Herr Baumann, im «Tägi» laufen die Bauarbeiten bereits. Haben Sie sich schon einen Bauhelm organisiert, damit Sie am 1. Juni startklar sind?

Marco Baumann: Ich werde sicherlich einen Bauhelm erhalten. Während der Bauphase werde ich wohl oft auf der Baustelle anzutreffen sein. Tatsächlich arbeite ich auch die ersten zwei Jahre in einem provisorischen Büro über der Dreifachturnhalle. Die Decke da ist ziemlich niedrig und ich werde mir vermutlich ein-, zweimal den Kopf anschlagen (lacht).

Sie sind seit 2012 Mitglied der Geschäftsleitung des Eissportvereins Zug (EVZ). Was reizt Sie, nun Geschäftsleiter des «Tägis» zu werden?

Das «Tägi» ist für mich eine Riesenchance. Hier fliesst alles, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, zusammen, sei es Marketing, Verkauf oder Geschäftsleitung. Aber auch Erfahrungen aus früheren Jahren – während meiner Zeit an der Kantonsschule habe ich mir das Feriengeld im Bad Schinznach mit Badreinigung verdient. Von 22 bis 6 Uhr morgens habe ich das Bad auf Hochglanz geputzt. Ich weiss also, was es heisst, die Anlage jeden Tag auf Vordermann zu bringen. Später habe ich im Kurhotel an der Rezeption Leute empfangen. Als Sportlehrer hatte ich mit Schulen zu tun und während des Studiums im Cityhallenbad Zürich Kinderschwimmen unterrichtet. Auch das Vereinswesen kenne ich von meiner Zeit im Fussball. Neu für mich ist, dass ich die Gesamtverantwortung tragen werde, da kann ich mich weiterentwickeln.

Sie haben an der Uni Zürich Betriebswirtschaft studiert. Was hat Sie als Sportlehrer an dem Fach gereizt?

Mich interessierte schon damals der Bereich Sportmarketing. Meine Lizentiatsarbeit habe ich über die Finanzierung von Fussballstadien in der Schweiz geschrieben. Damals war der St. Jakob-Park in Basel und das Stade de Suisse in Bern gerade sehr aktuell. Das Fussballstadion «AFG Arena» in St. Gallen war im Bau, andere waren in Planung.

Beste Voraussetzungen also, um in diesem Bereich einen Job zu finden.

Ja, ein Jahr vor Eröffnung konnte ich bei der «AFG Arena» in St. Gallen einsteigen, das Sponsoringkonzept erarbeiten und die Vermarktung aufbauen.

Letztlich hat Sie der FC St. Gallen aber nicht halten können. Und Sie wechselten zum EVZ.

Nicht ganz, es waren vor allem familiäre Gründe, die mich und meine Frau wieder in den Aargau nach Seengen zogen. Wir fühlen uns sehr wohl hier und Wettingen ist mit dem Auto nur 25 bis 30 Minuten entfernt.

Sie haben sich gegen 76 Mitbewerber behauptet, als Sie sich für die Stelle als «Tägi»-CEO beworben haben. Womit haben Sie die Verwaltungsräte überzeugt?

Das müssten Sie den Verwaltungsrat fragen. Aber ich denke, ausschlaggebend waren meine Erfahrungen im Bereich Marketing. Das hat dem «Tägi» in den letzten Jahren etwas gefehlt und wird bei der selbstständigen AG noch wichtiger sein.

Wie sieht dieses Marketing aus?

Ein zeitgemässer Webauftritt und ein neues Branding haben sicher Priorität, denn da hat das «Tägi» noch Luft nach oben. Wie weit wir bei der Vermarktung gehen wollen, wird sich im Prozess zeigen. Das «Tägi» ist ein pulsierender Ort und zur Vermarktung gehören für mich unter anderem auch Partnerschaften mit Firmen, Medien und Eventveranstaltern.

Heisst das, Sie wollen die Anlage mit Werbebannern einkleiden?

Im Werbebereich kann man sicher mehr machen. Aber nein, es gibt verschiedene Bereiche. Dazu gehören auch die Lieferrechte. Beispielsweise, welche Glace oder welche Getränke man im «Tägi» wird kaufen können. Da gibt es Hersteller, die hier gerne präsent wären oder in dezentem Mass werben wollen. Weiter wollen wir das «Tägi» noch stärker nach aussen tragen und beispielsweise einem breiteren Publikum für Firmenevents vorstellen.

Das «Tägi» soll also über die Region hinaus noch bekannter werden?

Das Wichtigste ist sicher die regionale Verwurzelung, aber das «Tägi» ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Daher kann die Vermarktung überregional sehr spannend sein und man kennt die Anlage beispielsweise auch in Zug.

Eine neue Anlage weckt immer auch Begehrlichkeiten . . .

