Baden
Kunstlehrstuhl an der Berufsfachschule: Kunst und Bildung gehen dort Hand in Hand

Ein Buch blickt auf die ersten Jahre des Kunstlehrstuhls an der Berufsfachschule Baden zurück. Dieser bietet den Schülern die Möglichkeit, sich auf Ungewohntes einzulassen.

Frederic Härri
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Kunstlehrstuhl Baden
4 Bilder
Künstler Soren Berner (r.) richtete 2014 ein Tonstudio ein.
Eric Anderson (2. v. r.) arbeitete 2013 mit den Schülern...
... und richtete eine Druckwerkstatt in der BBB ein.

Kunstlehrstuhl Baden

zvg

Im Oktober 2011 ging die Stadt Baden neue Wege. Bei öffentlichen Bauten muss im Kanton Aargau ein Prozent der Baukosten für «Kunst am Bau» verwendet werden.

Statt das Geld wie üblich in eine Skulptur oder Kunst-Installation zu stecken, wurde bei der Berufsfachschule Baden (BBB) auf Immaterielles gesetzt: Als erste Schweizer Berufsschule richtete sie einen Kunstlehrstuhl ein.

Sinn und Zweck des Lehrstuhls ist es, dass sich Schülerinnen und Schüler aktiv mit Kunst auseinandersetzen. Wie das genau funktioniert, wird der breiteren Öffentlichkeit nun erstmals in einem Buch vorgestellt. Darin werden die ersten vier Jahre (2011–2015) des Bildungsangebots dokumentiert.

So lange war Nadja Baldini als Kuratorin des Kunstlehrstuhls tätig. Baldini, die den Text- und Bildband mit zwei weiteren Autoren im Auftrag der Stadt Baden und der BBB verfasst hat, verrät, worum es in ihrer Publikation geht: «Ich will damit aufzeigen, dass Kunst nicht nur etwas Abgehobenes ist, sondern viele Verbindungen zu Beruf, Technik, Bildung, Alltag und Popkultur bestehen.»

Diese Verbindungen werden den Schülern seit nunmehr sechs Jahren mithilfe verschiedener Workshops näher gebracht. In Projekten treten die Jugendlichen in Verbindung mit Künstlern und sollen auf diese Weise ein tieferes Verständnis zur Kunst entwickeln.

Wie kommt so ein neuartiges Konzept bei den Berufsschülern an? «Unterschiedlich», sagt Nadja Baldini, die in ihrer Zeit als Kuratorin bis 2015 bewusst auf experimentelle Programme und Formate gesetzt hat.

«Eines der Highlights war sicherlich das Radio-Projekt ‹BIM-Baden in Musik›, bei dem viele Schüler aus sich herausgekommen sind und sich mit eigenen Texten und Ideen eingebracht haben.» Sie attestiere den Schülern ein hohes Kunstverständnis, sagt Baldini.

Bei den meisten sei der Wille spürbar gewesen, sich auf das Angebot, mit Kunstschaffenden zu arbeiten, einzulassen. Dennoch relativiert sie: «Auch wenn einige nur bedingt einen Sinn darin sehen, sich als Polymechaniker oder als Koch mit Kunst zu beschäftigen.»

Wie geht es weiter?

Der Kunstlehrstuhl ist kein fester Bestandteil des Lehrplans, sondern wird an der BBB als ergänzendes Bildungsangebot organisiert. Nadja Baldini erinnert sich, dass es im Vorfeld der Lancierung lange Diskussionen gegeben habe, wie die 1,2 Millionen Franken von «Kunst am Bau» investiert werden sollen.

«Es wurde viel über den Mehrwert eines solchen Projekts gesprochen. Schliesslich haben die BBB und die Stadt Baden entschieden, dass es einen Versuch wert ist.»

Sicher ist: Die Diskussionen werden auch in nächster Zeit nicht abreissen. Bis Ende 2019 ist die Finanzierung durch das «Kunst-am-Bau-Prozent» sichergestellt. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Ob der Kunstlehrstuhl Zukunft hat, sei zu grossen Teilen Sache der Bildungspolitik, sagt Baldini. Dort werden die Entscheidungen gefällt, wo die Gelder hinfliessen.

Der Wille, den Lehrstuhl fortzuführen, sei bei allen Verantwortlichen gross, betont Stefan Schibli, Allgemeinbildungslehrer und Projektleiter Kunst an der BBB. «In den kommenden Monaten werden wir uns intensiv mit dem künftigen Angebot und der Frage nach der Finanzierung auseinandersetzen.»

Schibli ist davon überzeugt, dass der Lehrstuhl Potenzial hat, weiter zu bestehen. Bis anhin habe sich der Aufwand jedenfalls gelohnt: «Der Kunstlehrstuhl ist ein Erfolg, weil die Schüler ihre Kreativität ausleben und neue Kompetenzen lernen in einem Alltag, wo Kunstthemen sonst eine untergeordnete Rolle spielen.»

Auch von ausserhalb habe es überwiegend positive Rückmeldungen gegeben, einige Lehrmeister hätten aus Interesse sogar verschiedene Ausstellungen der Berufsschüler besucht.

Zum Konzept des Lehrstuhls gehört auch, sich einem bewussten Wandel zu unterstellen. So wurde Nadja Baldinis Zeit als Kuratorin von Anfang an auf vier Jahre begrenzt. Seit 2015 hat Kunstvermittlerin Sanja Lukanovic den Posten inne.

Doch auch unter der neuen Leitung bleibt das Ziel laut Schibli dasselbe: «Wir wollen den Schülern weiterhin die Möglichkeit geben, sich auf Ungewohntes einzulassen.»

Buchvernissage Kunstlehrstuhl: Donnerstag, 1. März, 18.30 Uhr, Aula Martinsberg, Berufsfachschule BBB.