Die idyllische Häusergruppe am Hahnrainweg unterhalb des Schlossbergs präsentiert sich in neuem Glanz. Während rund neun Monaten sind die vorderen Häuser (Hahnrainweg 2, 4 und 6) aussen renoviert worden, Haus 7 hat man vergangenes Jahr vorgezogen.

Auch das vormals als Lagerhaus benutzte Haus 13 ist wie aus dem Ei gepellt; dort darf der Kultur-Verein Trottamundos weiterhin ein mietfreies Dasein fristen. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein auf dem Kriesi-Areal.

Abgeschnitten und vergessen

Der Hahnrainweg wurde bereits mit dem Bau der ersten Eisenbahn im Jahr 1847 vom Zentrum abgeschnitten. Und seit der Verkehrssanierung in den 1960er-Jahren stellt das Kriesi-Areal auf dem Stadtplan noch den kleinen Zipfel dar, der vom einstigen Gstühlquartier übrig geblieben ist. Die Stadt erkannte zwar auf diesem zentrumsnahen Areal das Entwicklungspotenzial und ordnete es im Jahr 1984 der Kernzone mit fünfgeschossigen Bauten zu.

Trotzdem stufte man es im Jahre 1995 wieder in die Wohn- und Gewerbezone mit drei Geschossen zurück. Das hatte zur Folge, dass bei einer Gesamtüberbauung lediglich noch ein Attikageschoss als viertes Stockwerk möglich gewesen wäre. Als städtebauliches Handicap erweist sich die Bruggerstrasse, die den Hahnrainweg abschneidet und auf Niveau des ersten Geschosses liegt.

Dennoch interessierten sich mehrere Investoren für das zentrumsnahe Areal, als die Schlosserei Kriesi vor rund zehn Jahren ihren Betrieb eingestellt hatte. Die Stadt selber schlug damals ein Kaufangebot aus, das ihr die Besitzerfamilie Kriesi unterbreitet hatte. Mit Heinz Schneider und Bernd Reichert verliebten sich zwei Privatmänner in diesen Ort und schmiedeten dort umgehend Zukunftspläne.

Sie kauften als Konsortium fünf der sieben Häuser am Hahnrainweg gekauft in der Absicht, an diesem Ort in verdichteter Bauweise eine attraktive Überbauung zu erstellen. Der Stadtrat verlangte wegen «der städtebaulich heiklen Lage» einen Architekturwettbewerb. In seinem Antrag an den Einwohnerrat führte der Stadtrat im Jahr 2007 an, dass eine Verdichtung an diesem zentralen, bahnhofnahen Standort sinnvoll sei.

Die Eigentümer liessen im Jahr 2008 das Siegerprojekt weiter bearbeiten. Doch die Vorprüfung beim Kanton ergab im Jahr 2010, dass ein Sondernutzungsplan mit fünfgeschossigen Bauten in der dreigeschossigen Wohn- und Gewerbezone nicht realisierbar sei. Eine Anfrage für eine separate Zonenplanrevision für das Kriesi-Areal beantwortete der Stadtrat abschlägig.

Mit sechs Geschossen abgeblitzt

Reichert und Schneider liessen ihr Vorhaben gründlich durchrechnen. Die Gegenüberstellung der geschätzten Baukosten und der möglichen Verkaufserlöse zeigten, dass sich das Wettbewerbsprojekt nicht einmal kostendeckend realisieren liesse. Mit einer neuen Visualisierung der Joos und Mathys Architekten gelangte das Konsortium nochmals an die Stadt. «Wir fragten an, ob ein Gebäude mit sechs Geschossen, davon fünf über der Bruggerstrasse, möglich sei», erzählt Reichert.

Der Stadtrat antwortete, dass dies städtebaulich unverträglich sei. Es wurden dabei seitens der Stadt auch denkmalpflegerische Aspekte, nämlich eine beeinträchtigte Sicht auf den Schlossberg mit dem Schloss Stein angeführt. Hier werde offenbar mit zwei verschiedenen Ellen gemessen, werfen Schneider und Reichert ein. Ihnen ist es nämlich nicht verständlich, dass auf der andern Seite, an noch exponierterer Stelle, der Bau des sechstöckigen Falkengebäudes möglich gewesen ist.

Das Begehren, im Rahmen der kürzlich durchgeführten Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung das Kriesi-Areal wieder in die fünfgeschossige Kernzone zurückzuführen, haben Stadt und Einwohnerrat abgelehnt. Damit stand für das Konsortium eine Neuüberbauung vorläufig ausser Diskussion.

«Weil die Liegenschaften bewohnbar bleiben sollen, war eine umfassende Renovation unumgänglich», erklärt Reichert. Mehr als eine Million Franken hat das Konsortium nun investiert. Damit ist das Kapital «Überbauung Kriesi-Areal» für die nächsten fünf bis zehn Jahre definitiv zurück in der Schublade.