Baden
Kündigungen und herbe Einbussen – Badener Wirte und Hoteliers : «Ein Lockdown wäre besser»

Gastronomen aus der Stadt Baden erzählen, wie sich die derzeitigen Corona-Massnahmen auf ihr Geschäft auswirken. Und was ihnen lieber wäre in der jetzigen Situation.

Cristina Wenzinger und David Rutschmann
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Stefan Bütikofer weiss nicht, ob er seine Rossini Bar & Lounge noch kostendeckend führen kann. Ihm fehlen 50 Prozent des Umsatzes.

Stefan Bütikofer weiss nicht, ob er seine Rossini Bar & Lounge noch kostendeckend führen kann. Ihm fehlen 50 Prozent des Umsatzes.

AZ-Archiv/Alex Spichale

«Die neuen Massnahmen sind eine Katastrophe für mich», sagt Stefan Bütikofer von der Rossini Bar & Lounge. Seit vergangener Woche gilt: Tischbegrenzungen auf vier Personen, Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr, Maskenpflicht, wenn nicht gerade gegessen, getrunken oder geraucht wird. Die jüngsten Massnahmen des Bundes sollen die Coronapandemie eindämmen – und schränken die Gastwirte in Baden erheblich ein.

Bütikofers Raucherbar an der Haselstrasse macht die Hälfte ihres Umsatzes zwischen 23 und 2 Uhr nachts – dieser fällt wegen der Begrenzung der Öffnungszeiten bis 23 Uhr nun weg. «Am Sonntag war hier tote Hose. Es steht aktuell in den Sternen, ob unser Publikum sich an die geänderten Öffnungszeiten anpasst oder ob wir überhaupt kostendeckend arbeiten können», so der Wirt.

Eine Kündigung habe es bereits gegeben, das Personal hat schlicht keine Arbeit. «Alain Berset sagt den Leuten, sie sollen zu Hause bleiben und Homeoffice machen. Gleichzeitig bleiben die Beizen auf – aber mit was sollen wir Umsatz machen, wenn die Leute daheim bleiben? Hier geht es nur darum, dass niemand für den zu erwartenden Schaden aufkommen muss», ärgert sich Bütikofer.

Ein Lockdown wäre finanziell gar die bessere Situation: So könnte das «Rossini» Unterstützungsleistungen beziehen, auf die es aktuell keinen Anspruch hat.

Das «Du Parc» im Badener Römerquartier. (Archivbild)

Das «Du Parc» im Badener Römerquartier. (Archivbild)

Sandra Ardizzone

Hotel Du Parc: 10 Prozent des Personals seit März gekündigt

Im Hotel Du Parc an der Römerstrasse kommen hauptsächlich Geschäftsleute unter. «Wir sind abhängig davon, ob die Unternehmen weiterhin Geschäftsreisen buchen. Seit die Schweiz auf der deutschen Risikoliste steht, schneien Absagen rein», erzählt Personalleiter Andreas Meier.

Zwar passe das Hotel sein Schutzkonzept Woche für Woche an, aber gerade im Restaurant spüre man, «dass die Leute von den Massnahmen abgeschreckt sind. Die Beschränkungen sind nämlich nur eine Seite der Medaille. Das Risikoempfinden in den Köpfen der Menschen die andere», so Meier. Das Hotel Du Parc bietet zwar spezielle Take-away-Gerichte an, aber das sei «nur ein Tropfen auf den heissen Stein». Seit Beginn der Coronapandemie sei es zur Kündigung von etwa zehn Prozent des Personals gekommen, sagt Meier. Die gesamtbetriebliche Kurzarbeit besteht seit Mitte März.

Die Brüder Patrik Erne, links, und Silvio Erne führen zusammen das Atrium-Hotel Blume im Badener Bäderquartier

Die Brüder Patrik Erne, links, und Silvio Erne führen zusammen das Atrium-Hotel Blume im Badener Bäderquartier

Alex Spichale

Auch das Atrium-Hotel Blume am Kurplatz in Baden reagiert auf die neuen Coronamassnahmen. Bis auf weiteres ist das Restaurant, ausser sonntags, nur noch am Abend offen. Somit bieten die Gastgeber keinen Mittagstisch mehr an und konzentrieren sich auf das Abendgeschäft. «So ist es uns möglich, die Mitarbeitenden nur zu 50 Prozent in die Kurzarbeit zu schicken», sagt Hotelier Patrick Erne. Stellen wolle man allerdings keine abbauen: «Unser Ziel ist es, dass wir unsere langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle halten können.»

Doch auch für das Hotel sind die Massnahmen nicht so leicht wegzustecken. Er sagt:

Man merkt, dass die Leute zurückhaltender sind.

In letzter Zeit seien bei ihnen weder Buchungen für Hochzeiten, Seminare noch Weihnachtsessen eingegangen. Buchungen werden grösstenteils storniert. «Die Leute schätzen dafür umso mehr, dass sowohl unser Restaurations- wie auch der Spa-Bereich keine Massenprodukte sind», sagt Erne.

Archivbild: Das Atrium Hotel Blume in Baden.      

Archivbild: Das Atrium Hotel Blume in Baden.      

SEVERIN BIGLER

Im Restaurant wird nun neu in zwei Stockwerken getischt. «So können wir garantieren, dass alle Gäste mehr als genug Abstand zueinander haben.» Die Spa-Bereiche sind maximal für vier Personen ausgelegt.

Auch Erne wäre nicht unglücklich über einen zweiten Lockdown. «Wir sind froh, dass wir im Moment arbeiten dürfen, aber diese Unsicherheit, was morgen kommt, ist belastbar», sagt er. «Mit dem Lockdown wäre wenigstens alles klar, und man hätte Zeit, sich neu zu fokussieren.»

Blick in das Stadtbistro Isebähnli. (Archivbild)

Blick in das Stadtbistro Isebähnli. (Archivbild)

Zur Verfügung gestellt

Das «Isebähnli» an der Bahnhofstrasse in Baden wird künftig montags geschlossen bleiben. Ansonsten soll der Betrieb wie gehabt weitergeführt werden. «Wir wollen auf jeden Fall unser Take-away-Angebot wieder mehr pushen», sagt Wirt Pius Bieri.

Er geht stark davon aus, dass die Gäste in Zukunft wieder häufiger zu Hause essen werden. Auch er hält einen zweiten Lockdown für sinnvoll. «Ob das Restaurant nun geschlossen ist oder ohne Kunden geöffnet, kommt aufs Gleiche hinaus», sagt Bieri.

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