Das Kantonsspital Baden (KSB) ist ab sofort ein sogenanntes Referenzzentrum für Hernien-Chirurgie. Es ist das einzige Spital in der Schweiz, das eine entsprechende Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) erhalten hat. Insgesamt gibt es im deutschen Sprachraum bloss neun Kliniken mit der höchsten Zertifikatsform für Hernien-Chirurgie, wie das KSB mitteilt. Um ein solches Gütesiegel zu erhalten, muss eine Klinik in Bereichen wie beispielsweise OP-Infrastruktur, Fallzahlen, Komplexität der Eingriffe und Qualitätsstandards höchsten Ansprüchen genügen. Ob die vorgegebenen Kriterien erfüllt werden, überprüfen Experten der DGAV jeweils bei einer Inspektion vor Ort.

«Das Zertifizierungsverfahren war äusserst anspruchsvoll. Umso erfreuter sind wir, dass wir die Zertifizierung ohne Auflagen erreicht haben. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit», sagt Professor Antonio Nocito, Direktor des Departements Chirurgie am KSB. Besonders gut schnitt das KSB bei den Komplikationsraten ab, wo es Werte weit unter dem Durchschnitt vorweisen kann. Nocito und sein Team nehmen am KSB jährlich rund 600 Hernien-Operationen vor.

Sehr schmerzhaft für Betroffene

Bauchwandbrüche, wie Hernien auch genannt werden, gehören zu den häufigsten chirurgischen Problemfeldern. Sie entstehen, wenn das Bauchfell – die dünne Hautschicht, die Darm, Leber, Magen, Milz und die innere Bauchwand auskleidet – durch eine Muskellücke aus dem Bauchraum tritt. Durch diesen Bruchsack können Bauchorgane nach aussen beziehungsweise in den Brustbereich gelangen, was für die betroffenen Patientinnen und Patienten sehr schmerzhaft ist.

Um das Problem zu beheben, kommt man in den meisten Fällen nicht um einen chirurgischen Eingriff umhin. Die Hernien-Chirurgie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einer aufgrund ihrer Häufigkeit als Bagatelle angesehenen Operation zu einer wichtigen Subspezialität der Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) entwickelt.

Als Referenzzentrum wird das KSB auch im Bereich Forschung und Lehre eine bedeutende Rolle spielen. Derzeit sind zwei hernienspezifische Studien im Gang, und am 28. November findet eine Weiterbildung für Ärzte statt, an der erstmals laparoskopische Hernieneingriffe live in den Hörsaal übertragen werden. (AZ)