich aber auch die Ehefrau des Kosovaren verantworten. Ihr wird vorgeworfen, sie habe ihn über all die Jahre gedeckt, damit er sich die Versicherungsgelder erschleichen könne. Urs Oswald, der die Ehefrau vor Gericht vertritt, ist von der Invalidität des Mannes überzeugt. «In früheren medizinischen Berichten ist das auch so festgehalten worden», sagt er gegenüber dem Regionalsender.

Der Fall ist aber auch brisant, weil die Observation durch Privatdetektive rechtlich als heikel gilt. Im vergangenen Jahr war der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem ähnlichen Fall zum Schluss gekommen, dass die Beobachtung durch Privatdetektive illegal sei. Es könnte also sein, dass die Videoaufnahmen vor Gericht nicht anerkannt werden.

Auch für Oswald eine «delikate Frage». «Zum heutigen Zeitpunkt will ich jedoch nichts dazu sagen», so der Strafverteidiger. Nächste Woche muss sich das mutmassliche Betrügerpaar vor dem Bezirksgericht Baden verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu sechs Jahre Gefängnisstrafe. 

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