Fislisbach
Künstler Karl Amsler: «Die Malerei hielt mich über Wasser»

Man könnte fast hineingreifen in die blühende Malven-, Sonnenblumen- und Lilienpracht, die Karl Amsler in leuchtenden Acrylfarben naturgetreu wiedergibt. Zurzeit zeigt der Badener Maler seine Kunstwerke im Fislisbacher Alterszentrum Buechberg.

Ursula Burgherr
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Karl Amsler sitzt auch bei frostigen Temperaturen draussen auf einer Bank und malt.

Karl Amsler sitzt auch bei frostigen Temperaturen draussen auf einer Bank und malt.

ursula burgherr

Die Landschaftsszenarien von Karl Amsler stammen allesamt von der Baldegg. Dort verbringt der Kunstschaffende schon seit 10 Jahren viele Stunden, beobachtet seine Umgebung und gerät oft mit Spaziergängern ins Gespräch. «Sie erzählen mir von sich – manchmal auch traurige Schicksale, weil sie niemanden zum Reden haben», sagt Amsler.

Auch frostige Temperaturen halten ihn nicht davon ab, auf einem Bänkli zu sitzen und Bilder von einsamen Waldlichtungen und Hügelzügen mit faszinierenden Lichtstimmungen zu kreieren. «Viele der betagten Menschen hier im Alterszentrum Buechberg können nicht mehr weit gehen. Deshalb bringe ich die Natur zu ihnen. Wenn ich sehe, wie sie beim Betrachten aufblühen, gibt es für mich nichts Schöneres», meint der Maler berührt.

Skulptur: Erinnerung an Unfall

Amsler ist ein glühender Verehrer von Ernst Ludwig Kirchner und Erick Heckel, deren expressionistischen Werke von den Nazis im Zweiten Weltkrieg als «entartet» beschlagnahmt und teilweise zerstört wurden.

Motive seiner Vorbilder – dazugehören auch Kandinsky und Picasso – sind in der Ausstellung in Fislisbach ebenfalls zu entdecken. Damit zollt er den grossen Meistern auf seine Art Tribut.

Ergänzt wird das Oeuvre mit einer Reihe von Skulpturen aus Fundstücken wie Pestwurz oder Nussbaumholz, die er schnitzte, bemalte oder verchromen liess. Eine Engelsplastik aus Eisen erinnert an den Unfall, den Amsler mit seiner Frau im Jahr 2011 hatte. Beide wurden auf der Mellingerstrasse angefahren und schwer verletzt.

Damit wurde seinen sportlichen Ambitionen – er war bis ins hohe Alter Trainer beim FC Baden, fuhr Velorennen und nahm an Strassenläufen teil – endgültig ein Ende gesetzt. «Ich konnte monatelang nicht gehen. Dafür malte ich jeden Tag fünf bis sechs Stunden und las Kunstbücher. Das hielt mich über Wasser», erinnert sich Amsler an die schwere Zeit zurück.

Der gebürtige Badener, der als eines von elf Kindern unter einfachsten Verhältnissen in der Halde aufwuchs und heute in Dättwil lebt, liebt seine Heimat. Deshalb veröffentlichte er auch den Bildband «Baden ist mehr als nur baden» mit eigenen Werken von der Limmatstadt.

Das Malergeschäft, das er mit seinem Bruder Arthur gründete und nach dessen Tod 28 Jahre alleine führte, übernahm 2001 Sohn Adrian. Im Kantonsspital Baden hängen einige Amsler-Bilder von der Baldegg. Nächstes Jahr stellt der bald 80-Jährige in der Galerie E-Punkt aus. Und er schreibt Gedichte. Sein Werk ist noch lange nicht beendet – Amsler sprüht noch immer vor Ideen.

Ausstellung von Karl Amsler:
Bis 17. Mai, täglich von 9 bis 20 Uhr im Alterszentrum am Buechberg, Bernardastrasse 3, Fislisbach.

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