Von Freitag bis Sonntag feiern Elisabeth Seiler und Bert De Raeymaecker ein Abschiedsfest in ihrem Kulturcafé C4T mit allen Künstlern, die jemals bei ihnen zu Gast waren. Die Enttäuschung darüber, dass sie das schöne Altstadt-Lokal an der Kronengasse 4 nach zwei Jahren räumen müssen, hat sich gelegt: Denn sie haben bereits wieder neue Räume im Torre-Hochhaus gefunden, in denen sie mit ihren kulturellen Aktivitäten weiterfahren können.

«Ende 2014 erhielten wir die Nachricht, dass wir raus müssen. Zuerst waren wir geschockt», erzählt De Raeymaecker. Gemäss seinen Angaben möchte die Vermieterin wieder eine Tagesstruktur mit Büros im Altstadthaus, weshalb sie bereits einem Verlag den Zuschlag gegeben hat. Irgendwelche Klagen oder Lärmemissionen habe es nicht gegeben, meint Seiler zu möglichen Ursachen für die Kündigung.

Aber sie will nicht lamentieren, sondern nach vorne schauen. «Wir mussten den Entscheid akzeptieren. Jetzt stecken wir unsere Energie und Kreativität in das neue Lokal», sagt die Schauspielerin. Nachdem die Bewilligung für die Umnutzung da ist, steht dem Umbau des ehemaligen Lagerraums im Torre-Hochhaus zu einem Kulturcafé nichts mehr im Wege. So romantisch wie an der Kronengasse ist das Ambiente zwar nicht. Dafür zentraler und urbaner. De Raeymaecker ist von Beruf Bühnenbildner und will aus dem zukünftigen Domizil wieder etwas ganz Besonderes machen. Im Chriesiareal freue man sich auf die kulturelle Bereicherung, betonen die beiden.

15 000 Franken haben Seiler und De Raeymaecker budgetiert für Boden, Infrastruktur und Mobiliar am neuen Standort. Bereits 9000 Franken davon sind durch Sponsoring und Gönner gedeckt. Der Rest soll mittels Kollekte am Abschiedsfest zusammenkommen. Dank einer Crowdfunding-Aktion ist auch die Miete für das erste Spieljahr gesichert. «Der Support für unser Kulturcafé ist riesig», freut sich Seiler und fügt hinzu, «wenn nicht so viele Leute hinter uns gestanden wären, hätten wir nicht weitergemacht».

Kleiner Seitenhieb zum Schluss

Eröffnet wird das Kulturcafé an der Rütistrasse 3a in Baden Anfang August 2015. Vorerst soll aber in den Räumen an der Kronengasse 4 nochmals gebührend Abschied gefeiert werden mit Lesungen, Konzerten, Theater, Zauberei und vieles mehr. Vom 10. bis 14. Juni bringen Seiler und De Raeymaecker dann als allerletzten Akt im alten Ambiente ihre siebte Eigenproduktion auf die Bühne. Sie heisst «Mit uns ist gut Kirschen essen», frei nach Anton Tschechows Tragikkomödie «Der Kirschgarten». Im Stück geht es um die unnötige Vernichtung von etwas sehr Schönem. Das kann man durchaus auch als kleinen künstlerischen Seitenhieb auf die jetzige Situation werten.