Baden

Kunst am Trafo-Bau: Kaputte Leuchttafeln lösen Ärger aus

So würde das Lichtspiel am Trafo 1 aussehen – wenn es funktionieren würde.zvg

So würde das Lichtspiel am Trafo 1 aussehen – wenn es funktionieren würde.zvg

Zurzeit flimmern die Leuchttafeln beim Trafo nur traurig vor sich hin. Nun zeichnet sich eine Reparatur ab – doch wieso hat das über zwei Jahre gedauert? Kinobesitzer Peter Sterk hat darauf eine freundliche Antwort.

Seit im November 2002 das Multiplexkino Trafo 1 mit seinen fünf Sälen, die insgesamt 1220 Zuschauer fassen, eröffnet hatte, waren die Leuchtkästen an der Fassade, dessen Wahr- und Markenzeichen. Entworfen hat sie der Zürcher Lichtkünstler Christian Herdeg. Doch seit gut zwei Jahren flimmert das Wahrzeichen nur noch kümmerlich vor sich hin, wie aufmerksame Passanten beobachtet haben.

Adrian Meyer, dessen Büro Burkard, Meyer seinerzeit die Umnutzung des ehemaligen Industriekomplexes gestaltete, bestätigt das teilweise defekte Lichtspiel. Kinobesitzer Peter Sterk und Jarl Olesen von der Abteilung Planung und Bau bei der Stadt Baden hätten ihm schon vor längerem mitgeteilt, dass man die Eigentümerschaft auf das Problem hingewiesen habe. Adrian Meyer: «Christian Herdeg und die Initianten der Idee einer leuchtenden Hülle sind irritiert ob der Tatsache, dass sich die notwendige Instandstellung so lange hinzieht.»

Kunst statt Leuchtschrift

Auch Kinobesitzer Peter Sterk waren die defekten Leuchttafeln in den letzten zwei Jahren ein Dorn im Auge. Doch weil er nur rund einen Fünftel des Trafo 1 besitzt, waren ihm die Hände gebunden. «Natürlich hätten wir die defekten Leuchttafeln möglichst zeitnah reparieren lassen wollen, zumal diese einen doch ziemlich schäbigen Eindruck hinterlassen.»

Er habe viele Rückmeldungen von Kinogästen erhalten, denen die nicht mehr oder nur schwach leuchtenden Tafeln aufgefallen seien. «Die Tafeln waren unser Markenzeichen; dies umso mehr, als es uns von Gesetzes wegen nicht erlaubt wurde, die sonst für Kinos typischen Leuchtschriften anzubringen», sagt Sterk.

Reparatur kostet 50'000 Franken

Dass es mit der von ihm gewünschten «zeitnahen» Reparatur nicht geklappt habe, sei auch dem Umstand geschuldet, dass sich die Kommunikation mit dem Haupteigentümer, einer Fondsgesellschaft der UBS, beziehungsweise deren Verwaltung Privera AG in Dättwil nicht ganz einfach gestaltet habe, formuliert es Sterk höflich.

Doch nun endlich zeichnet sich eine Lösung ab. «Bis im Frühling soll alles in Ordnung gebracht werden.» Sterk rechnet mit Reparaturkosten von ungefähr 50'000 Franken, «welche die beiden Eigentümer im Verhältnis ihrer Eigentumsanteile übernehmen werden».

Bauherren des Trafo 1 waren damals die ABB Immobilien AG und die Sterk Cine AG, die total 60 Mio. Franken investierten. Die Stadt brachte für den Trafo-Platz und den Stadtsaal 13 Mio. Franken auf. Auch am Lichtspiel von Christian Herdeg beteiligte sie sich im Rahmen des Kunstprozents mit rund 150'000 Franken.

An der Reparatur hätte sich die Stadt zwar nicht beteiligen müssen. «Trotzdem haben wir uns entschieden, einen Beitrag von 10'000 Franken zu sprechen, damit das Ganze jetzt endlich an die Hand genommen wird», sagt Jarl Olesen, Leiter Planung und Bau.

Der Beitrag werde aber nur unter der Bedingung ausbezahlt, dass sich der Haupteigentümer dazu verpflichte, künftig für den Betrieb und Unterhalt des Lichtspiels zu sorgen, betont Olesen.

«Dass das Lichtspiel in den letzten zwei Jahren nicht mehr richtig funktionierte, war ein grosses Ärgernis; die Stadt war immer der Meinung, es sei Sache der Eigentümer, für die Wiederinstandsetzung zu sorgen.»

Auf die Frage, weshalb es so lange gedauert hat, bis man jetzt die Reparatur an die Hand nimmt, sagt Marcel Aebi, der zuständige Bewirtschafter bei der Privera AG. «Es ist nicht so, dass wir in den letzten zwei Jahren gar nichts unternommen haben; beispielsweise haben wir unter anderem versucht, das Lichtspiel mit bestehenden Computerprogrammen wieder zu neuem Leben zu erwecken, was leider nicht gelungen ist.»

Einen Grund für die Verzögerung sieht Aebi zudem im Umstand, dass die Liegenschaft den Besitzer gewechselt habe, «was das Ganze verständlicherweise auch nicht beschleunigt hat». Und dann dürfe man auch nicht vergessen, dass bei einer so grossen Liegenschaft wie dem Trafo 1 schon der ganz normale Unterhalt eine grosse Herausforderung darstelle. Aebi ist aber auch froh, dass das Problem jetzt angegangen werden kann.

Das ist auch Künstler Christian Herdeg: «Als Künstler haben mich die defekten Leuchttafeln natürlich massiv gestört.» Seit er sich vor gut zwei Jahren vor Ort selber ein Bild gemacht habe, sei er immer wieder um eine Lösung bemüht gewesen. «Deshalb bin ich natürlich sehr erleichtert, dass sich jetzt endlich eine solche abzeichnet und die Reparatur an die Hand genommen wird.»

Gleichzeitig ist der 73-jährige Künstler nicht ganz so optimistisch, dass die ganze Lichtinstallation – insgesamt zwölf Tafeln – bereits bis im Frühling wieder instand gesetzt ist. «Es ist ja nicht so, dass einfach ein paar Neonröhren defekt sind und ersetzt werden können.»

Vielmehr geht Herdeg davon aus, dass Steuerungselemente betroffen sind. «Das wird Zeit brauchen, zumal ich das Ganze auch wieder programmieren muss.» Und dann müsse auch jemand vor Ort die ganzen Arbeiten koordinieren, sagt Herdeg.

Quasi unechte Fenster

Die Leuchttafeln sind auf die Idee des Badener Architekten Adrian Meyer zurückzuführen. Ihm schwebte vor, anstelle von echten Fenstern leuchtende Flächen als unechte Fenster in die Fassade zu setzen. Die Ergänzung von Architektur und Kunst führte Rolf Weiersmüller aus, der für die gesamte visuelle Gestaltung des Trafo-Centers verantwortlich zeichnete. Er übertrug den Gestaltungsauftrag dem weltweit ausstellenden Künstler Christian Herdeg, der an die beiden Längsfassaden ein wechselndes Lichtspiel zauberte, das zudem das Kinoleben im Innern des Gebäudes nach aussen reflektiert.

Christian Herdeg hat das Farb- und Lichtspiel mit Neon und mit fluoreszierenden Leuchten inszeniert. Die Farbwechsel der leuchtenden Flächen erfolgen auf Basis der drei Grundfarben Gelb, Blau und Rot. Die fliessenden Farbveränderungen werden über den wechselnden Einsatz von transparentem und lichtundurchlässigem Plexiglas erzeugt.

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