Stetten
Krieg in Stetten: Die Gemeinde wird zum Drehort des Films «Chrieg»

Es ist der fünfte Drehtag – noch ist es ruhig auf dem Set. Der Bachmättliweg wirkt wie ausgestorben. Die Aufnahmeleiterin ist die Erste, die sich im Quartier in Stetten einfindet, in dem die Anfangsszenen des Films «Chrieg» gedreht werden.

Stefanie Suter
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Filmdreh in Stetten
3 Bilder
Die Filmcrew (links) ist ganz still, als die Szene mit Matteo (rechts) gedreht wird
Matteo (mitte) und das Baby bereiten sich auf die nächste Szene vor

Filmdreh in Stetten

Alex Spichale

Im Zentrum der Geschichte steht der fünfzehnjährige Matteo, der sein Ritalin nicht schluckt. Mitten in der Nacht wird er von zwei fremden Männern aus dem Bett geholt: Seine Eltern schicken ihn über den Sommer auf eine abgelegene Alp. Dort kommt alles anders als erwartet.

Der Kameramann, der Regisseur und die Regieassistentin sind unterdessen eingetroffen. Sie stehen auf dem Bachmättliweg und besprechen, aus welcher Perspektive die Kamera die nächste Szene einfangen soll. Es ist der erste Langfilm des Basler Regisseurs Simon Jaquemet.

«Zusammen mit dem Kameramann Lorenz Merz haben wir die besten und kreativsten Filmemacher verpflichten können, die zurzeit in der Deutschschweiz zu finden sind», erklärt Oliver Müller. Er ist Marketing- und Medienbeauftragter der Hugofilm Productions, die bereits die Produktion des preisgekrönten Films «Vitus» übernommen hat.

Die Crew ist nun vollzählig und die Schauspieler bringen sich in Position. Gedreht wird draussen. «Dieses Quartier in Stetten eignet sich bestens – es ist neu gebaut und könnte sich überall befinden», erklärt der Produktionsleiter Florian Widmeier die Wahl. «Ausserdem waren die Bewohner einverstanden, ihr Haus zur Verfügung zu stellen und von uns umquartiert zu werden.»

Bei Regen geht es weiter

Das Baby auf dem Set nimmt die ganze Aufregung gelassen: Es gibt keinen Ton von sich. Matteo mit seinen gelbgrün gefärbten Haaren trägt die Baby-Atrappe lässig über seinen Schultern. Je nach Szene wechseln sich das echte Baby und die Puppe als Protagonisten ab.

Jetzt geht es los. Die Regieassistentin ruft: «Ruhe bitte! Und los.» Die Kamera läuft – Matteo und seine Film-Mutter laufen auf der Strasse in Richtung Haus. Im Hintergrund bellt ein Hund, auf der nahegelegenen Hauptstrasse rauscht ein Lastwagen vorbei. «Und cut», ruft der Kameramann am Ende der Szene. Vier Jugendliche besetzen die Hauptrollen. Sie spielen zum ersten Mal in einem Langfilm mit. «Wir haben intensiv mehrere Hundert Jugendliche gecastet», sagt Widmeier.

Es beginnt zu regnen. Die Szene ist bereits mehrmals gedreht worden – der Regisseur ist aber noch nicht zufrieden. Ein Schirm wird aufgestellt, um die Kamera vor dem Regen zu schützen. Im Quartier knattert eine Heckenschere. Anwohner sind keine zu entdecken – sie wurden alle vorgängig über die Dreharbeiten informiert und scheinen nicht stören zu wollen. Sie wurden alle vorgängig informiert. Alle sind wieder in Position: «Ruhe bitte und los» – «Cut».

«Wir sind abhängig von den äusseren Umständen. Regen oder Lärm rund um das Set kann das Filmen beeinflussen – aber trotzdem müssen wir den Drehplan einhalten», erklärt Widmeier. Störende Geräusche im Hintergrund seien meist kein Problem, die könnten rausgeschnitten werden.

«Die Produktionskosten des Films betragen rund 2 Millionen Franken», verrät Müller. Wann «Chrieg» und die Stettner Filmkulisse in die Kinos kommen, wisse er noch nicht: «Irgendwann zwischen Juni und November 2014.»