Pünktlich treffen die Badener Pontoniere in ihrem Vereinshaus, der alten Badeanstalt Ländli, ein. Die meisten gestandene, kräftige und äusserst erfahrene Mannsbilder. Die braucht es, um das rund zehn Meter lange und 380 Kilo schwere Übersetzboot zu lenken. Darunter aber auch einige noch etwas schmächtige Jungpontoniere, welche den 320 Kilo schweren Weidling pilotieren. Das Originalboot ist breiter und am Ende gerade, dadurch liegt es auch stabiler im Wasser, ist aber deutlich anstrengender und schwieriger zu wenden.

Normalerweise trainieren die Pontoniere zweimal die Woche. Patrick Schmid, der Fahrchef, wie der Trainer heisst, gibt dabei die Übungen vor. Meistens wird ein Parcours gefahren, so wie im Wettkampf. Nur rund fünf Mal pro Jahr treten die Pontoniere zu einem Wettkampf an. Entweder im «Einzelfahren», wo ein Fahrerpaar zusammen den Parcours absolviert oder im «Sektionsfahren», wo eine ganze Sektion gemeinsam mit mehreren Schiffen teilnimmt. Zudem gehört auch noch das Schwimmen als Disziplin dazu.

Denker und Lenker

Pro Weidling oder Übersetzungsboot braucht es zwei Athleten: Der Vordere ist mehr für den Schub und die Geschwindigkeit zuständig, der Hintere mehr für das Steuern. Aber beide müssen ihren Beitrag leisten. Ein guter Pontonier braucht Ausdauer, aber gleichzeitig auch Schnellkraft, zudem eine gehörige Portion Geschicklichkeit. Er muss immer vorausschauen, wie man die Aufgabe angeht, wo man hinfährt und wie früh man lenkt. Und besonders braucht es viel Erfahrung und ein gutes Auge, um das Wasser, die Strömungen, die Fliessgeschwindigkeit und den Wasserstand lesen zu können.

Früher: Ein festlich geschmückter Weidling der Badener Pontoniere auf der Limmat oberhalb der Schiefen Brücke nach Ennetbaden.

Früher: Ein festlich geschmückter Weidling der Badener Pontoniere auf der Limmat oberhalb der Schiefen Brücke nach Ennetbaden.

1893 wurde der Pontonierfahrverein Baden mit acht Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Das Hauptziel des Vereins ist seit den Gründungstagen das gleiche geblieben: Den Mitgliedern den Umgang mit Ruder und Stachel beizubringen, um damit ein Übersetzungsboot oder einen Weidling sicher zu beherrschen.

Mehr Frauen, mehr Junge

Bei den Pontonieren sind fast alle vertreten: Der jüngste Pontonier ist gerade mal zehn Jahre alt, während das älteste Mitglied mit acht Jahrzehnten ein paar Lenze mehr auf dem Buckel hat. «Mittlerweile sind rund zehn bis 15 Prozent der Pontoniere weiblich», freut sich Präsident Roland Flückiger. «Das hat sich erfreulicherweise etabliert», ergänzt der Präsident. Heute sind rund zehn Jungpontoniere und 20 Aktivmitglieder in Baden dabei. Die Anzahl der Mitglieder hat in den letzten Jahren wieder zugenommen.

Am vergangenen Wochenende fand das traditionelle Fischessen der Pontoniere statt. In der alten Badeanstalt kredenzte der Verein in Biermarinade gebackene Felchenfilets und «Pontonierwein». Zum 125-Jahr-Jubiläum steht zudem bald ein Grossanlass auf dem Programm: Am 1. und 2. September werden die Schweizer Meisterschaften der Jungpontoniere in Baden ausgetragen. Es gibt ein Einzelwettfahren der aktiven Pontoniere auf dem anspruchsvollen Parcours zwischen der Sporthalle Aue und der Holzbrücke. Dazu werden am Samstag 237 Boote starten, und am Sonntag stechen 164 Weidlinge in die Limmat.

Damit wird zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder ein Wettfahren in Baden durchgeführt. Nur eine Woche später wird hier das Endfahren des 7ner-Clubs durchgeführt. Dies ist ein Wettfahren, an dem ironischerweise neun Pontoniervereine teilnehmen. Der Programmkalender ist im Jubiläumsjahr also prall gefüllt.