Mellingen
Kultur in Gemeinde wird neu ausgerichtet – Mellinger sollen nicht in Städte gehen

Der Kulturkreis feiert dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Ein Anlass, an dem auch über die Zukunft der Kultur in Mellingen nachgedacht wird.

Carolin Frei
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Sie fördern Kultur (von links): Flavia Humbel (ehemalige Kassierin), Sven Forss (Präsident) und Elfriede Jakob (ehemalige Präsidentin).

Sie fördern Kultur (von links): Flavia Humbel (ehemalige Kassierin), Sven Forss (Präsident) und Elfriede Jakob (ehemalige Präsidentin).

«Wir haben früher für unsere Veranstaltungen immer wieder einen anderen Platz gesucht. Einmal waren wir im Altersheim, haben dort auf Liegestühlen einem Hörspielabend – zusammen mit einem Redaktor von DRS 2 – gelauscht», sagt Elfriede Jakob. Sie zeichnete von 1994 bis 2001 als Kommissionspräsidentin des Kulturkreises Mellingen für das Programm mitverantwortlich.

Sie habe diese Tätigkeit geliebt, aber der zeitliche Aufwand wurde ihr, nebst dem Beruf, irgendwann zu viel. Ähnlich erging es der Kassiererin Flavia Humbel, die während zwölf Jahren die Finanzen im Griff hatte. Sie war es auch, die die Geschichte des Kulturkreises in Zusammenarbeit mit Ehemaligen zusammentrug und archivierte. «Zu Beginn gab es weder Protokolle von den Kommissionssitzungen noch irgendwelche Abrechnungen», sagt Humbel. Das habe das Recherchieren nicht gerade einfach gemacht. Aber dank der säuberlich aufgearbeiteten Geschichte wurde der Kulturkommission vom Aargauer Kuratorium, dem Migros Kulturprozent und von Pro Argovia eine finanzielle Unterstützung zugesprochen.

Im Oktober 1963 gegründet

Erstmals kam die Idee der Bildung einer Kulturkommission am 22. Januar 1963 aufs Tapet. Die FDP richtete sich damals mit ihrem Anliegen an den Mellinger Stadtrat. Gegründet wurde der Kulturkreis – als parteiunabhängige Institution – schliesslich im Oktober 1963. Die Leitung oblag der Bezirkslehrerin Silvia Holliger, mit im Boot war auch Adolf Nüssli, Verleger des «Reussboten». Im ersten Kulturkreis-Programm waren vor allem Vorträge über ferne Länder oder zu Erziehungsfragen ein Thema. Einen finanziellen Zustupf von der Gemeinde gab es erstmals 1965.

«Eigentliche Renner des Kulturkreisprogramms waren über viele Jahre die Reisen, die Otto Müller jeweils organisierte», sagt Elfriede Jakob. Er sei dafür bekannt gewesen, alles bis ins kleinste Detail zu planen und dadurch die Reisen zu unvergesslichen Erlebnissen werden zu lassen. «Davon schwärmen die Mellinger noch immer.» Aber auch die Neujahrskonzerte und Stadtführungen seien sehr beliebt – und dies bis heute. Ein weiteres Highlight, das 1991 von der Mellinger Ständerätin Christine Egerszegi ins Leben gerufen wurde, war die «Städtlichronik», die zu Beginn von Mitgliedern der Kulturkommission verfasst wurde.

Bewährtes wird beibehalten

Das Bewährte wolle man auch künftig pflegen, sagt Sven Forss, der seit 2005 das Amt des Präsidenten innehat. So stehen im neuen Programm nebst Vorträgen und einer Städtliführung auch ein Open Air mit Marco Zappa oder eine Matinee mit den Aarauer Turmbläsern. Auch für Comedy ist gesorgt mit Singtonic.

Bereits angedacht ist, dass das kulturelle Leben in Mellingen künftig eine Neuausrichtung erfahren soll. Die Ressourcen des Forum Stadtscheune, des Kulturkreises und der Städtliführer zu bündeln, könnte Thema werden. Sven Forss: «Das Gemeindeleben muss ansprechend gestaltet sein, damit alle Mellinger, vom Alteingesessenen bis zum Neuzuzüger, sich zu Hause fühlen. Aus meiner Sicht sind das auch klare Vorgaben für ein Kulturkonzept.» Der Kulturkreis will nicht, dass die Mellinger für kulturelle Anlässe in die nahen Zentren gehen müssen: «Die Bevölkerung soll Kultur in all ihren Facetten auch in Mellingen geniessen können.»

Weitere Informationen: www.kulturkreis.ch

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