Baden-Dättwil
Kreative Köpfe tüfteln mit Alu-Kunststoff

Erstmals in der Schweiz fand diese Woche ein «Swiss Japan Design Workshop» in der Möbel-Designfirma Glaeser Wogg AG in Baden-Dättwil statt – just zum 150-Jahr-Jubiläum des Handelsvertrags der beiden Länder.

Carolin Frei
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v.l. Martin Weiss, technischer Chef, Jana Weichselmann, Assistentin des CEO und Willi Glaeser
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Kreative Köpfe am Designen
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«Swiss Japan Design Workshop» in Baden-Dättwil
Kreative Köpfe am Designen
Kreative Köpfe am Designen

v.l. Martin Weiss, technischer Chef, Jana Weichselmann, Assistentin des CEO und Willi Glaeser

Carolin Frei

Die hohe Konzentration im Konferenzraum ist förmlich zu spüren. Papier- und Karton-Modelle liegen am Boden und stapeln sich auf den Tischen. Zehn Designer, fünf aus Japan und fünf aus der Schweiz tüfteln an Gegenständen, die sich aus einem speziellen Aluminium-Kunststoff-Verbundmaterial fertigen lassen. Veranstalter und Gastgeber ist der 75-jährige Badener Willi Glaeser, der seit 15 Jahren mit diesem Verbundmaterial experimentiert. Glaeser selber hat sich aus Altersgründen zwar aus dem operativen Geschäft von Glaeser Wogg AG in Baden-Dättwil zurückgezogen, ist aber in anderen Bereichen immer noch aktiv. «Ich war im Vorstand von Ingenious Switzerland». Dieser Verbund hat vom Bund die Aufgabe, sich der Förderung von Exportgeschäften – Architektur, Ingenieurwesen und Design – anzunehmen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, gerade angesichts der aktuellen Euro-Krise, müsse man etwas tun, ist Glaeser überzeugt. So erstaunt denn nicht, dass die Idee zu einem japanisch-schweizerischen Design-Workshop von ihm selber kommt.

Faltbar wie eine Buchseite

Das Ziel des Workshops ist es, einerseits zu neuen Produktideen zu kommen und andererseits auf sich aufmerksam zu machen. «Die Japaner haben viele gleiche Werte wie wir Schweizer. In Sachen Qualität und Exaktheit sind sie jedoch noch extremer als wir», sagt der 75-Jährige, der während gut 20 Jahren regelmässig nach Japan reiste. Zudem bestünde der älteste Handelsvertrag der Schweiz nicht etwa mit einem europäischen Land, sondern mit Japan. Heuer feiert denn auch die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Japan ihr 150-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Grund findet in Tokio aktuell eine entsprechende Ausstellung statt.

Die Aufgabe, die den zehn Designern zu Beginn des Workshops gestellt wurde, ist simpel und anspruchsvoll zugleich. Sie sollen aufzeigen, was mit diesem äusserst leichten, strapazierfähigen, wetterfesten und faltbaren Material alles kreiert werden kann. Es ist leichter als Aluminium und hat den Vorteil, dass es, wie etwa ein Buch, zusammenklappbar ist. Dies haben Carlo Clopath aus Trin und sein Workshop-Kollege Christophe Guberan aus Lausanne noch so gerne aufgegriffen. Sie haben ein Schranktür-Modell entwickelt, das gänzlich ohne Scharniere auskommt. Carlo Clopath ist kein Unbekannter, hat er doch 2014 für seine Kochutensilienkreation den Schweizer Design-Preis geholt. Mit von der Partie sind auch die Japanerin Yoko Yasunishi und ihr Partner Yusuke Hayashi. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, ein spezielles Sitzbank- und Beleuchtungsdesign zu entwerfen. Den beiden, die seit rund 15 Jahren im Designbereich zu Hause sind, macht der Workshop in Baden-Dättwil grossen Spass.

Heute Nachmittag werden alle Designer ihre Kreationen an der internen Präsentation vorstellen. «Ob etwas Brauchbares darunter sein wird, wird sich weisen», sagt Willi Glaeser, der unter anderem für die Schaffung des neuen klappbaren Hockers aus diesem Verbundmaterial, der jetzt in Japan vorgestellt wird, verantwortlich zeichnet. Die zehn Designer hätten keine konkreten Vorgaben bekommen. «Sie waren frei in der Wahl, was sie gestalten möchten.» Falls ein Vorschlag umgesetzt wird, wird der Erfinder selbstverständlich dafür entlohnt. Im Mai findet dann quasi die Fortsetzung des Workshops bei einer Firma in Japan statt – mit der gleichen Besetzung.