Baden
Kulturclub Royal: Zurück in die Zukunft der Stummfilme

Science-Fiction-Stummfilme aus den Jahren 1916 bis 1927 werden im Royal live vertont. «Exzess mit nur Filmen» ist das Ziel des Gesamtkunstwerkes.

Corinne Rufli
Merken
Drucken
Teilen

«Ich liebe Stummfilme. Ich finde es spannend, wie man Geschichten erzählen kann, auch ohne gesprochene Worte», sagt Pablo Assandri vom «Institut für incohärente Cinematographie». Der Zürcher Filmfreak bringt vier Science-Fiction-Stummfilme aus den Jahren 1916 bis 1927 mit Live-Vertonung in den Kulturclub Royal.

Motto: «Lo-Fi-Sci-Fi»

Sein Institut fördere das Ansehen des Stummfilmes sowie dessen Vergegenwärtigung in Form von Live-Vertonungen. «Wir haben uns in diesem Jahr ganz der frühen Science Fiction verschrieben. Das ironische Motto «Lo-Fi-Sci-Fi», Low Fidelity Science Fiction, soll auf die Geschichtlichkeit jeglicher Zukunftsvision verweisen», erklärt Assandri.

«Wir zeigen alte Zukunftsfilme und aktualisieren sie durch die Vertonung durch junge Musikerinnen und Musiker», sagt Assandri. Dadurch gebe es einen Austausch von Vergangenheit und Gegenwart. Das Schöne an Stummfilmen sei, dass man sie vertonen könne. «Wir bringen das Spektakel zurück in den Film. Wir inszenieren den Film.»

Ein Komet rast auf die Erde zu

Für die Musiker sei es ein neues Erlebnis, nicht mehr im Mittelpunkt, sondern neben der Bühne zu stehen. «Die Partitur ist durch den Film bereits vorgegeben», sagt Assandri.

Die Band Evelinn Trouble & Television Religion wagt sich an den dänischen Stummfilm «Verdens Undergang» von 1916. Im Film rast ein Komet auf die Erde zu, die Aktienkurse sausen in die Tiefe. Opportunismus, Klassenkampf und Apokalypse vermengen sich mit stolpernden Beats und brachialen Bassläufen. Evelinn Trouble besingt die Widersprüchlichkeiten der humanen Existenz. Der Weltuntergang wird live vertont. «Evelinn Trouble vertont diesen Film nicht zum ersten Mal», sagt Assandri. «Aber jede Vertonung ist wieder anders.»

Neben «Verdens Undergang» werden auch der erste abendfüllende Weltraumfilm «Himmelskibet» von 1918 gezeigt, das Böse im Menschen in «Dr. Jekyll and Mr. Hyde» (1920) und Fritz Langs Zukunftsstadt «Metropolis» von 1927. «Es geht aber nicht nur um Filme und Musik, sondern auch um performative Kunst und Licht», erklärt Assandri. Der Abend im Royal soll ein Gesamtkunstwerk werden.

Zwergmarathon von Stummfilmen

Pablo Assandris erklärtes Ziel ist der Exzess. Im Royal werden «nur» vier Filme hintereinander gezeigt, was bis etwa 3 Uhr morgens dauern wird. Assandri nennt das «Zwergmarathon.» Noch lieber mag der 34-Jährige mehrtägige Filmmarathons. Letzten November hätten sie gar 40 Science-Fiction-Stummfilme an drei Nächten nacheinander gezeigt. «Oft bekommt man nur ein Häppchen, bei uns bekommt man mehr als man schlucken kann», sagt der Zürcher.