Baden

Kritik an Hochhaus-Regelung: «Gefahr, dass man Spekulation Vorschub leistet»

Hans Wanner über den Hochhaus-Perimeter: «Das Ausmass des Turms an der Bahnlinie erscheint überdimensioniert.»

Hans Wanner über den Hochhaus-Perimeter: «Das Ausmass des Turms an der Bahnlinie erscheint überdimensioniert.»

Der ehemalige Stadtplaner Hans Wanner stellt sich kritisch zur teilrevidierten Bau- und Nutzungsordnung. etwa zur Hochhaus-Regelung in Baden Nord oder zur Entwicklung in den Quartieren. Diese werde zu stark eingeschränkt, findet er.

Als Stadtplaner hatte Hans Wanner in den 90er-Jahren die Planung von Baden Nord prägend mitgestaltet. Es war ungewiss, wie und was sich auf dem ABB-Areal, das als «Verbotene Stadt» gegolten hatte, entwickeln würde. Sowohl städtebaulich als auch nutzungsmässig wurden in einem diskursiven Verfahren mit allen Beteiligten und Betroffenen (inklusive Bevölkerung) mit einem Entwicklungsrichtplan die Leitplanken gesetzt.

Für Hans Wanner müsste das Leitmotiv heissen: Massvoll und ausgewogen verdichten und sich die Konsequenzen gut überlegen. Er äussert sich kritisch zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Laut Wanner ist eine breite Diskussion jetzt oder mit einer späteren Revision der BNO angezeigt.

Herr Wanner, Schwerpunktthemen der teilrevidierten BNO sind Verdichten, Qualität und Hochhäuser.

Hans Wanner: Die gewählte Strategie balanciert zwischen dem Erhalten der wesentlichen Qualitätsmerkmale und dem Ermöglichen einer massvollen Verdichtung. Vom Grundsatz her ist nichts dagegen einzuwenden. Doch wird meines Erachtens in den Quartieren die Entwicklung eher zu stark eingeschränkt. Auch hier besteht die Möglichkeit, massvoll zu verdichten.

Eingeschränkt wodurch?

Unter anderem mit der Einführung der Grünflächenziffer, mit der Festlegung maximaler Gebäudelängen, durch diverse Ensembleschutzzonen, viele Inventarobjekte und Baudenkmäler. Im Zentrum wird die Verdichtung durch bestimmte Massnahmen stark gefördert.

Auch das Zentrum wird verdichtet.

Durch bestimmte Massnahmen sogar sehr stark. Für die Zentrums- und Kernzonen fallen die grossen Grenzabstände weg. Da wir keine Ausnützungsziffern kennen, muss man sich fragen, ob dadurch Übernutzungen von Arealen entstehen könnten. Es ist eine unscheinbare Lockerung einer Vorschrift, die grundsätzlich sinnvoll sein kann, aber man sollte die Folgen abgeklärt haben. Darum wünschte ich mir hier ein subtileres Vorgehen.

Mit der BNO-Revision wird auch die juristisch umstrittene Regelung für Hochhäuser klarer, so auch für weitere Bauten in Baden Nord.

Die umfassende Festlegung des Hochhausperimeters für die Zone Innenstadt Nord ist es, die mich beschäftigt. Damit schiesst man übers Ziel hinaus. Im Nutzungsplan, der den Unterlagen an die Einwohnerräte beilag, ist dies kaum erkennbar.

Entspricht dies denn nicht mehr dem Entwicklungsrichtplan?

Der Entwicklungsrichtplan für die IN-Zone beschreibt die Gebäudetypologie wie folgt: «Die neuen, nicht industriellen Nutzungen sollen in grossen Hofbauten bzw. Blockrandbauten zusammengefasst werden, um die stadträumliche Prägung des industriellen Quartiers fortzuführen und zu erweitern . . .»

... was mit den Bauten Konnex und Powertower umgesetzt worden ist.

Aber bei der Revision des Entwicklungsrichtplans RP 2009 wurde diese Idee an den Rändern der Zone für die Erstellung von je zwei Hochhäusern bereits durchlöchert.

Dafür gibts ein Hochhauskonzept.

Dem kann man tatsächlich noch zustimmen, und die Idee entspricht dem von Fachleuten erstellten Hochhauskonzept. Das Ausmass des Turms an der Bahnlinie erscheint allerdings aufgrund der Baugespanne ziemlich überproportioniert.

Was spricht gegen die Höhe der beiden geplanten Hochhäuser?

Es geht nicht nur um diese sehr hohen Bauten. Mit dem Hochhausperimeter über die ganze IN-Zone besteht vielmehr die Gefahr, dass man die städtebauliche Entwicklung aus der Hand gibt und der Spekulation Vorschub leistet.

Was wäre die Konsequenz?

Der Entwicklungsrichtplan müsste wieder revidiert werden. Das Problem der Zufälligkeit bei der Etappierung verschärft sich dadurch, dass in dieser Zone eine Maximalnutzung vorgeschrieben ist; irgendwann auf halbem Weg zum «Idealplan» ist der «Vollausbau» erreicht!

Eine hohe Ausnutzung ist an diesem Ort doch erwünscht?

Wenn mit der kommunalen Nutzungsplanung ein hohes Mass an Ausnützung ermöglicht wird, dann wird der nachfolgende Prozess schwierig. Natürlich kann man die Meinung vertreten, der bei Hochhäusern zwingend auszuarbeitende Gestaltungsplan könne alles ins richtige Mass zurückversetzen! Anders: Man gibt einem Grundeigentümer oder einem Investor hohe Erwartungen und bestraft ihn dann mit Einschränkungen im Gestaltungsplanverfahren.

Belohnen statt bestrafen?

Bisher galt stets das umgekehrte Prinzip: Es gibt klar definierte Zonen mit bestimmten Geschosszahlen (zum Beispiel 6- bis 8-geschossig in der IN-Zone) mit der Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen Mehrgeschosse zu realisieren.

Belohnen mit einem Hochhaus?

Belohnen durch das Gestaltungsplanverfahren. An bestimmten Orten könnten auch Hochhäuser bewilligt werden – mit Gegenleistungen für die Mehrausnützung zugunsten des öffentlichen Raumes. Dies gilt auch für die übrigen Hochhauszonen, vorab für die Perimeter mit 70 Meter Gebäudehöhe. Neue Planungsabsichten stehen bevor auf den Arealen Müllerbräu, Post und Axpo. Ein Regulativ für das höhere Bauen ist auch für andere Zonen zu überlegen.

Sie würden sich eine ausgeglichenere Verdichtung wünschen?

Es gibt andere Zentrumszonen, wo es durchaus sinnvoll wäre, eine gewisse Mehrhöhe zuzulassen. Damit würde man ein ausgeglicheneres Stadtbild erreichen. Diese Diskussion muss bei einer späteren Revision zwingend geführt werden.

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