Eine Kuh leckt ganz genüsslich ihr Kälbchen. Fast in ihrer natürlichen Grösse steht sie da. Das Fell möchte der Betrachter am liebsten streicheln - so echt sieht es aus. Dabei handelt es «nur» um ein Bild. Acryl auf Leinwand. Vera Käufeler, die Erschafferin des Werks, sieht sich dabei eher als Handwerkerin, denn als Künstlerin.

Ein anderes Bild zeigt ein Hundebaby. Das Fell, die feuchte Nase, die Pfoten, die Ohren. Man möchte meinen, es sei echt. So lebensnah sind die Details gemalt. Vera Käufeler malt Pferde, Ziegen oder auch Katzen so naturalistisch, als seien es Fotos. «Good Friends» - ihre guten Freunde hängen derzeit im Gemeindehaus von Ennetbaden.

Haarige Sujets mit dem Pinsel

Liebend gern malt sie Tiere. «Meine haarigen Pinsel sind das ideale Werkzeug für haarige Sujets», sagt sie. Schon als Kind - Käufeler hat Jahrgang 1956 - hatte Vera Käufeler die Welt der Farben kennen gelernt. Ihre Mutter malte ebenfalls. Oft lag zu Hause der Geruch von Ölfarben in der Luft. Das Talent hatte die Tochter wohl geerbt - aber vorerst nicht gelebt. Nach der Schulzeit absolvierte sie zunächst eine pädagogische Ausbildung.

Vera Käufeler ist verheiratet und hat vier Kinder. Nach der Babypause nahm sie ein 50-Prozent-Pensum als Lehrerin an der Primarschule in Wettingen an. Auf die Idee, ihr Talent umzusetzen und zu malen, kam sie vor 8 Jahren, als die jüngste Tochter mit 16 Jahren langsam flügge wurde. Es war Zeit für einen Wechsel. Sie besprach sich mit ihrem Mann und kündigte ihre Stelle als Lehrerin, um fortan nur noch zu malen.

Zunächst besuchte sie verschiedenste Kurse an der Hochschule der Künste in Zürich. Sie setzte sich intensiv mit dem zeichnerischen Handwerk auseinander, malte Porträts und Akte. Und Käufeler ging hinaus in die Natur, um zu malen - zum Beispiel in die alte Trotte in Wettingen. Sie genoss diese Phase des Ausprobierens. Nach einem Jahr durfte sie ihre erste Ausstellung bestreiten: in ebendieser Wettinger Trotte, zum Winzerfest. Es folgten zahlreiche weitere Ausstellungen. «Wenn man Bilder malt, muss man früher oder später damit an die Öffentlichkeit», sagt sie, «es bringt ja nichts, sie im Keller zu lagern.» Trennungsschmerz kenne sie nicht, «es gibt ja wieder Platz für neue Bilder», sagt sie.

Aktuell steht Venedig im Fokus

Zurzeit arbeitet sie an einer Serie mit Sujets aus Venedig: Die Gondolieri, das Licht auf den Wellen und die Schiffe. «Freunde von uns führen ein italienisches Restaurant in Ägypten. Da fragte mich der Wirt eines Tages, ob ich ihm die Wände verschönern würde», das Thema packte sie und nun ist sie schon an der zweiten Serie mit Gondeln. «Wenn ich male, will ich immer reduzieren», sagt sie, «deshalb male ich am liebsten mit ganz groben Borstenpinseln.» Auch die Wahl des Sujets ist Reduktion. Da malt sie zum Beispiel nur einen Ausschnitt eines Bildes, den Strohhut eines Gondoliere etwa, und das bunte Band, das daran befestigt ist. Oder aber einzig das Auge und das Ohr einer Kuh.

Die Ausstellung im Gemeindehaus Ennetbaden dauert noch bis zum 28. September 2012. Ihr Atelier hat Käufeler in einer Ecke im Blumengeschäft Widmer an der Seminarstrasse in Wettingen eingerichtet. Besuche am besten mit telefonischer Voranmeldung unter den Nummern 0564271431 oder 0796309247.