. . . Auf jeden Fall. Diese Bedürfnisse aneinander vorbeizubringen, wird sicher eine besondere Herausforderung. Ich weiss, dass da bereits einige Wünsche geäussert wurden und Gespräche am Laufen sind. Da braucht es einen guten Austausch. Im Sinne der Sache müssen wir versuchen, das Bestmögliche zu realisieren.

Da dürften bei einigen Wettinger Steuerzahlern die Alarmglocken schrillen. Das Baubudget zu überschreiten, ist gerade beim «Tägi» mit seiner Vorgeschichte ein No-Go.

Klar, es ist eine riesige Herausforderung bei solch grossen Projekten, im Rahmen des Baukredits zu bleiben. Natürlich sind die meisten Eckpfeiler bereits gesetzt. Aber jetzt kommen immer mehr die Details zur Sprache. Beispielsweise welches Kassensystem wir nutzen werden oder welche Garderobeneinrichtungen verbaut werden oder ob beispielsweise die Regale der Schlittschuhvermietung beheizt und belüftet werden.

Wie wollen Sie all diesen Begehren gerecht werden?

Das wird wohl leider nicht möglich sein. Jeder hat seine eigene Optik und seine eigenen Prioritäten und Bedürfnisse. Da müssen wir Prioritäten setzen und entscheiden, was im Sinne des Ganzen und für den Betrieb des «Tägis» die beste Lösung ist.

Das «Tägi» ist das Aushängeschild von Wettingen, ein Generationenprojekt, in dem sehr viel Herzblut steckt. Haben Sie keine Angst, dass Sie die Erwartungen der Bevölkerung nicht erfüllen?

Nein, das macht mir keine Angst. Ich sehe es als Herausforderung. Bei den Sportclubs, bei denen ich gearbeitet habe, steckt auch viel Herzblut drin und die Arbeit ist vergleichbar mit dem «Tägi». Mir macht es Spass, die Leute für etwas zu begeistern, und das ist beim «Tägi» entscheidend. In Wettingen gibt es viele Vereine, welche sich in Sport und Kultur engagieren. Diese gilt es abzuholen und einzubeziehen, damit dann auch das neue «Tägi» richtig zum Leben erweckt werden kann.

Apropos Herzblut: Was überwiegt, die Vorfreude auf das «Tägi» oder die Wehmut, den EVZ hinter sich zu lassen?

Ich denke, das hält sich die Waage. Im Moment bin ich beim EVZ noch voll drin, schliesse noch Verträge ab und ebne meinem Nachfolger den Weg. Wir haben ein super Team aufgebaut. Ich freue mich aber auch auf die künftigen Mitarbeiter, die ich teilweise schon kennen gelernt habe. Man spürt, dass die Leute mit der Anlage verbunden sind. Ich wurde auch mit Wohlwollen aufgenommen.

Als Verwaltungsratspräsident wird Gemeindeammann Roland Kuster Ihr neuer Chef sein. Haben Sie zusammen schon ein Bier getrunken?

(Lacht) wir waren vor dem Spatenstich zusammen mit dem Verwaltungsrat und der Bauverwaltung beim Mittagessen. Die Leute sind offen und freuen sich auf die Zukunft. Spätestens bei der Eröffnung der Anlage werden wir sicher anstossen.

Sie haben das «Tägi» bisher noch nie genutzt. Werden Sie nun zum Schwimmer oder Saunagänger?

Auf jeden Fall werde ich regelmässig schwimmen gehen, wenn das Hallenbad fertig ist. Das ist ein guter Ausgleich zum Büroalltag, den ich heute schon pflege. Ansonsten spiele ich gerne Tennis und jogge. Die Sauna ist weniger etwas für mich, da mir Sport besser hilft beim Ausgleich.

Also lieber im Winter aufs Eis?

Unbedingt. Mit meiner Vergangenheit beim EVZ habe ich eine grosse Verbindung zum Eishockey. Der EVZ arbeitet übrigens auch mit den Argovia Stars bei der Nachwuchsförderung und dem -austausch zusammen und da sind die Junioren von Wettingen auch dabei.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Am meisten freue ich mich auf die Eröffnung, wenn nach langer Bauzeit die ersten Gäste die neue Anlage betreten können. Auf diesen Tag werden wir die nächsten zwei Jahre hinarbeiten. Ich freue mich aber ebenso auf die Bauzeit. Da werde ich viel dazulernen können. Wir sind auch privat gerade am Bauen.

Sie pendeln also von Baustelle zu Baustelle?

So gesehen ja. Und ich finde es sehr spannend, solche Projekte zu gestalten und ins Ziel zu bringen.

Und wo werden Sie letztendlich Ihr Büro haben, wenn das «Tägi» im Ziel ist?

Dort, wo sich heute die Küche befindet, mit Blick auf den Eingang. Ich werde also die Eintritte zählen können und sehen, ob wir im Plan liegen (lacht).