Plakate sind allgegenwärtig. Kaum jemand fragt sich, ob die Produkte und Veranstaltungen, die auf den Aushängen beworben werden, überhaupt real sind.

In seiner neuen Ausstellung «World 2.0» hat Roman Hofer 20 Kunstplakate gestaltet, die den Betrachtenden zum Nachdenken über Fiktion und Realität anregen.

Wunderschöne Welten gaukeln einem die Feriensujets im Retrolook der Fifties vor, die der Künstler dem Publikum in seiner Galerie am Fluss in Ennetbaden präsentiert.

Japan lockt mit einer Geisha, Kirschblüten und Tempeln; die Bahia Blanca in der Karibik verführt mit Palmblättern, Segelschiff und Meer; Indien wird durch eine Tänzerin und dem stark abstrahierten Taj Mahal beworben.

Nixen von der Badenfahrt

Hofer spart nicht an Klischees, mit denen er eine heile Welt darstellt, die es so gar nie gab. Jeder der Aushänge ist mit einem knackigen Slogan versehen.

Das Afrikaplakat mit der Oryxantilope verspricht Abenteuerlustigen: «Visit the heart and soul of nature and your wildest dreams come true».

Auch Baden wird im Retrostil beworben. Unter den Lettern «Quelle der Lebensfreude» sieht man vor dem Stadtturm zwei fidele Nixen, die aus ihren Füllhörnern Wasser in ein Becken giessen. Ein Wink auf das projektierte Botta-Bad? «Ja», sagt Hofer und fügt hinzu, «die Meerjungfrauen habe ich von einem Badenfahrt-Plakat von 1977 übernommen.»

Je länger man die Illustrationen von Hofer anschaut, desto mehr Fragen tun sich auf. Denn der Kreative vermischt seine Fantasien mit real existierenden Elementen. Die Namen der chinesischen Schauspieler beim Film-Plakat «Rise of the Dragon Queen» sind beispielsweise echt; die angegebenen Websites, Ausstellungshäuser, Modelinien, Filmstudio-Signete und so weiter etwa auch? Was ist wahr, und was nicht?

Die Neugier, den Dingen auf den Grund zu gehen, wird geweckt. Die 20 Motive, die der einstige Grafiker und heute freischaffende Künstler alle am Computer hergestellt hat, sind der Anfang einer fortlaufenden Serie.

Wie es der Titel der Ausstellung «World 2.0» besagt, beabsichtigt der Ennetbadener Galerist mittels EDV eine komplette fiktive Welt erschaffen, die aber immer gewisse Bezüge zur Realität hat.

«Ich will künftig alle 14 Tage ein neues Motiv gestalten», stellt Hofer in Aussicht, «dabei lasse ich auch aktuelle und bisweilen kritische Themen einfliessen.» Jedes Plakat wird in einer nummerierten Serie à 100 Exemplaren gedruckt. Ungerahmt kommt ein Werk auf 200 Franken zu stehen, gerahmt und verglast auf 300 Franken. Das ganze Projekt von Roman Hofer wird in Kürze auf www.tinglix.com aufgeschaltet sein.

«World 2.0»: Galerie am Fluss, Roman Hofer, Limmatauweg 18d, Ennetbaden. Öffnungszeiten auf Anfrage, Tel. 079 642 33 64, info@romanhofer.ch.