Hans Hofmann
Kultur-Streit im «Team Baden»: Kritik an Fraktionspräsidentin

Die Aussagen von Nadia Omar schadeten der Glaubwürdigkeit der Partei, sagt «Team»-Gründer Hans Hofmann.

Pirmin Kramer
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Hans Hofmann. SAN

Hans Hofmann. SAN

Sandra Ardizzone

Das Konzertlokal «Nordportal» soll keine Subventionen mehr erhalten, aus dem ehemaligen Kino Royal wird ein Baustellenbüro, und die Trotamundos-Bar hatte gestern Abend letztmals geöffnet: In Baden wird angesichts dieser Nachrichten die Frage diskutiert, welchen Stellenwert die Kultur in der Stadt noch geniesst.

Auch Nadia Omar, Fraktionspräsidentin des «Team Baden» – der links-liberalen Partei, die sich in den vergangenen Jahrzehnten stets für die Anliegen der Kultur einsetzte – hat sich zur Debatte geäussert. Sie schrieb im «teamblatt», das diese Woche an alle Badener Haushalte verteilt wurde: «Das kulturelle Angebot von Baden bleibt ein Publikumsmagnet und wurde mit dem Jugendlokal ‹Werkk› weiter bereichert.»

Nadia Omar.

Nadia Omar.

burger@medienfutter.ch

«Reiner Hohn und Spott»

Diese Zeilen sorgen in den eigenen Reihen für Unverständnis. Hans Hofmann, Gründungsmitglied des Teams im Jahr 1967 und älterer Bruder von SP-Regierungsrat Urs Hofmann, schrieb der Parteileitung am Donnerstag: «Die Aussagen der Fraktionspräsidentin sind reiner Hohn und Spott in der Zeit, in der das Royal und das Nordportal ihrem Ende entgegensehen müssen und andere Kulturinstitutionen unter Kürzungen ächzen.» Der Beitrag sei vielleicht als Satire gedacht, sicher aber völlig daneben, schreibt Hans Hofmann.

Er liess sich in der Mail gar zu einer Aussage hinreissen, von der er sich inzwischen teilweise wieder distanziert: «Eine Person, die sich so äussert, ist als Fraktionspräsidentin untragbar. Ich erwarte vom Team entsprechende Massnahmen und bin schwer enttäuscht, dass ein solcher Beitrag überhaupt veröffentlicht wird», schrieb er.

Nadia Omar erklärt auf Anfrage: «Es handelt sich selbstverständlich nicht um Satire. Ich habe den Beitrag geschrieben, noch bevor die neusten Entwicklungen von Royal und Nordportal bekannt wurden. Der Zeitpunkt der Publikation ist äusserst unglücklich.» Ihre Hauptaussage bleibe aber dieselbe: «In Baden lässt es sich toll leben, trotz einiger Wolken am Himmel. Andere Parteien behaupten, die Stadt stagniere, dieser Meinung bin ich nicht. Gerade kulturell hat Baden von allen Städten und Gemeinden in der Region nach wie vor mit Abstand am meisten zu bieten. Zudem hat die Stadt ein gutes Kulturleitbild.»

Iva Marelli, Co-Präsidentin des Teams, antwortete Hans Hofmann: «Es gab einige unglückliche Überschneidungen zwischen dem Verfassen der Artikel, dem Druck des ‹teamblatts› und dem Versand mit Promopost.» Das Team sei über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Kultur ebenfalls unglücklich. Nichtsdestotrotz sei die Botschaft im Beitrag «Baden – und es bewegt sich doch» sehr wichtig: «Die links-grüne Mehrheit in der Exekutive hat sehr viel bewirkt und dies sollte mit diesem Artikel hervorgehoben werden.»

«Ungeschickte Schönrederei»

Hans Hofmann sagt: «Meine Aussage, die Fraktionspräsidentin sei nicht tragbar, war anmassend. Aber ich bleibe dabei: Der Beitrag im ‹teamblatt› ist ungeschickte Schönrederei. Er schadet der Glaubwürdigkeit unserer Partei, die sich stets für die Kultur eingesetzt hat.» Die Behauptung, es gebe in Baden eine kulturelle Bereicherung, sei falsch. «Tatsache ist leider, dass die Kleinkultur in Baden immer weniger gepflegt wird. Darum bin ich auch nicht einverstanden mit der Behauptung, die links-grüne Mehrheit in der Exekutive habe viel bewirkt.» Zuletzt schlägt er versöhnliche Töne an: «Meine Verbundenheit zur Partei ist gross, deshalb werde ich Geri Müller als Stadtammann und Ruth Müri als Stadträtin wiederwählen.»